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Novartis' Geschäft des guten Gewissens stockt

Der Pharmariese versprach, in 30 armen Ländern lebenswichtige Medikamente zum Selbstkostenpreis anzubieten. Das Vorhaben kommt aber langsamer vorwärts als gedacht.

Holger Alich
Ein Freiwilliger fährt in Zimbabwe einen Malariakranken ins Spital. Foto: Brent Stirton
Ein Freiwilliger fährt in Zimbabwe einen Malariakranken ins Spital. Foto: Brent Stirton

Die Idee tönt gut: Damit Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu teuren Medikamenten bekommen, verkauft Novartis 15 zum Teil noch patentgeschützte Wirkstoffe zu je einem Dollar pro monatlicher Behandlung. Läuft alles nach Plan, will der Pharmakonzern trotz des tiefen Preises am Ende sogar noch einen kleinen Gewinn dabei einstreichen.

Vor zwei Jahren stellte Novartis diese Initiative mit dem Namen «Novartis Access» vor. Bis 2020 wollte der Konzern sie in dreissig Ländern umgesetzt haben. Bis jetzt machen aber nur sechs Länder mit. «Das ist weniger als geplant, wir hatten zu Beginn des Programms gehofft, dass wir schneller Partnerstaaten gewinnen können», sagt Harald Nusser, Chef der Novartis-Einheit «Social Business». Sie verantwortet das Programm. «Wir haben die Komplexität unterschätzt», so Nusser.

Von einem Flop will der Manager aber nicht reden. Schliesslich wurden seit Start der Initiative 650 000 Monatspackungen gegen Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Brustkrebs geliefert. Sechs Staaten machen mit, Kenia, Äthiopien, Ruanda, und neuerdings auch Pakistan, Kamerun und Uganda.

Solche Initiativen, um Menschen in Entwicklungsländern mit bezahlbarer Medizin zu versorgen, gibt es Dutzende. Der US-Pharmakonzern Eli Lilly etwa will 90 Millionen Dollar zusätzlich investieren. So will er bis 2030 rund 30 Millionen Menschen in Ländern wie Brasilien, China, Indien oder Kenia mit preiswerten Medikamenten gegen Tuberkulose, Diabetes und Krebs zu versorgen.

Probleme beim Vertrieb

«Ich habe viele solcher Programme analysiert, ihr Fehler ist oft, dass sie zu wenig auf die lokalen Gegebenheiten in einem Land Rücksicht nehmen», sagt Jayasree Iyer, Chefin der Stiftung Access to Medicine. Diese Nichtregierungsorganisation untersucht jedes Jahr die Bemühungen der weltweit zwanzig grössten Pharmakonzerne, inwieweit sie Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu bezahlbaren Medikamenten gewähren. Trotz der Startschwierigkeiten hält Iyer das Novartis-Programm für sinnvoll. «Wichtig ist vor allem, dass die Konzerne sich hierbei dauerhaft engagieren», mahnt sie.

Ein grosses Problem bei solchen Abgabeprogrammen ist der Vertrieb: Mit dem Verkauf der Wirkstoffe bis zur Landesgrenze ist es nicht getan – sie müssen die Patienten vor Ort erreichen. Damit Zwischenhändler keine Kasse mit den Medikamenten von Novartis machen, setzt der Pharmahersteller zum Beispiel in Kenia auf den Vertrieb durch kirchliche Organisationen und auf eine Zusammenarbeit mit der lokalen Vertretung des Roten Kreuzes.

«Wir haben in Kenia aber gelernt, dass rund 40 Prozent des Medikamentenabsatzes über den Privatsektor laufen», sagt Novartis-Manager Nusser. Daher will Novartis in Zukunft auch mit privaten Partnern zusammenarbeiten, um mehr Menschen zu erreichen. «Um Preismissbrauch zu vermeiden, werden wir mit privaten Vertriebspartnern über maximale Abgabepreise bis zu 2 Dollar pro Patient verhandeln.» Eben diese Vertriebsproblematik sei ein Grund dafür, dass das Programm «Novartis Access» so einen schweren Start hatte. «Ich gehe davon aus, dass wir bei der Verbreitung nun eine Beschleunigung sehen werden», sagt Nusser.

Gemäss der Stiftung Access to Medicine ist das auch nötig. Sie kritisiert, die Pharmabranche tue insgesamt in Sachen Medikamentenzugang nach wie vor zu wenig. «Es gibt immer noch nicht genug Initiativen, um das Problem des Zugangs zu bezahlbaren Medikamente zu lösen», meint Stiftungschefin Iyer.

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