Britischer Jungunternehmer schockt Schweizer Banker

Nikolay Storonsky ist der Kopf hinter der stark wachsenden Bezahlfirma Revolut. Sie hat hier schon Zehntausende Nutzer, obwohl sie keine Werbung macht.

Eine Million Kunden in zwei Jahren: Die britische Firma Revolut von Nikolay Storonsky wächst rasant.

Eine Million Kunden in zwei Jahren: Die britische Firma Revolut von Nikolay Storonsky wächst rasant. Bild: PD

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Der Saal war gut gefüllt. Die Hochschule Luzern präsentierte gestern in Zug die neueste Ausgabe ihrer Studie zum Schweizer Bankenmarkt. Die Kunden sind mit ihren Banken zufrieden und wechseln sie nur selten, so das Fazit der Untersuchung. Die anwesenden Vertreter zahlreicher Schweizer Banken könnten sich entspannen. Doch dann hatte Nikolay Storonsky seinen Auftritt. Der aus Russland stammende Jungunternehmer sorgt derzeit in Grossbritannien mit seiner Bezahlfirma Revolut für Furore – und macht der Finanzbranche kräftig Druck.

Der 32-jährige Storonsky hat lange bei Grossbanken gearbeitet. So etwa bei den Lehman Brothers oder der Credit Suisse. Auf Reisen stellte er fest, dass er viel Geld für Bankgebühren ausgab. Er fand, im Ausland zu bezahlen oder Geld vom Automaten zu beziehen, sollte einfacher und günstiger möglich sein.

Mit dieser Idee gründete er im Juli 2015 seine Firma. Sie wächst rasant. Schon heute zählt sie mehr als 1 Million Kunden, der grösste Teil davon lebt in Grossbritannien. Die Firma hat mittlerweile rund 260 Mitarbeiter. Revolut wird von den britischen Behörden beaufsichtigt und hat kürzlich eine Europäische Bankenlizenz beantragt.

Tausende Kunden in der Schweiz

Revolut funktioniert mit einer Smartphone-App und einer Debitkarte. Die Nutzer eröffnen ein Konto. Mit diesem können sie per App Geld überweisen oder per Karte bezahlen. Die Karte lässt sich an jedem Ort einsetzen, wo auch andere Bezahlkarten genutzt werden können. Egal, in welchem Land man damit bezahlt: Es fallen keine Wechselkursgebühren an. Gebührenfrei ist bis zu einem bestimmten Betrag auch der Geldbezug am Bankomaten. Wie hoch die Obergrenze ist, hängt davon ab, ob man den kostenlosen Standardtarif oder das Premiummodell wählt.

Das Aufladen des Kontos per Kreditkarte kostet für Schweizer Kunden 1 Prozent des Guthabens. Günstiger kann es sein, das Konto per Überweisung aufzuladen. Die App listet alle Transaktionen auf. Die Ausgaben lassen sich nach mehreren Kategorien filtern.

20'000 bis 30'000 Kunden soll Revolut laut Storonsky bereits in der Schweiz haben. Dies, obwohl die Firma hier keine Werbung macht. Zum Vergleich: Die von den Banken stark beworbene Schweizer Bezahl-App Twint hat derzeit rund 500'000 Nutzer.

Storonsky würde in der Schweiz gerne weiter wachsen. Dafür braucht er aber eine hiesige Partnerbank. Denn nur so können die Schweizer Revolut-Kunden alle Dienstleistungen nutzen. Laut Storonsky ist Revolut bereits auf einige Schweizer Institute zugegangen. Ergeben hat sich daraus offenbar noch nichts.

Noch in den roten Zahlen

Einen Gewinn erzielt Revolut noch nicht. Wann es so weit sein soll, liess Storonsky offen. Die Firma hofft, möglichst viele Nutzer vom Premiummodell zu überzeugen. Dafür wird dann eine monatliche Gebühr fällig. Das Unternehmen setzt grosse Hoffnungen in das Geschäft mit Businesskunden. Zudem bietet sie Zusatzdienstleistungen wie eine Reiseversicherung an. Auch das soll sich dereinst lohnen. Offen ist, ob Revolut dereinst die Transaktionen auswerten und diese Informationen zu Geld machen kann.

Von seinem Vortrag waren die Schweizer Banker sichtlich beeindruckt. Auf Storonsky prasselten die Fragen nur so ein. Die Banker wollten wissen, wie Revolut genau funktioniert. Was denn die Banken in Grossbritannien davon hielten und wie er mit Schweizer Banken zusammenarbeiten wolle.

Storonsky gab bereitwillig Auskunft. Er sei offen für Partnerschaften mit grossen Instituten. Im Ausland funktioniere das bereits bestens. Banken hätten etwa bei der Vermögensverwaltung gegenüber Jungunternehmen einen Vorteil. Doch beim Entwickeln von kundenfreundlichen Produkten hätten Jungfirmen die Nase vorn.

Storonsky musste nach dem Vortrag auf den Flieger. Er liess einige Revolut-Kärtchen zurück, mit denen sich einfach ein Konto eröffnen lässt. Die Banker griffen eifrig zu. Einige nahmen sogar zwei oder drei.


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Erstellt: 17.11.2017, 13:38 Uhr

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