Bund fördert Bücher mit Millionen, die Post kassiert ab

Der Staatsbetrieb nimmt mit dem Versand eines Buches mehr ein, als der Autor daran verdient.

Arbeit für die Paketzusteller: Lieferwagen der Post vor dem Bundeshaus.

Arbeit für die Paketzusteller: Lieferwagen der Post vor dem Bundeshaus. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Deutschland kostet der Versand eines Buches 1 Euro, bei schweren Werken 1.65 Euro. Davon können Schweizer Verleger nur träumen. Ihnen verrechnet die Post fürs Verschicken eines Romans 7 Franken. Das ärgert die Schweizer Verleger. Zumal sich der Bund rühmt, die ­literarische Vielfalt des Landes zu fördern. Die Landesregierung gibt jährlich über 5 Millionen Franken aus, um die Mehrsprachigkeit, die multikulturelle Gesellschaft und das grosse Spektrum an Verlagen zu erhalten. Sie tut dies in Form von Werkbeiträgen, Druckkostenzuschüssen oder auch Promotionsmassnahmen. Hinzu kommen Beiträge von Kantonen und Städten. Insgesamt werden Bücher in der Schweiz mit fast 20 Millionen pro Jahr subventioniert.

Doch die staatliche Post langt zu. Sie kassiert von den Verlagen ganz normale B-Post-Tarife fürs Verschicken eines Romans an einen Onlinekunden. Versendet der Verlag über den Logistikdienstleister Buchzentrum, spart er dank Mengenrabatt. Er zahlt aber immer noch 5.80 Franken.

20 Prozent an den Staatsbetrieb

Diese Kosten lassen sich dem Kunden kaum verrechnen. «Der Leser erwartet, dass der Versand gratis ist», sagt Wendelin Hess, Geschäftsführer des Basler Echtzeit-Verlags. Bei einem Verkaufspreis eines Buches von 29 Franken gehen also 20 Prozent direkt an den Staatsbetrieb. «Das ist rund doppelt so viel, wie der Autor bekommt», so Hess. Auch Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands, kritisiert die hohen Posttaxen: «Sie sind ein weiterer Standortnachteil der Schweizer Buchhandlungen und Verlage gegenüber den ausländischen Mitbewerbern.»

Die Post verteidigt sich: «Die Deutsche Post liefert Bücher innerhalb von vier Tagen aus, ein B-Post-Paket braucht nur zwei Tage», sagt Sprecher Bernhard Bürki. Etwas gegen den Preisunterschied tun will die Post nicht. «Das Gesetz schreibt uns vor, wirtschaftliche ­Tarife zu verlangen», so Bürki. Dies ist freilich auch im billigeren Deutschland der Fall. Die Deutsche Post verdient mit dem Bücherversand Geld. «Trotz des vergleichsweise niedrigen Verkaufspreises ist das Produkt Büchersendung kostendeckend», sagt Sprecher Alexander Edenhofer. Subventioniert werde dieses Geschäft nicht.

Infografik: So reist ein Schweizer Buch mitunter durch Europa Grafik vergrössern

Auch in der Schweiz spricht der Bund kein Geld, um die Posttaxen für Bücher zu senken. Anders bei Zeitungen: Deren Versand wird mit jährlich 50 Millionen Franken subventioniert. «Ein solches System würde auch den Schweizer Buchverlagen helfen», sagt Hess. Es sei einfacher und schneller wirksam als Förderbeiträge an die Verlage, wie sie der Bund seit 2016 mit 1,9 Millionen jährlich neu im Budget hat. Beim Bundesamt für Kultur ist dies laut Sprecherin Anne Weibel aber momentan kein Thema. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2016, 22:14 Uhr

Artikel zum Thema

Die irrwitzige Reise eines Buches durch Europa

Immer mehr Schweizer Buchhändler bestellen in Deutschland. Das ist billiger – trotz absurd weiter Wege. Mehr...

Amazon plant offenbar 400 reale Buchläden

Der weltgrösste Online-Händler soll in den USA die Eröffnung von bis zu 400 Buchläden prüfen. Amazon tritt damit in direkte Konkurrenz mit dem konventionellen Buchhandel. Mehr...

Rekordjahr für den Buchhandel

2014 sind in der Schweiz erstmals mehr als 12'500 Bücher erschienen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kühe soweit das Auge reicht: An der traditionellen Viehschau in Schwellbrunn. (25. September 2017)
(Bild: EPA/GIAN EHRENZELLER) Mehr...