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Das Abzockerinitiativen-Modell der UBS

Experten erteilen dem UBS-Vorschlag zur Umsetzung der Abzockerinitiative grundsätzlich gute Noten. Zwei Punkte sorgen jedoch für Kritik.

Boni im Fokus: Blick auf die UBS am Paradeplatz (im Vordergrund ein Kunstwerk mit zerbrochener Scheibe). (10. August 2013)
Boni im Fokus: Blick auf die UBS am Paradeplatz (im Vordergrund ein Kunstwerk mit zerbrochener Scheibe). (10. August 2013)
Nicola Pitaro

Die UBS hat ihren Vorschlag zur Umsetzung der Abzockerinitiative von Thomas Minder offiziell bekanntgegeben. Die Grossbank will die Aktionäre jeweils über die Fixlöhne für das Folgejahr und die Boni für das vergangene Jahr abstimmen lassen.

Über die entsprechenden Statutenänderungen werden die Aktionäre an der Generalversammlung vom 7. Mai entscheiden. «UBS schlägt den Aktionären vor, jeweils über die Fixsaläre der Konzernleitung für das Folgejahr und über die Vergütung des Verwaltungsrates für die Zeitperiode bis zur nächsten Generalversammlung zu befinden», schreibt die Grossbank in einer Mitteilung.

Während diese Lohnbestandteile im Vornherein abgesegnet werden sollen, soll über die Boni im Nachhinein abgestimmt werden: «Über die variable Vergütung der Konzernleitung sollen die Aktionäre hingegen jeweils auf der Basis der Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres abstimmen können», heisst es weiter.

Wann erfolgt die Zuteilung der Boni?

Das bedeutet, dass an der Generalversammlung 2015 - wenn die bindenden Abstimmungen zu den Vergütungen erstmals durchgeführt werden - über die variable Vergütung für das Jahr 2014 abgestimmt wird. «Mit unserem Vorgehen wollen wir sicherstellen, dass Aktionäre ihre Entscheide auf der Grundlage gesicherter Informationen und des effektiv erzielten Ergebnisses treffen können», wird UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber zitiert.

Unklar ist noch, wann die Zuteilung der Boni künftig erfolgen wird. Bisher erfolgten die Zuteilungen der variablen Vergütung an die Konzernleitung zwischen Ende Februar und Anfang März. Wie dies in Zukunft gehandhabt werde, ist laut UBS noch offen. Gemäss einer Sprecherin werden verschiedene Optionen geprüft.

UBS- versus Nestlé-Modell

Während die UBS jeweils nach Ende des Geschäftsjahres über die Boni abstimmen lassen will, haben andere Unternehmen - beispielsweise Nestlé - ein anderes Modell gewählt. Sie wollen sich vom Verwaltungsrat in einer bindenden Abstimmung im Vornherein ein Gesamtbudget für die Vergütungen genehmigen lassen und im Nachhinein eine rein konsultative Abstimmung über den Vergütungsbericht durchführen.

Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht, zeigte sich mit dem von der UBS gewählten Modell zufrieden. «Persönlich befürworte ich das UBS-Modell, weil es sicherstellt, dass die Aktionäre zum Zeitpunkt der Abstimmung wissen, ob der Bonus gerechtfertigt ist oder nicht», sagte Kunz gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Am Nestlé-Modell mit dem im Vornherein festgelegten Budget kritisiert er den verbleibenden sehr grossen Spielraum: «Das Budget muss so hoch angesetzt werden, dass fast jede Option offen bleibt», sagte Kunz.

Zwar seien sowohl das von der UBS als auch das von Nestlé gewählte Modell legal, sagte Kunz. «Das UBS-Modell entspricht dem Sinn und Geist der Abzockerinitiative aber eher», sagte Kunz.

«Versteckte Abgangsentschädigung»

Auch Dominique Biedermann, Chef der Anlagestiftung Ethos, ist mit dem Entscheid der UBS, nach Ende des Geschäftsjahrs über die Boni abstimmen zu lassen, «sehr zufrieden».

Zwei andere Punkte in den vorgesehenen Statuten geben ihm jedoch Anlass zur Kritik: Zum einen die Möglichkeit mit Konzernleitungsmitgliedern nach Ablauf der einjährigen Kündigungsfrist zusätzliche Konkurrenzverbote für ein Jahr abzuschliessen.

«Das hat zur Folge, dass ausscheidende Geschäftsleitungsmitglieder nach dem ihnen zustehenden Jahreslohn während der Kündigungsfrist einen zusätzlichen Jahreslohn während dem einjährigen Konkurrenzverbot erhalten», sagte Biedermann. Dabei handle es sich um eine «versteckte Abgangsentschädigung».

Des Weiteren kritisiert er die vorgesehene Regelung, dass für während dem Jahr eintretende Geschäftsleitungsmitglieder zusätzlich maximal 40 Prozent der während den letzten drei Jahren durchschnittlich bezahlten Gesamtvergütung aufgewendet werden dürfen.

«Die Gesamtlohnsumme umfasst die fixen und die variablen Lohnbestandteile und beträgt rund 70 Millionen Franken. 40 Prozent davon sind rund 30 Millionen Franken», sagte Biedermann. «Dieser hohe Betrag wird sehr wahrscheinlich für Golden Hellos verwendet werden», sagte Biedermann.

SDA/kle

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