Credit-Suisse-Chef Thiam erfreut die Börsen

Neben der UBS überrascht auch die Credit Suisse mit besser als erwarteten Quartalszahlen. Die Grossbank ist gut unterwegs, ihre Ziele zu erreichen. Doch die Herausforderungen bleiben hoch.

Sieht seine Bank auf Kurs: Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam.

Sieht seine Bank auf Kurs: Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam. Bild: Urs Jaudas

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An der Börse ist das heute präsentierte Ergebnis der Credit Suisse geradezu euphorisch aufgenommen worden. Um knapp 5 Prozent hat die Aktie der Schweizer Grossbank zeitweise im Plus notiert. Und tatsächlich, die vorgelegten Zahlen sind solide und vor allem leicht höher als das, was die Analysten erwartet haben. Der Reingewinn belief sich für das vergangene Quartal auf 247 Millionen Franken und die neun Monate des laufenden Jahres auf 1,145 Milliarden Franken.

Für übermässige Euphorie besteht aber kein Anlass. Das bessere Ergebnis ist weniger durch bessere Erträge erreicht worden – diese sind für die Gesamtbank tiefer als im gleichen Quartal des Vorjahres. Ausschlaggebend waren vor allem Einsparungen bei den Kosten. Diese herunterzufahren, ist aber auch ein zentrales Ziel der Credit Suisse. Um eine Milliarde sind sie im laufenden Jahr bereits gekürzt worden. Bis Ende Jahr sollen sie sich auf weniger als 18,5 Milliarden Franken belaufen, Ende 2018 sogar auf weniger als 17 Milliarden Franken. Noch 2015 beliefen sie sich auf 21,2 Milliarden Franken. Diese Ziele zu erreichen, dürfte für die Grossbank eine grosse Herausforderung sein.

Auch ein Blick auf die einzelnen Einheiten der Bank zeigt, dass es dem Management unter Tidjane Thiam weiter gelingt, die Bank in die gewünschte Richtung zu bewegen: weg vom Investmentbanking und hin zu einer Vermögensverwaltungsbank für die Allerreichsten und Unternehmen. Die Einheit International Wealth Management hat denn auch im dritten Quartal mit 355 Millionen den zweitgrössten Gewinn vor Steuern erreicht. In diesem Segment haben im Jahresvergleich auch die Erträge zugenommen.

Noch mehr verdient hat allerdings das Schweizer Geschäft der Bank mit 426 Millionen Franken. Auf den ersten Blick ist das Resultat allerdings deutlich schwächer als im gleichen Quartal des letzten Jahres. Doch dass der Gewinn sich damals auf 758 Millionen Franken belief, lag nur am Verkauf des Leuenhof-Gebäudes in Zürich, das der Bank 346 Millionen Franken in die Kassen gespült hat, aber mit dem operativen Erfolg nichts zu tun hat.

Absage für Bohli

Eine Gewinnsteigerung (vor Steuern) auf 218 Millionen Franken von 152 Millionen im gleichen Vorjahresquartal erreicht hat auch die Einheit Asia-Pacific, wobei dafür vor allem Kosteneinsparungen verantwortlich waren, die stärker ins Gewicht fielen als der leicht tiefere Ertrag. Die Region hat für die neue Strategie der Credit Suisse eine besonders grosse Bedeutung, deshalb bildet sie seit 2015 auch eine eigene Einheit.

Der Gewinnbeitrag der Investmentbanking-Einheiten ist im Vergleich zur Vermögensverwaltung nur noch klein. Der Vorsteuergewinn von Global Markets – bisher das Hauptsorgenkind der Credit Suisse – belief sich für das dritte Quartal auf 71 Millionen Franken, nach 87 Millionen im gleichen Vorjahresquartal. Die Einheit Investmentbanking & Capital Markets hat vor Steuern 35 Milliarden netto verdient, nach 29 Milliarden im gleichen Vorquartal.

Trotz der immer geringeren Bedeutung des Investmentbankings für die Credit Suisse hat CEO Tidjane Thiam dem Ansinnen des Hedgefonds RBR von Rudolf Bohli, der eine Aufspaltung des Investmentbankings von der Bank fordert, eine klare Absage erteilt. Immerhin hat er sie in freundliche Worte gekleidet: Man höre interessiert zu, meinte Thiam. Nächste Woche will er Bohli sogar treffen. Doch man habe bei der Bank Überlegungen wie von ihm früher selbst schon angestellt und halte sie für weniger tauglich als die eingeschlagene Strategie, erklärte der CS-CEO. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2017, 16:32 Uhr

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