Risikoreiche Geschäfte der Credit Suisse mit Katar

Ölscheichs sind die grössten Geldgeber der Grossbank, es gibt sogar ein gemeinsames Anlagevehikel. Warum dies eine Gefahr für die Bank darstellt.

Blick auf die Hauptstadt von Katar, in der rund zwei Millionen Menschen leben: Doha. Foto: Yoan Valat (Keystone)

Blick auf die Hauptstadt von Katar, in der rund zwei Millionen Menschen leben: Doha. Foto: Yoan Valat (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Blockade von Katar wirft ein grelles Licht auf die Beziehung des kleinen Staats zur Credit Suisse. Seit 2008 sind die katarischen Scheichs Kapitalgeber der Schweizer Grossbank. Sie besitzen 5 Prozent direkt und halten via Kaufrechte weitere 13 Prozent. Bei einer nächsten Grosskrise kämen sie so auf 18 Prozent, etwas mehr als Olayan, eine Familiengesellschaft aus Saudiarabien. Pikant: Die Saudis führen die Anti-Katar-Front der arabischen Boykotteure an.

Die Nähe kann für die CS zum Problem werden. Katar und die Bank betreiben seit fünf Jahren ein Finanzvehikel: Aventicum Capital Management, ein 50:50-Gemeinschaftsunternehmen, das seine Gelder in aufstrebende Märkte, Aktien und Liegenschaften investiert. Die Credit Suisse bringt ihr Finanzwissen ein, Katar sein Geld. Zusammen bieten sie Fonds an, die Drittkunden offenstehen. Aventicum investiert in die boomende Infrastruktur in Katar mit Blick auf die Fussball-WM von 2022.

Video – Eskalation am Golf:

Die Nachbarn isolieren den Kleinstaat Katar.

Das Investment in die CS lohnt sich für Katar, selbst wenn die Aktie seit dem Einstieg von 2008 von rund 50 auf gestern noch gut 13 Franken gesunken ist. Die Wandelobligationen, die zu den 13 Prozent Kaufrechten führen, werden mit bis zu 9,5 Prozent verzinst. Pro Jahr bezahlt die CS fast 400 Millionen Franken Zinsen an den Ölstaat. Hinzu kommen Dividenden von rund 50 Millionen.

Bis vor Monatsfrist hatte die regierende Familie Katars auch einen Vertreter im Verwaltungsrat der CS. Als er zurücktrat, wurde spekuliert, sie könnte ihr CS-Paket verkaufen. Doch bei der jüngsten Kapitalerhöhung im Mai über 4 Milliarden Franken zog Katar mit.

Die Credit Suisse bringt ihr Finanzwissen ein, Katar sein Geld. Zusammen bieten sie Fonds an, die Drittkunden offenstehen.

Laut Rainer Skierka, früher Analyst der Bank Sarasin und heute bei Research Partners in Zürich, ist es für die CS «sicherlich nicht von Vorteil, wenn sie mit Katar als Grossaktionär einen stigmatisierten Klotz am Bein hat, der von den Bruderländern gemieden» würde. Das könnte US-Investoren vom Kauf von CS-Aktien fernhalten, ähnlich wie beim «Apartheid-Effekt mit Südafrika» in den 90er-Jahren.

Als «äusserst heikel» bezeichnet Christopher Wheeler von Atlantic Equities, eine Brokerfirma in London, die Nähe der CS zu Katar. Er erinnert an die Libyen-Affäre bei der italienischen Grossbank Unicredit. Dort war vor sieben Jahren der libysche Staatsfonds eingestiegen, was zu einem öffentlichen Aufschrei geführt hatte und den damaligen Unicredit-Chef den Kopf kostete.

Analyst Daniel Regli von Mainfirst, eine Brokerfirma, erkennt hingegen keine Gefahr für die Credit Suisse. «Im Moment sehe ich das als einen Politzwist zwischen Saudiarabien und Katar, der kaum direkte wirtschaftliche Folgen für die CS hat.» Ein CS-Sprecher betont, dass die Bank ihre «Schlüssel­investoren gut» kennen und mit diesen «regelmässige und professionelle Kontakte» unterhalten würde.

Umfrage

Soll Katar nach den neuen Terror-Vorwürfen die WM 2022 entzogen werden?




Katar und die Credit Suisse – diese ­innige Beziehung geht auf den Herbst 2008 zurück, als die Schweiz die UBS rettete und ihre Hilfe auch der CS angeboten hatte. Diese lehnte ab und beschaffte stattdessen 10 Milliarden Franken Frischkapital bei ausgewählten Privatinvestoren, darunter dem Staatsfonds von Katar. Eine wichtige Rolle spielte bei diesem Deal der damalige Chefjurist und heutige Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

Am Morgen des 16. Oktober führte die CS in einem Nebensatz aus, dass die Bank selbst einen Teil der 10-Milliarden-Kapitalspritze «vorübergehend finanzieren» würde. Erst später wurde klar, was sie damit meinte. Die Bank streckte den Katarern das für die Kapitalzufuhr benötigte Geld vor.

Eigenwillige Rettungsaktion

Die Finanzierung führte zu Streit hinter den Kulissen. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) fühlte sich von der CS vorgeführt. Man habe zwar gewusst, dass der Deal ungewöhnlich finanziert worden sei, sagt ein Insider. Es habe auch Sicherheiten wie Barclays-Aktien gegeben. Doch die britische Bank griff damals selbst zur Rettungsleine der Scheichs, und auch sie streckte das Geld mittels Kredit vor. Es drohte ein Dominoeffekt. Wäre Barclays untergegangen, dann wäre am Ende auch der CS-Kredit an Katar wertlos verfallen. Die CS musste der Finma versprechen, dass die Katarer bis Ende 2008 echtes Kapital in die Bank einschiessen würden. Fünf Jahre später wurde ein Teil davon in hochverzinsliche Wandelobligationen überführt.

Die eigenwillige Rettungsaktion führte in Grossbritannien zu strafrechtlichen Untersuchungen. Die Frage der Ermittler lautete, ob die Barclays-Führung den Kredit an die Katarer bewusst verheimlichte. Der CS drohte solches Ungemach nie, sie hatte kein Geheimnis daraus gemacht, zunächst selbst mit Geld auszuhelfen. Auch wenn dies damals praktisch niemand mitgekriegt hatte: Ihre Führung war aus dem Schneider. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.06.2017, 21:48 Uhr

Artikel zum Thema

Im Boot mit dem Terrorpaten

Die Krise um Katar betrifft auch die WM 2022 und damit die Fifa. Nun wird die SP aktiv. Mehr...

Was macht Qatar Airways nun?

Die diplomatische Krise um Katar bringt deren Fluggesellschaft in Bedrängnis. Profitieren könnten europäische Airlines. 8 Fragen und Antworten zu Qatar Airways. Mehr...

Was den Katarern in der Schweiz gehört

Katar wird von mehreren arabischen Ländern beschuldigt, radikalislamische Gruppen zu unterstützen. Der Staatsfonds des Golfemirats ist aber auch einer der grössten Eigner der Credit Suisse und Besitzer des Bürgenstock-Resorts. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Welttheater Big Ben verstummt
Blog Mag Das Auto, dein Partner
Mamablog Kinder beschimpfen

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Installationskünstler: Präsentation des Werks «Der Baum, der blinzelte» vom britischen Künstler Karel Bata in einem Nachtfestival in Singapur. Das Lichtspektakel findet vom 18. bis 26. August 2017 statt (16. August 2017).
(Bild: Wallace Woon) Mehr...