Börsen boomen, Euro-Franken stürzt ab – verkehrte Welt?

Vier Gründe, warum die Schweizer Währung derzeit so stark ist wie seit gut drei Jahren nicht mehr.

Während an den Aktienmärkten ständig neue Höchststände erreicht werden, testet der Euro-Franken-Kurs neue Tiefstkurse. Foto: Brendan McDermid/Reuters/TA-Grafik

Während an den Aktienmärkten ständig neue Höchststände erreicht werden, testet der Euro-Franken-Kurs neue Tiefstkurse. Foto: Brendan McDermid/Reuters/TA-Grafik

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In den vergangenen Wochen hat der Franken wieder deutlich an Wert gewonnen. Zum Euro hat die Schweizer Währung gar den höchsten Stand seit knapp drei Jahren erreicht. Vier Gründe, weshalb der Franken erstarkt:

Die politische Unsicherheit

Lange Zeit hat der Handelsstreit zwischen den USA und China für Verunsicherung an den Börsen gesorgt. Doch nun stehen die Zeichen dank der Unterzeichnung eines ersten Teilabkommens wieder auf Entspannung, was weltweit für steigende Aktienkurse sorgt. Allerdings spitzte sich zu Jahresbeginn die Krise zwischen den USA und dem Iran zu, nachdem US-Streitkräfte einen iranischen Topgeneral mit einem gezielten Drohnenangriff getötet hatten. Das habe bei Anlegern für Beunruhigung gesorgt und die Nachfrage nach «Fluchtwährungen» wie dem Franken erhöht, sagt Credit-Suisse-Analyst Maxime Botteron. Eine sorgenfreie Phase an den Finanzmärkten, in der sich der Franken hätte abschwächen können, gab es damit nicht. In den vergangenen Jahren waren es vielfach Krisen in der Eurozone, die für Investoren Anlass waren, in den sicheren Hafen Franken zu fliehen. «Die Gründe für die Aufwertung des Franken lösen sich ab wie bei einem Staffelrennen», sagt ein Finanzanalyst. 

Stabilität und tiefe Inflation

Der Franken hat seinen Ruf als sicherer Hafen über die Jahrzehnte etabliert. Hintergrund dafür ist die wirtschaftliche und politische Stabilität sowie die tiefe Inflation. Zudem eignet sich die Währung nach Einschätzung der St. Galler Kantonalbank als Ziel von Devisenspekulanten: Weil der Franken im internationalen Vergleich eine «kleine Währung» sei, lasse sich mit kleinem Einsatz ein starker Preiseffekt erzielen, so die Experten der Kantonalbank. 

 

Zinsdifferenzen wurden kleiner

Die Schweizer Notenbank hält seit fünf Jahren unverändert an ihrer Geldpolitik fest: Der Leitzins liegt bei minus 0,75 Prozent, und bei Bedarf ist die SNB zu Eingriffen am Devisenmarkt bereit, um den Franken künstlich zu schwächen. Ganz generell will die Notenbank die Zinsen in der Schweiz stets tiefer halten als in anderen wichtigen Währungsräumen, um den Franken damit für Spekulanten unattraktiv zu machen und eine Aufwertung zu verhindern. Die in Europa tonangebende Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Geldpolitik durch tendenziell sinkende Zinsen und ein gigantisches Anleihekaufprogramm hingegen sukzessive gelockert. Auch die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins zuletzt wieder gesenkt. Das macht den Franken im Vergleich zu anderen Währungen für Anleger attraktiv. «2019 ist die Zinsdifferenz zwischen der Schweiz und anderen wichtigen Währungsräumen geringer geworden. Das sorgt für Aufwertungsdruck», sagt Credit-Suisse-Analyst Botteron.

Schweiz unter Beobachtung

Die Schweiz steht nun wieder auf der US-Beobachtungsliste für Währungsmanipulatoren. Auch wenn die möglichen Konsequenzen daraus unklar sind, könnte das Auswirkungen auf die Bereitschaft der Nationalbank haben, auch künftig mit gezielten Eingriffen am Markt den Franken zu schwächen. Investoren haben das zum Anlass genommen, Franken zu kaufen. «Die Erwartung, dass die SNB nun nicht mehr in der bisher gewohnten Art im Devisenmarkt intervenieren kann, hat zu einer kleinen Spekulationswelle für den Franken geführt», erklärte die St. Galler Kantonalbank. Besonders in den vergangenen Jahren waren solche Interventionen das bevorzugte Mittel der SNB, sich gegen eine kurzfristige Aufwertung zu stemmen. 

Erstellt: 20.01.2020, 13:16 Uhr

Artikel zum Thema

So bedroht der Iran-Konflikt die Realwirtschaft

Die Märkte reagieren mit Kursverlusten. Eine Wirtschaftskrise lässt sich daraus aber noch nicht ableiten. Fünf Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Mehr...

«Man sollte die Rhetorik des US-Präsidenten sehr ernst nehmen»

Interview Philipp Hildebrand, heutiger Vizepräsident bei Blackrock, über die Schweizer Geldpolitik, die Verhandlungen mit der EU und den Klimawandel als Investitionsrisiko. Mehr...

Bestellungen brechen ein: Bund erwartet mehr Arbeitslose in Industrie

Maschinenbauern, Elektrofirmen und Metallverarbeitern machen der starke Franken und die schwächelnde Weltwirtschaft zu schaffen. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Buntes Treiben: Mit dem Schmutzigen Donnerstag hat auch die Luzerner Fasnacht begonnen. Am Fritschi-Umzug defilieren die prächtig kostümierten Gruppen und Guggen durch die Altstadt. (20. Februar 2020)
(Bild: Ronald Patrick/Getty Images) Mehr...