Ex-UBS-Trader droht Abschiebung nach Afrika

Der verurteilte Kweku Adoboli muss London und seine Freunde wohl bald verlassen. Er wehrt sich mit aller Kraft - und einem Argument, welches der Richter kühl konterte.

Muss möglicherweise Grossbritannien verlassen: Kweku Adoboli.

Muss möglicherweise Grossbritannien verlassen: Kweku Adoboli. Bild: Keystone

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Sein 2,3-Milliarden-Verlust könnte Kweku Adoboli noch viel teurer zu stehen kommen als ohnehin schon. Vergangenen Juni wurde er nach über drei Jahren Gefängnis zwar aus der Haft entlassen, jetzt droht dem 35-Jährigen aber die Abschiebung aus Grossbritannien.

Der gebürtige Ghanaer lebt seit über 23 Jahren auf der Insel, hatte aber bisher auf die Beanspruchung der britischen Staatsbürgerschaft verzichtet. Nach der Anhörung Anfang September, wo er England als seine Heimat bezeichnete, wurde Adobolis Klage gegen die Ausweisung abgewiesen. «Das bricht mir das Herz», sagte Adoboli laut der «Financial Times», gab sich dann aber sofort kämpferisch und kündigte Berufung an.

Bereits als Vierjähriger hat der ehemalige Trader Ghana verlassen und lebte in Jerusalem und dem mittleren Osten, bis er 1992 in die Grafschaft Yorkshire zog und anschliessend in Nottingham sein Studium absolvierte. Danach arbeitete er für die UBS, bis seine betrügerischen Deals auffielen und den Rekordverlust in der britischen Handelsgeschichte verursachten.

Seit seiner Haftentlassung wohnte Adoboli bei Freunden in London und Edinburgh, arbeiten durfte er aufgrund des laufenden Prozesses nicht. Seine Pläne, den Doktortitel in Unternehmensführung abzuschliessen und «Führungskräfte sowie junge Finanzprofis zu unterrichten, wie man kulturellen Wandel positiv implementieren könnte», muss er zumindest vorerst auf Eis legen. Die Argumentation, dass zwar seine leibliche Familie in Ghana wohnt, aber alle seine Freunde in England leben, wies der Staatsanwalt kühl zurück: «Mit den modernen Kommunikationsmitteln können Sie auch weiterhin Kontakt zu ihren Freunden pflegen.»

«Verpflichtet, das Gesetz anzuwenden»

Richter Bartlett gab zwar an, «auf persönlicher Ebene etwas Sympathie für den Angeklagten» zu empfinden, «dennoch bin ich dazu verpflichtet, das Gesetz anzuwenden». Und dieses besagt, dass Ausländer, die zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt wurden, mit Ausnahme von «ganz speziellen Umständen» das Land verlassen müssen. Adoboli wurden 2012 vom Gericht sieben Jahre aufgebrummt.

Bei der Urteilsverkündung kritisierte der Richter Adoboli scharf: «Er hat einen Hang zum Glücksspiel und war arrogant genug zu glauben, die Bankvorschriften gelten nicht für ihn.»

Erstellt: 12.10.2015, 10:44 Uhr

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