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Banken specken auch bei Luxus-Immobilien ab Von Tom Bill und Lionel Laurent, Reuters Hintergrund

London/Paris Finanz- und Schuldenkrise haben den Banken zugesetzt.

Um Kosten zu sparen und an flüssige Mittel zu gelangen, verkaufen die Geldinstitute auch Immobilien. Darunter zählen auch zahlreiche luxuriöse Prestigeobjekte in den Bankenmetropolen. Im Sommer 2007 war die Stimmung bei Société Générale noch gut. Die französische Grossbank plante ein schickes Glasgebäude für 3500 Händler am Fuss ihrer Doppeltürme in La Défense, dem modernen Büroviertel am westlichen Rand von Paris. Rund 250 Millionen Euro kostet das Prestige-Projekt, jede der fünf Etagen ist halb so gross wie ein Fussballfeld. Jetzt, fünf Jahre später, ist das Gebäude fast bezugsfertig - doch die Welt sieht anders aus: Die Mannschaft der Société Générale ist geschrumpft, allein in Frankreich fielen zuletzt knapp 1000 Stellen weg. Von den Flächen, die die Bank an ihrem Hauptsitz einst so grosszügig geplant hat, braucht sie heute nur noch einen Bruchteil. «Wahrscheinlich werden wir die Büros anderweitig vermieten müssen», berichtet einer der Banker, der in den Glaspalast einziehen soll. «Oder wir nehmen ein Fitness-Studio mit rein.» Folge der Krise Was die Société Générale in La Défense erlebt, ist symbolisch für viele andere Banken in Europa. Erst im Juli dieses Jahres hatte beispielsweise die Credit Suisse angekündigt, unter anderem durch Immobilienverkäufe die Reserven um Milliarden zu äufnen. Die Geldhäuser sind erst in der Finanzkrise, dann in der Schuldenkrise unter Druck gekommen, die Erträge brechen weg. Vor allem die einst gefeierten Investmentbanker liefern nicht mehr die erhofften Gewinne ab. Also müssen die Kosten runter: Jobs werden gestrichen, Verwaltungskosten auf den Prüfstand gestellt. Weitläufige luxuriöse Büroflächen können und wollen sich viele Institute nicht mehr leisten. Das trifft vor allem Standorte, an denen die teuren Leute mit den besonders schicken Büros sitzen: Paris, London, Zürich. Die Party ist vorbei Die einstige Pariser Vorzeige-Bürostadt La Défense könnte schon bald zum Museum verkommen, unken Immobilienexperten. «Eine Menge Büros werden hier bald leer sein», sagt Alexis Motte, Chef des Beratungshauses Mobilitis. Die Warnleuchten blinken bereits: Die Leerstandsquote im Viertel steigt, die Spitzenmieten fallen - schon seit mehreren Quartalen. Société Générale zählt heute 25'000 Banker in La Défense, bald werden es nur noch 14'000 sein. Manche verlassen die Bank, Tausende andere werden bis 2016 in den östlichen Pariser Vorort Fontenay-sous- Bois umquartiert. Dort sind Büros deutlich günstiger. Die heimische Konkurrentin Crédit Agricole macht es ähnlich: Sie verlagert 5600 Investmentbanker von La Défense in den weniger schicken Aussenbezirk Montrouge, südwestlich von Paris. Nachfrage in London eingebrochen Der Londoner «City» geht es nicht besser. Etliche neue Bürohäuser, die in den Boomzeiten ohne Vorvermarktung aus dem Boden gestampt wurden, drohen zu Bauruinen zu werden. Die Nachfrage ist eingebrochen, die finanzierenden Banken ziehen immer häufiger den Stecker. Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Die Immobilien- Spezialisten von Cushman & Wakefield befragten unlängst 107 Banken und Finanzdienstleister nach ihrem künftigen Bürobedarf. Das Ergebnis: Ein Drittel will binnen eines Jahres die genutzten Flächen reduzieren. Mehr als die Hälfte der Befragten denkt über eine Untervermietung nach. Doch ob die Weitervermietung aufgeht, ist ungewiss. Die japanische Grossbank Nomura kann ein Lied davon singen. Sie sucht noch immer Nachmieter für ihre ehemalige Niederlassung nahe der Londoner Börse. Nomura zog dort im Herbst 2008 aus - als sie das Europa-Geschäft der kollabierten US-Investmentbank Lehman Brothers übernahm und grössere Räume brauchte. CS mietet sich in verkauftes Haus ein Und es kommen weitere Büroflächen auf den Markt. Im östlichen Londoner Stadtteil Canary Wharf überlegt die Bank of America gerade, ob sie Verwaltungseinheiten in die kleine englische Stadt Chester auslagert, wo die Miete nur halb so hoch ist. Auch die CS spart in London: Sie hat ihr Gebäude in Canary Wharf für 330 Millionen Pfund (rund 496 Millionen Fr.) an Investoren aus Katar verkauft und danach günstig zurückgemietet. Das macht obendrein auch noch flexibel. Wollen Vermieter Banken halten, müssen sie sich der neuen Bescheidenheit anpassen, sagt Martin Jepson vom kanadisch- amerikanischen Projektentwickler Brookfield. «Die Banken wollen effizientere und flexiblere Gebäude». Flächen müssten besser ausgenutzt werden, die Laufzeiten der Mietverträge sinken. In London liefen gewerbliche Mietverträge in der Vergangenheit gerne mal 25 Jahre. Dass sich darauf heute keine Bank mehr einlässt, liegt auf der Hand: Die Finanzkrise hat gezeigt, dass manches Geldhaus schon von heute auf morgen in Existenznot geraten kann.

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