Frühbucher im Währungspech

Die Reisepreise purzeln seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Was, wenn man schon vorher Ferien gebucht, aber noch nicht bezahlt hat?

Glücklich, wer nach dem Euro-Franken-Kurswechsel Reisen bucht: Schweizer Reiseveranstalter werben auf ihren Websites mit Eurorabatten. (22. Januar 2015)

Glücklich, wer nach dem Euro-Franken-Kurswechsel Reisen bucht: Schweizer Reiseveranstalter werben auf ihren Websites mit Eurorabatten. (22. Januar 2015) Bild: Screenshots TUI, Bentour, Kuoni

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Nach dem Euro-Schock vor einer Woche haben Schweizer Reiseveranstalter in den letzten Tagen die Preise ihrer Reisearrangements gesenkt – je nach Angebot um bis zu 20 Prozent. So sind zum Beispiel Badeferien-Pauschalreisen ans Mittelmeer um 15 Prozent günstiger bei Kuoni und TUI Suisse. Der Türkeispezialist Bentour gewährt hingegen keine Rabatte in Prozent, sondern offeriert einen «Euro-Bonus» von 100 Franken pro Erwachsenen und 50 Franken pro Kind.

Hotelplan Suisse verkauft die vorgefertigten Ferienarrangements, die in den Katalogen mit Richtpreisen publiziert sind, «situativ und je nach Währung» zwischen 8 und 20 Prozent günstiger. Das betrifft nicht nur Reisen in den Euroraum, sondern auch nach Ägypten, Tunesien und in die Türkei, weil viele Verträge mit den Leistungsträgern in Euro abgeschlossen worden sind. Auch bei Reisen nach Grossbritannien und in die USA sind die Preise gesunken, weil das britische Pfund und der Dollar gegenüber dem Franken an Wert verloren haben.

Es gilt der abgeschlossene Vertrag

Wer vor dem Kurswechsel ein Arrangement gebucht, aber noch nicht bezahlt hat, kommt allerdings nicht in den Genuss einer Preisreduktion. Die Reiseveranstalter kaufen die Leistungen meist mehrere Monate im Voraus ein – TUI Suisse etwa im letzten Sommer und Herbst – und kalkulieren die Endpreise entsprechend den Währungsverhältnissen jener Zeit. «Kunde und Reiseveranstalter haben zudem einen Vertrag abgeschlossen, und massgebend ist der zu diesem Zeitpunkt geltende Preis», ergänzt Hotelplan-Suisse-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir.

Das betrifft laut Huguenin auch Reiseofferten, bei denen ein Kunde noch nichts gebucht, sondern lediglich Leistungen wie Flüge und Hotels hat blockieren lassen. Entweder kann er dies wieder aufheben und das Arrangement nicht buchen, oder er bucht es zum Preis, der zum Zeitpunkt der Blockierung aktuell war. Nicht preisgebunden sind reine Offerten, bei denen nichts abgeblockt wird. Hier bezahlt man den Betrag, der zum Zeitpunkt der Reservation aktuell ist.

Annullieren und neu buchen?

Auch bei Kuoni gilt bei Buchungen, die vor dem Kurswechsel erfolgt sind, der alte, sprich höhere Preis. «Gemäss den allgemeinen Vertragsbedingungen gilt ein gebuchtes Arrangement – ob bereits bezahlt oder nicht – als gekauft», sagt Sprecher Peter Brun gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Man kann auch nicht im Kleiderladen einen Pulli kaufen und später bei einer Preissenkung einen Rabatt verlangen.» Genauso wenig habe man, so TUI-Suisse-Sprecher Roland Schmid, als Touroperator in der Vergangenheit nach der Buchung Geld vom Kunden verlangt, wenn ein Arrangement wegen eines gestiegenen Währungskurses teurer geworden sei.

Gemäss Obligationenrecht gilt die Buchung einer Reise als Vertragsabschluss. «Das heisst, es gelten die Konditionen vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses, und dazu gehört auch der Preis eines Reisearrangements», erklärt Franco V. Muff, Ombudsman der Schweizer Reisebranche.

Grundsätzlich wäre es laut Peter Brun von Kuoni möglich, wenn Kunden ihre Buchungen stornieren und neue Arrangements reservieren würden. «Es fallen jedoch diverse Mehrkosten an: Bis 30 Tage vor Reiseantritt bezahlt man beispielsweise bei einer normalen Pauschalreise pro Person 100 Franken Annullationsgebühren, bei mehreren Personen maximal 200 Franken pro Dossier.» Zudem fielen bei späteren Reservationen unter Umständen die Frühbucherrabatte weg, die günstigeren Flugklassen seien oft vergriffen, und die Hotelzimmerpreise könnten höher sein. Auch entstehe für den Kunden ein Mehraufwand. «Ob sich das unter dem Strich lohnt, ist fraglich», so Brun.

Mehr Buchungen erhalten

Bei Hotelplan Suisse kam es laut Sprecherin Huguenin «nur zu ganz wenigen» Annullationen wegen des neuen Währungskurses. «Wir verzeichnen für die Sommersaison insgesamt ein zweistelliges Buchungsplus gegenüber dem Vorjahreszeitraum.» Ob dies direkt mit den Preissenkungen zu tun habe, sei jedoch nicht klar, denn momentan sei ohnehin Buchungszeit für den Sommer.

Auch bei Kuoni und TUI Suisse erkundigten sich einige Kunden, ob der günstigere Euro einen Einfluss auf ihre reservierten Reisen habe. Doch zu Annullationen ist es den Unternehmenssprechern zufolge nicht gekommen, bei TUI Suisse höchstens zu Umbuchungen. «Währungsbedingt werden nun vorerst höherwertige Leistungen gebucht, mittelfristig könnte es auch zu mehr Buchungen führen», sagt Roland Schmid von TUI Suisse. Kuoni-Sprecher Brun ergänzt: «Wahrscheinlich ist vielen bewusst, dass die Ersparnis kaum gross genug ist, wenn sie annullieren und neu buchen.»

Der Sprachreiseveranstalter Boa Lingua senkte die Arrangementpreise je nach Währung ebenfalls um bis zu 15 Prozent. «Wir verzeichneten deswegen seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses eine deutliche Zunahme bei Offertanfragen und Buchungen», sagt Lukas Krebs, Sprecher von Boa Lingua. Er gibt aber auch zu bedenken: Während der Kunde vollumfänglich vom neuen Wechselkurs profitiere, könne die Firma aus den tieferen Wechselkursen keinen Vorteil ziehen. «Die ohnehin schon schmalen Margen im Sprachreisegeschäft sind dadurch auf einen Schlag stark unter Druck geraten», so Krebs.

Erstellt: 22.01.2015, 15:24 Uhr

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