Bislang lief alles glimpflich ab – für die Börse gilt der Plan B

Seit heute Morgen dürfen europäische Handelsplätze keine Schweizer Aktien mehr handeln. Offenbar halten sie sich daran.

Opfer im Streit mit der EU: Die Schweizer Börse SIX ist für die EU nicht mehr gleichwertig.

Opfer im Streit mit der EU: Die Schweizer Börse SIX ist für die EU nicht mehr gleichwertig. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Nervös blickten heute Morgen die Börsenhändler auf den Ticker. Klappt alles? Läuft der Handel an der Schweizer Börse SIX am ersten Tag nach dem Auslaufen der Börsenäquivalenz ganz normal? Die Sorgenfalten glätteten sich rasch. Von technischen Problemen war nichts zu spüren, die Handelsvolumen zogen leicht an und die Börsen reagierten positiv auf den Ausgang des G-20-Gipfels. Der wichtigste Schweizer Börsenindex SMI kletterte daher zwischenzeitlich wieder über die 10'000-Punkte-Marke.

Weil die EU der Schweizer Börse wegen der schleppenden Verhandlungen zum Rahmenabkommen die Gleichstellung verweigert, gilt der Plan B des Bundesrates. Europäische Handelsplätze dürfen nun keine Schweizer Aktien mehr handeln. Sie dürfen nur noch an der SIX gekauft und verkauft werden. Bislang liefen rund 30 Prozent des Handels mit Schweizer Werten auf Börsen und Handelsplattformen in der EU. Dieses Volumen sollte nun also in der Schweiz abgewickelt werden.

Heute ist die Handelsaktivität leicht überdurchschnittlich. Das müsse aber nicht zwingend mit dem Ende der Börsengleichstellung zusammenhängen, heisst es dazu bei der SIX. An einem Vormittag könnten sich mehrere Effekte auf die Marktaktivität der Handelsteilnehmer auswirken. Es brauche daher einen längeren Betrachtungszeitraum, um die Wirkung des neuen Regimes abschätzen zu können.

Laut Christoph Hock, dem Handelschef des deutschen Fondsanbieters Union Investment, laufe die Umstellung beim Handel mit Schweizer Aktien problemlos. Alle Börsenplattformen in der EU hätten den Handel mit Schweizer Titeln eingestellt, nur vereinzelt sei es noch zu Transaktionen mit Schweizer Aktien gekommen.

Da die Liquidität in der EU mit Schweizer Titeln ausgetrocknet ist, haben EU-Investoren wie Union Investment laut den EU-Börsenregeln Mifir das Recht, die Aktien an der Schweizer Börse zu handeln, auch wenn diese nicht länger von der EU anerkannt ist. Es könne indes aber noch dauern, bis die EU-Regulierer sich zur Liquiditätslage offiziell äussern würden.

«Union Investment hat seit Montagvormittag damit begonnen, Transaktionen an der Six zu platzieren», sagte Hock. Parallel würde das Fondshaus auch Schweizer Titel über grosse Banken und Broker handeln, die über grosse Aktienbestände in den eigenen Büchern verfügen. Wer den Zuschlag für eine Transaktion bekommt, hänge davon ab, wo es die besseren Konditionen gibt, so Hock.

In den letzten Tagen hatten die europäischen Handelsplätze, wie etwa die Londoner Börse, ihre Kunden informiert, welche Aktien künftig vom Handel ausgeschlossen sind. Heute Morgen zog die Deutsche Börse nach. Bei ihr sind nun 182 Schweizer Wertpapiere vom Handel ausgesetzt. Die bedeutendsten dabei: Nestle, Roche und Novartis.

Erstellt: 01.07.2019, 12:48 Uhr

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