Das 2 Milliarden Dollar schwere Alu-Rätsel von Mexiko

In der mexikanischen Provinz liegt ein gewaltiges Aluminiumlager. Nun gibt es Hinweise darauf, wem es gehören könnte.

Aluminiumblöcke in einer Produktionsstätte: In der mexikanischen Wüste soll ein riesiges Lager des Rohstoffs bestehen. (Symbolbild)

Aluminiumblöcke in einer Produktionsstätte: In der mexikanischen Wüste soll ein riesiges Lager des Rohstoffs bestehen. (Symbolbild) Bild: Ilya Naymushin/Reuters

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Die letzten zwei Jahre stand die Aluminium-Industrie vor einem Rätsel: Wem gehört das gigantische Lager des wertvollen Rohstoffs in der mexikanischen Provinz? Es soll rund 1 Million Tonnen schwer sein, einen Wert von rund 2 Milliarden Dollar haben oder rund 6 Prozent der weltweiten Lagerbestände entsprechen. Zeitweise soll es sogar mit Planen und Strohballen verdeckt worden sein, um es vor neugierigen Blicken zu schützen. Entdeckt hat es ein Pilot, der auf einen Tipp eines Branchenkenners über die Anlage flog.

Nun bringt das «Wall Street Journal» Licht in die dubiosen Machenschaften hinter dem gewaltigen Aluminiumberg. Laut Branchenkennern sollen Firmen des chinesischen Geschäftsmanns Liu Zhongtian für das Lager verantwortlich sein. Die Firmen hätten über den Umweg nach Mexiko versucht, US-Einfuhrzölle zu umgehen. Zhongtian bestreitet, etwas damit zu tun zu haben. In Mexiko würde er sowieso keine Geschäfte abwickeln wollen. Dort sei es ihm viel zu gefährlich.

Einfuhrzölle umgehen

Das «Wall Street Journal» tritt den Gegenbeweis an. Die Zeitung hat mit Branchenkennern gesprochen und Dokumente aufgetrieben, die darauf schliessen lassen, dass grosse Mengen Aluminium von China nach Mexiko exportiert wurden. Bei diesen Geschäften sollen auch Firmen von Zhongtian und Personen, die ihm nahestehen, eine wichtige Rolle spielen.

Liu Zhongtian beim Börsengang seiner Firma Zhongwang (Bild: Reuters)

Zhongtian hat seine Karriere in den 90er-Jahren in China lanciert. Aus dem kleinen Aluminiumverarbeiter Zhongwang formte er ein riesiges Unternehmen und brachte es 2009 an die Hongkonger Börse. Es wurde damals mit 1,2 Milliarden Dollar bewertet. Seither hat der Aktienkurs von Zhongwang rund 40 Prozent des Werts verloren. Dennoch bleibt Zhongtian einer der reichsten Männer Chinas. Sein Vermögen wird vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» auf rund 3 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Ausfuhren aus China in die USA zogen laut dem «Wall Street Journal» stark an, nachdem Zhongtians Firma Zhongwang an die Börse ging. Doch offenbar wurde die Industrie in China massiv subventioniert. 2010 belegten die US-Behörden daher chinesische Aluminium-Importe mit massiven Strafzöllen. Prompt brachen die Einfuhren in die USA zusammen – um praktisch gleichzeitig in Mexiko anzusteigen. Von wo es dann über mehrere Handelsgesellschaften in die USA importiert werden soll.

US-Industrie leidet

Dass die Vorwürfe an die Adresse Zhongtians gerade jetzt ans Licht kommen, scheint kein Zufall zu sein. Die US-Metallindustrie hat sich offenbar bei den Behörden beschwert. Die Beamten ermitteln nun, ob chinesische Unternehmen die Einfuhrzölle via Mexiko umgangen haben. Der Streit hat einen handfesten Hintergrund. Die Aluminium-Industrie in den Vereinigten Staaten leidet seit Jahren. Sie kommt gegenüber der billigeren Konkurrenz aus dem Ausland – vor allem aus China – nicht mehr mit. Aktuell sind noch fünf Aluminiumschmelzer in den USA tätig. Vor 16 Jahren waren es noch 23.

Der weltgrösste Verarbeiter des Rohstoffs ist das US-Unternehmen Alcoa. Es hat vor einem Jahr angekündigt, sich aufspalten zu wollen. Die klassische Herstellung von Rohstoffen ist nicht mehr lukrativ. Die lohnenden Geschäfte werden in einer neuen Hochtechnologiefirma vereint, das nicht mehr lukrative Aluminium-Business bleibt bei Alcoa. Konzernchef Klaus Kleinfeld macht vor allem die unrechtmässigen Importe aus China für den Preiszerfall beim Aluminium verantwortlich.

Neue Route via Vietnam

Dies könnte dann auch die Erklärung für das gewaltige Aluminiumlager in der mexikanischen Niemandsland sein. Um das Aluminium in die USA einzuführen, haben Personen, die Zhongtian nahestehen, versucht, in den Vereinigten Staaten eine Verarbeitungsanlage zu kaufen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Zhongtians Firma Zhongwang einen Metallverarbeiter in Cleveland für mehr als 1 Milliarde Dollar übernehmen will.

Doch scheinen sich die Prioritäten von Zhongtian zu verschieben. Offenbar wird das Aluminium aus Mexiko nach Vietnam exportiert. Die Importe nach Vietnam nehmen seit einiger Zeit dramatisch zu – auch aus China. Offenbar landen auch diese Rohstoffe über diesen Umweg wieder in den USA. Und zwar bei Firmen, die, laut dem «Wall Street Journal», von Zhongtians Familie kontrolliert werden. (jb) (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.09.2016, 16:41 Uhr

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