Credit Suisse blockiert Konten

Aus Unsicherheit, ob sie nur noch versteuerte Gelder von US-Bürgern verwaltet, hat die CS Dutzende von Konten eingefroren. Würden noch unversteuerte Vermögen auf diesen liegen, drohten gravierende Konsequenzen.

Der Steuerstreit mit den USA ist für die Credit Suisse – trotz Schuldbekenntnis und Strafzahlung - noch nicht zu Ende.

Der Steuerstreit mit den USA ist für die Credit Suisse – trotz Schuldbekenntnis und Strafzahlung - noch nicht zu Ende. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Die Credit Suisse hat Dutzende von Konten eingefroren. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Grund für die Blockierung der Gelder sind laut dem Bericht interne Abklärungen, bei denen die Schweizer Grossbank herauszufinden versucht, ob auf ihren Konten nicht doch noch unversteuerte Vermögen gehortet werden. Die Credit Suisse selbst kommentiert laut einem Sprecher die Angelegenheit nicht.

Würde es sich bei den Geldern auf den nun eingefrorenen Konten um Vermögen handeln, welche sogenannten US-Personen gehören, aber bei den Steuerbehörden in den USA nicht deklariert sind, würde die CS quasi zur Wiederholungstäterin. Schliesslich hat sich die Bank vor gut zweieinhalb Jahren für schuldig bekannt, Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben, und gleichzeitig in eine Strafzahlung in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar eingewilligt. Gäbe es nun erneut oder weiterhin unversteuerte US-Vermögen auf ihren Konten, dann könnte das für die CS teuer werden. Im schlimmsten Fall ist sogar die Vereinbarung aus dem Jahr 2014 in Gefahr: Nach dem Schuldbekenntnis und der Strafzahlung hatten die US-Behörden im Steuerstreit nämlich sämtliche Verfahren gegen die CS eingestellt.

Dass unversteuerte Gelder auf CS-Konten überhaupt wieder zum Thema wurden, ist auf den emeritierten Wirtschaftsprofessor Dan Horsky von der renommierten New Yorker Rochester-Universität zurückzuführen. Diese gab Anfang November vor einem Gericht zu, 200 Millionen Dollar vor dem Internal Revenue Service (IRS) verheimlicht zu haben. Das Geld stammte aus erfolgreichen Investitionen in Start-up-Firmen – und lag laut Insidern bei der CS. Horsky wurde zu einer Busse von 100 Millionen Dollar verurteilt.

Steuerstreit doch noch nicht zu Ende

Der Fall Horsky führt nun gemäss Bloomberg dazu, dass bei der CS intern nach weiteren Konten gesucht wird, bei denen entgegen bisherigen Angaben allenfalls doch noch eine Verbindung in die USA besteht. Die nun eingefrorenen Konten sind eine Folge dieser internen Abklärungen. Gleichzeitig gehen US-Staatsanwälte sowie die Aufsichtsbehörden der Frage nach, ob das unversteuerte Vermögen von Dan Horsky nur aus einem Versehen heraus von der CS nicht entdeckt worden war oder aber ob CS-Kundenberater bewusst geholfen haben, die Gelder zu verstecken – womöglich sogar mit Wissen ihrer Vorgesetzten.

Die Auseinandersetzung um unversteuerte Gelder mit den US-Behörden ist für die CS also längst nicht abgeschlossen. Auch über zwei Jahre, nachdem die Bank sich schuldig erklärt und in eine hohe Strafzahlung eingewilligt hat, flammt das Thema immer wieder auf. Unlängst wurde etwa bekannt, dass mehrere Mitarbeiter des CS-Ablegers in Tel Aviv vom Dienst suspendiert worden waren. Grund dafür sind gemäss den unbestätigten Berichten Ermittlungen in den USA, die aufzeigen sollen, ob Juden dazu aufgefordert wurden, sich bei der Bank als Israelis auszugeben, um auf diesem Weg Vermögen vor dem US-Fiskus zu verstecken. Der Israel-Desk soll auch in die Verwaltung von Horskys Vermögen involviert gewesen sein.

Verlängert wurde denn auch das Mandat des externen Aufpassers Neil Barofsky, der seit 2014 im Auftrag der US-Behörden in den CS-Büros in Zürich umfassenden Zugang zu internen Dokumenten bekommt. Eigentlich hätte der Anwalt Barofsky, der das Mandat innehat und dafür der CS bislang Honorare von über 300 Millionen Franken in Rechnung gestellt hat, diesen Herbst seine Zelte in Zürich abbrechen müssen.

Erstellt: 01.12.2016, 15:38 Uhr

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