Bye-bye Maestro-Karte

Die Schweizer Banken werden ihre Bezahlkarten austauschen. Der Druck der Detailhändler und der neuen Konkurrenz wirkt.

Mehr als 10 Millionen Maestro-Karten gibt es in der Schweiz: Ihre Zeit soll bald ablaufen.

Mehr als 10 Millionen Maestro-Karten gibt es in der Schweiz: Ihre Zeit soll bald ablaufen. Bild: Christian Beutler /Keystone

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Wir zücken sie fast jeden Tag. Mehr als 10 Millionen Debitkarten sind in der Schweiz im Umlauf. Besonders Maestro-Karten sind beliebt. Sie gehören zu fast jedem Bankkonto dazu und lassen sich praktisch überall einsetzen – ob beim Geldabheben oder zum Bezahlen. Nur den Sprung ins Internet haben die Karten nicht geschafft. Dies hat einen einfachen Grund: Für Banken sind die Kreditkarten attraktiver. An diesen Zahlungen verdienen sie mehr. Bis auf wenige Ausnahmen lässt sich daher mit Debitkarten nicht online einkaufen. Doch das soll sich bald schon ändern.

Der Schweizer Finanzdienstleister SIX rüstet zahlreiche Schweizer Banken mit Bezahlkarten aus. Dort wird unter dem Projektnamen «Vegas» gerade eine kleine Revolution vorbereitet. «Alle Maestro- und V-Pay-Karten sollen ersetzt werden», so ein SIX-Experte an einer Fachtagung vor wenigen Tagen. Bei den in der Schweiz weniger verbreiteten V-Pay-Karten von Visa wird das ab 2021 geschehen. Sie wird vor allem von Raiffeisen und der UBS angeboten. Bei den Maestro-Karten werde der Prozess etwas länger dauern, doch auch dort sei das Ende abzusehen. Ersetzt werden sie durch Debit Mastercard und Visa Debit. In den nächsten Monaten laufen bei der SIX die ersten Tests, grossflächig könnten die neuen Karten Ende des nächsten Jahres ausgegeben werden.

Händler wollen Debitkarten

Die grossen Schweizer Detaillisten setzen Druck auf, dass die Kosten für Kartenzahlungen sinken und dass sich mit den bei ihren Kunden am meisten verbreiteten Karten im Internet einkaufen lässt. «Händler wollen schon lange Debitkarten, mit denen sich in Onlineshops bezahlen lässt», so der Experte von Six. Ein Nebeneffekt durch die Neuerung ist, dass dadurch eine weitere Konkurrenz für die Schweizer Bezahl-App Twint entsteht. Denn diese wird besonders in Onlineshops rege benutzt.

Bei SIX sieht man die neuen Karten eher als Ergänzung, so ein SIX-Sprecher. Die Debitkarte sei in der Schweiz viel beliebter als die Kreditkarte und lasse sich nun fürs Onlineshopping nutzen. Twint werde vor allem eingesetzt, wenn es darum gehe, vom Smartphone aus online einzukaufen. Die Debitkarte würde dann vor allem im Onlinehandel am PC eingesetzt. Viele Schweizer lassen sich die Waren bislang am liebsten per Rechnung zukommen.

Verbindung mit Apple Pay möglich

Für die Kunden haben die neuen Karten potenziell einen weiteren Vorteil. Sie werden sich auch virtualisieren lassen. Das heisst, sie können auch bei Apple Pay und Co. hinterlegt werden, wenn die Hausbank das zulässt. Die Schweizer Banken haben sich lange dagegen gesträubt. Erst vor kurzem haben sich erste grössere Banken, wie etwa die Credit Suisse, für die neuen Bezahlmethoden Apple Pay, Samsung Pay und Google Pay geöffnet.

Doch offenbar zeigt die steigende Konkurrenz durch Jungbanken wie Revolut, N26 oder Neon (an dem Unternehmen ist auch Tamedia beteiligt) Wirkung. Denn SIX will den Banken auch eine Smartphone-App anbieten, die sich viele Funktionen bei den Apps der Start-ups abschaut. «Die App ist angedacht. Wir diskutieren das zurzeit mit den Banken», bestätigt ein SIX-Sprecher. Über diese lassen sich die wichtigsten Kartenfunktionen steuern, also Zahlungen freigeben oder Karten sperren. Also das, was bei den Jungfirmen schon seit einiger Zeit möglich ist.

Erstellt: 24.05.2019, 17:17 Uhr

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