Clariant plant einen Milliardendeal für neuen Konzernumbau

Der Konzern setzt voll auf einen Alleingang und will für zwei seiner Sparten 2,5 Milliarden Dollar.

Verwaltungsratspräsident Hariolf Kottmann hat beim Spezialchemiekonzern Clariant derzeit auch die operative Führung inne.

Verwaltungsratspräsident Hariolf Kottmann hat beim Spezialchemiekonzern Clariant derzeit auch die operative Führung inne. Bild: Pino Covino

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bei Clariant ist derzeit die Umsetzung eines Plans B voll im Gang. Beim Spezialchemiekonzern spricht man vom «Base case». Denn die Führung hatte sich von ihrem «Best case» Knall auf Fall verabschieden müssen, als diesen Sommer der CEO Ernesto ­Occhiello nach nur neun Monaten den Bettel hinwarf. Mit dem Abgang des von der saudischen Grossaktionärin Sabic gestellten Chefs platzte auch das mit ihr geplante Joint Venture für eine der Divisionen von Clariant. Dieses war ein wesentlicher Teil des Zukunftskonzepts von Clariant.

Nun bleibt nur der Umbau im Alleingang. Dieser wird zudem noch erschwert durch die Suche nach einem Chef. Dabei hilft inzwischen ein Headhunter. Und die Suche schreitet voran: Eine erste Liste mit 20 Personen liegt schon vor, wie es aus gut unterrichteten Kreisen heisst. Jetzt stehe die engere Auswahl an.

Mit der Bekanntgabe eines neuen Chefs oder einer neuen Chefin dürfte eher erst nächstes als noch Ende dieses Jahres zu rechnen sein. Schon jetzt sieht es jedoch danach aus, dass wieder jemand aus dem Ausland die Führung von Clariant übernehmen wird, wie informierte Kreise berichten. Schweizer seien eher nicht in Sicht. Ein Mediensprecher von Clariant bestätigt, dass derzeit eine Liste mit möglichen Kandidatinnen und Kandidaten erstellt werde.

Aktuell hat der Verwaltungsratspräsident und ehemalige langjährige Konzernchef Hariolf Kottmann wieder die operative Führung inne. Kottmann führt zeitgleich zur CEO-Suche auch noch die Verhandlungen über die geplanten Spartenverkäufe.

Care Chemicals

Konzentrieren will sich Kottmann unter anderem auf den Bereich Care Chemicals, der Inhaltsstoffe für Shampoos und Körperlotionen produziert. Auch im Geschäft mit Enteisungsmitteln für Flugzeuge soll Clariant bleiben.

Trennen dagegen soll sich Clariant von der gesamten Sparte Masterbatches, die zum Beispiel Zusätze dafür herstellt, Lebensmittelverpackungen UV-beständig zu machen. Ursprünglich sollte ein Teil von diesem Geschäft in das gescheiterte Joint Venture übergehen, nun wird alles verkauft. Ausserdem will sich der Konzern von der Pigment-Division trennen. Es gebe für beide zum Verkauf stehenden Sparten jeweils mehrere Interessenten, heisst es aus informierten Kreisen. Und auch Summen werden schon genannt.

Kauft US-Firma eine Sparte?

Anfang Oktober berichtete die Wirtschaftsagentur Bloomberg von Gesprächen mit der US-Firma Polyone, die mit Clariant über die Übernahme der Masterbatches verhandle. Clariant verlange dafür 1,5 Milliarden Dollar. Diese Summe bestätigten Konzernkreise gegenüber dieser Zeitung. Für den Bereich Pigmente, der ebenso zum Verkauf steht, möchte Clariant demnach rund 1 Milliarde Dollar erzielen. Vontobel-Analyst Daniel Buchta hält diese Verkaufspreise für plausibel.

Das Gelingen der Milliarden-Deals ist für Clariant und seine derzeit knapp 18000 Mitarbeitenden entscheidend: Einerseits will der Konzern damit Sparten abstossen, die derzeit die Betriebsmarge drücken. Andererseits will das Unternehmen mit dem Geld selbst Zukäufe für seine fortgeführten Bereiche tätigen. Denn alleine sind sie zu wenig profitabel. Der Umbau bei Clariant wird also weitergehen.

Über all dem schwebt dabei die Frage, ob sich Clariant auf seinen neuen Ankeraktionär Sabic verlassen kann. Die viertgrösste Petrochemiefirma der Welt aus Riad war 2018 mit 25 Prozent eingestiegen und hatte Clariant damals vor der Zerschlagung durch Finanzinvestoren bewahrt. Seitdem tauchen immer wieder Gerüchte auf, die Saudis könnten aussteigen oder aber Clariant ganz übernehmen. «Am Ende entscheidet Sabic, wie es mit Clariant weitergeht. Das aber ist eine unsichere Angelegenheit, denn bei Sabic und Saudi Aramco kann alles passieren», sagt Vontobel-Analyst Buchta. Sabic nämlich soll vom saudischen Ölkonzern Aramco übernommen werden.

Bei Clariant ist die Stimmung jedoch im Moment gelassen. Man habe keinerlei Kenntnis davon, dass die Saudis ihren Anteil abbauen wollen, heisst es. Man gehe auch nicht davon aus, dass sich das mittelfristig ändern werde. Der Alleingang sei der klare Weg.

Erstellt: 09.11.2019, 08:24 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Willkommen auf dem E-Bauernhof

Im Jahr 2050 gilt es, 9,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Somit muss bis dann die Nahrungsmittelproduktion weltweit um 70 Prozent erhöht werden.

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Gute Laune trotz Lichtmangels

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...