Das Trading zieht die ganze CS runter

Global Markets heisst der Bereich, in dem die Credit Suisse ihr einst stolzes Handelsgeschäft mit Obligationen und Aktien betreibt. Im letzten Quartal erlebte sie dort einen Tiefschlag.

Rote Zahlen: Die Credit Suisse verbucht grosse Verluste.

Rote Zahlen: Die Credit Suisse verbucht grosse Verluste. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Im Schlussquartal des letzten Jahres entwickelte sich das Trading der Credit Suisse mit Zinspapieren und Aktien äusserst schlecht. Laut einem Insider erlebte die CS insbesondere im Dezember einen Tiefpunkt in der Division Global Markets, wo die Grossbank, die «too big to fail» ist, von jeher ihre Stärken vor allem mit Obligationen hat und wo auch der Hauptteil ihrer Risiken liegt.

Allein die bereinigten Zahlen, welche alle nicht mehr weiterzuführenden Bereiche ausklammern, zeigen, wie schwierig die Lage für die einstige Gewinnmaschine des schlingernden Finanzmultis geworden ist. 658 Millionen Franken betrug der Verlust vor Steuern mit jenem Teil von Global Markets, den die Bank fortführen will. Fürs ganze Jahr sank der Gewinn von 2,7 auf noch 1,1 Milliarden Franken. Betrachtet man das ungeschönte Bild inklusive der nicht mehr gewünschten Teile, dann sieht die Lage noch viel düsterer aus. Die Verluste im 4. Quartal türmen sich dann auf hohe 3,5 Milliarden Franken auf, fürs ganze Jahr resultiert ein Minus von 1,9 Milliarden. 2014 hatte es noch einen Gewinn von 2,7 Milliarden gegeben.

Problem früherer Paradedisziplin

CS-CEO Tidjane Thiam ging in seiner Stellungnahme von heute früh, in der die CS über die ganze Gruppe gesehen 6,4 Milliarden Franken Verlust für das zurückliegende Quartal und ein Minus von 2,4 Milliarden Franken für 2015 auswies, auf das Problem der früheren Paradedisziplin ein. Man habe zwar die Risiken im Geschäft mit Zinspapieren «seit der Bekanntgabe unserer neuen Strategie deutlich reduziert». Doch das Herunterfahren seit Oktober führte noch nicht zum nötigen Erfolg, wie Thiam weiter ausführte. «Dennoch waren einige Positionen am Ende des vierten Quartals immer noch erheblich, was zu Wertberichtigungen führte», liess er sich im Communiqué zitieren.

Weiter hinten führt die CS in ihrer Offenlegung aus, dass die «Wende im Kreditzyklus» – gemeint ist die leichte Zinserhöhung der US-Notenbank nach vielen Jahren von Zinssenkungen – und die hochschnellenden Risiken bei vielen Rohstoff-Unternehmen in den Wachstumsländern zu «bedeutenden Mark-to-Market-Verlusten» geführt hätten. Einfach gesagt heisst das, dass die CS in ihrem früheren Herzstück, dem weltweiten Handel mit festverzinslichen Anlagen, massive Verluste auf ihre bestehenden Positionen erlitten hat. Oder noch kürzer: Sie hat sich verspekuliert. Nun soll die Anfälligkeit auf die grossen Marktschwankungen, wie sie derzeit an den Märkten rund um den Globus herrschen, verkleinert werden. Er wolle die «Bestandsabhängigkeit bei unserem Anleihengeschäftsmodell (...) reduzieren», so der CS-Chef heute früh, wie dies die CS bei der «erfolgreichen Umstrukturierung unseres Aktiengeschäfts» vorgemacht habe.

CS-Aktie fiel rasant

An der Börse wurde die Nachricht der schwierigen Lage im Kern der alten CS-Investmentbank ungnädig aufgenommen. Die Aktie fiel quasi in freiem Fall und durchbrach die 15-Franken-Grenze nach unten. Der UBS-Kurs, der nach den von der Bank vor zwei Tagen präsentierten Zahlen ebenfalls stark unter die Räder geraten war, litt heute weniger stark und konnte sich über 15 Franken halten. Die grossen Titel an der Schweizer Börse erholten sich leicht.

Das Problem für die CS-Führung dürfte sein, dass es ihr selbst mit dem vermeintlich grossen Reinemachen im abgelaufenen Quartal noch nicht gelungen ist, vollständig reinen Tisch zu machen. Der Goodwill in der Investmentbank beläuft sich nämlich auch nach dem Abschreiber von 3,8 Milliarden per Ende Dezember auf immer noch stolze 2,5 Milliarden Franken. Das traurige Kapitel mit der Akquisition der US-Investmentbank DLJ aus dem Jahr 2000 ist somit nicht gänzlich aus der Welt geschafft. Zudem betrug der Goodwill in der ganzen CS-Gruppe per 30. September 2014 8,7 Milliarden Franken. Nach dem heute bekannt gemachten Luftablassen schlummern dort somit fast 5 Milliarden Franken, deren Werthaltigkeit ungewiss bleibt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.02.2016, 11:45 Uhr

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