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Coronavirus-Krise erfasst Schweizer Hotels

Stornierungen aus China treffen jeden zweiten Hotelier. Um Kosten zu sparen, schicken sie Personal in die Ferien oder in Weiterbildungen.

Angelika Gruber
Touristen aus China flanieren Ende Januar mit Mundschutzmasken durch Interlaken. Foto: Ephraim Bieri (Ex-Press)
Touristen aus China flanieren Ende Januar mit Mundschutzmasken durch Interlaken. Foto: Ephraim Bieri (Ex-Press)

Leere Hotelbetten und Zwangsurlaub für die Beschäftigten: Der abrupte Reisestopp für chinesische Touristen nach dem Ausbruch des Coronavirus hinterlässt bei Schweizer Hotels eine empfindliche Lücke. In einer landesweiten Umfrage des Branchenverbandes Hotelleriesuisse geben 51 Prozent der befragten Hoteliers an, von Stornierungen aus China betroffen zu sein. Teilweise haben sie diese bereits erhalten, teilweise erwarten sie Absagen für die kommenden Monate. Besonders betroffen sind die Städte.

«Die Branche versucht, nicht in Panik zu verfallen», sagt ein Sprecher von Hotelleriesuisse. «Einzelbetriebe, die auf chinesische Touristen spezialisiert sind, kann es sehr hart treffen.» Das Problem besteht einerseits in Städten wie Luzern und Zürich. Aber auch im Berner Oberland – namentlich in Interlaken – sind traditionell viele Chinesen zu Gast.

«Wir montieren neue Fernseher»

Hotels haben bereits erste Massnahmen ergriffen, um mit der Krise umzugehen. Wenn weniger Gäste kommen, benötigen sie auch weniger Personal. Einige schicken ihre Angestellten in die Ferien oder auf Weiterbildungen, wie Thomas Dübendorfer schildert. Er betreibt das Hotel Bellevue im Herzen von Interlaken. «Einige unserer Mitarbeiter sind in einem Sprachkurs, andere helfen bei der Renovation», sagt er.

Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, treibt er zudem Umbauten voran. «Wir montieren neue Fernseher. Das können wir nicht machen, wenn die Zimmer belegt sind», sagt Dübendorfer. Wie gross die Ausfälle sind, lasse sich noch nicht beziffern. Doch je nach Monat könnten chinesische Touristen bis zu 40 Prozent der Gäste ausmachen.

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Sparen beim Personal zählt für viele Hotelbetreiber zu den naheliegenden Massnahmen in einer Krise – die Kosten für die Angestellten machen etwa die Hälfte der Gesamtkosten aus. Umfangreiche Kündigungen zeichnen sich in der Branche aber bislang nicht ab. «Im Moment ist uns noch nicht langweilig, aber wenn die Buchungen im April nicht anziehen, dann wird es schwer», sagt Hotelier Dübendorfer.

Der Sommer wird entscheidend

In Luzern haben chinesische Gruppen ihre Reisen bis Ende März abgesagt, wie eine Sprecherin von Luzern Tourismus erklärt. Das dürfte die Stadt zu spüren bekommen, in der fast jeder zehnte Tourist aus China stammt.

In Zürich stellt sich die Branche ebenfalls auf Einbussen ein. Hier sind Besucher aus China mit einem Anteil von gut fünf Prozent die drittwichtigste ausländische Gästegruppe nach Touristen aus Nordamerika und Deutschland. «Es ist klar, dass es weniger chinesische Touristen geben wird», sagt der Präsident von Zürich Tourismus, Guglielmo Brentel.

Schweiz Tourismus rechnet für das erste Quartal mit einem landesweiten Minus von 50 Prozent bei den Hotelübernachtungen chinesischer Gäste. Dabei ist der Winter nicht die wichtigste Reisezeit: Chinesische Touristen besuchen die Schweiz traditionell vor allem in den Sommermonaten ab Juni. Wenn die Absagen auch dann anhalten, dürfte es die Branche deutlich stärker treffen.

Die Schweiz bemüht sich, verstärkt Gäste aus anderen Ländern anzulocken – vor allem aus Nordamerika und Indien. Zeitgleich rüstet sich der Tourismus für die Zeit nach der Krise. Denn dann dürften chinesische Touristen wieder in Scharen ins Land strömen. Um sie langfristig zu binden, verlangen viele Hotels keine Stornierungsgebühren.

Auf Dumpingpreise verzichtet die Branche weitgehend. Solche Preissenkungen würden sich auf lange Frist nicht lohnen, sagt der Geschäftsführer der Titlis Bergbahnen, Norbert Patt: «Es kommen kurzfristig nicht mehr Leute, wenn wir Aktionen machen. Dann hätten wir weniger Leute aus China und gleichzeitig weniger Einnahmen aus anderen Destinationen», sagt er. Diesen doppelten negativen Effekt wolle er vermeiden.

Der Titlis zählt zu den beliebtesten Attraktionen für chinesische Touristen. 10 bis 15 Prozent der Gäste auf dem Gipfel in der Innerschweiz stammen aus China. Noch etwas mehr – bis zu 20 Prozent – sind es am Jungfraujoch. Vom Stopp für Gruppenreisen aus China ist denn auch die weltberühmte Zugstrecke durch die Eiger-Nordwand betroffen: Alles hänge nun davon ab, wie sich die Coronavirus-Krise entwickle, sagt eine Sprecherin der Jungfraubahn.

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