Credit Suisse ist noch nicht am Ziel

Bank-Chef Thiam will auf grosse neue Kostensenkungen verzichten. Dafür scheinen die neuen Gewinnziele sehr ambitioniert.

Hat seine Pläne geändert: CS-Chef Tidjane Thiam. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Hat seine Pläne geändert: CS-Chef Tidjane Thiam. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Aus Sicht der Arbeitnehmer der Credit Suisse enthält die Präsentation von Bankchef Tidjane Thiam eine gute Nachricht: Er verzichtet auf ein weiteres, gross angelegtes Kostenprogramm und belässt die Kostenschätzung im Rahmen der bisher gesteckten Ziele. So sollen die Kosten in den Jahren 2019 und 2020 zwischen 16,5 und 17 Milliarden Franken betragen, für Ende kommenden Jahres gilt die bekannte Vorgabe von unter 17 Milliarden Franken. Ob die Kostenbasis noch einmal um bis zu 500 Millionen Franken gedrückt werden muss, will Thiam von der Marktlage abhängig machen. Eine kleine Hintertür lässt er sich also offen.

Mit Blick auf die Gewinnziele ist indes die Frage erlaubt, ob in Sachen Kostensenkung nicht doch noch mehr droht. Denn obwohl viele Analysten skeptisch sind, ob die Credit Suisse ihre für Ende 2018 gesteckten absoluten Profitvorgaben wird erreichen können, verkündet Thiam jetzt neue, noch ambitioniertere Ziele für die Jahre 2019 und 2020. Hier stellt er nicht weniger als eine Verdreifachung der Rendite auf das Kerneigenkapital in Aussicht.

Rendite soll um das Dreifache steigen

2019 soll die Eigenkapitalrendite zehn bis elf Prozent betragen, 2020 dann auf elf bis zwölf Prozent steigen. Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten des Jahres schaffte CS gerade mal 4,1 Prozent. Der Grossteil dieser Renditesteigerung soll aber durch bereits aufgegleiste Effizienzprogramme erfolgen, plus etwas Rückenwind durch Wachstum und zusätzlichen Kosteninitiativen. Je weiter die Bank aber ihre Ziele zu verfehlen droht, umso höher könnte Thiam erneut sein Heil in einem weiteren Drehen an der Kostenschraube suchen.

Eigenartig ist auch, dass Thiam in Sachen Ziele nun die Parameter ändert: Als er 2015 antrat, verkündete er öffentlich, dass er von Eigenkapitalrendite-Zielen nichts halte, denn die meisten Banken würden diese nie erfüllen. Nun stellt Thiam selbst solche Renditeziele auf.

Fortschritte sind unverkennbar

Seine Hauptbotschaft lautet: Die Bank ist auf Kurs, die Strategie greift. Da ist eine Menge dran, im Vergleich zu 2015 hat Credit Suisse grosse Fortschritte erzielt und verfolgt endlich die Strategie, sich wie UBS auf das Kerngeschäft der Vermögensverwaltung zu konzentrieren.

Doch Thiam ist noch nicht am Ziel. Das zeigt sich auch bei seiner Vorsicht mit Blick auf die Dividenden. Nach zwei Kapitalerhöhungen und dem peinlichen Gewürge um einen Börsengang der Schweiz-Einheit will Thiam die gebeutelten Aktionäre mit Aussicht aus Ausschüttungen für ihren Langmut belohnen. 2019 und 2020 will er die Hälfte des dann erwarteten Nettogewinns der beiden Jahre von zusammen neun bis zehn Milliarden Franken ausschütten. Das soll aber nicht als reguläre Dividende erfolgen, sondern in Form von Sonderausschüttungen, wie etwa Aktienrückkäufe oder Sonderdividenden. Auch das sieht wieder nach einer Hintertür aus, denn auf Sonderausschüttungen haben Anleger weniger Anrecht als auf eine reguläre Dividende.

Schafft es Thiam, die Credit Suisse zu einem verlässlichen Gewinnlieferanten zu machen, ohne dass er ständig die Belegschaft mit neuen Sparübungen verschrecken muss, dann kann der Umbau als erfolgreich abgeschlossen betrachtet werden. Vorher nicht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.11.2017, 14:08 Uhr

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