Hayek kritisiert SNB-Spitze als schwach

Swatch-Group-Chef Nick Hayek ärgert sich über die Schweizerische Nationalbank. Das Geschäft läuft aber gut: Swatch verkauft dank Apple mehr Uhren.

Der Swatch-Chef wünscht sich ein Nationalbank-Direktorium mit Führungsqualitäten: Nick Hayek an einem Treffen zwischen der Unia und führenden Industriellen in Bern. (11.9.2015)

Der Swatch-Chef wünscht sich ein Nationalbank-Direktorium mit Führungsqualitäten: Nick Hayek an einem Treffen zwischen der Unia und führenden Industriellen in Bern. (11.9.2015) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Viele Schweizer Unternehmen kämpfen derzeit mit den Auswirkungen des starken Frankens. Die Freigabe des Mindestkurses haben vor allem die Industrie und der Tourismus zu spüren bekommen. Viel schlimmer als die Kursfreigabe seien jedoch die Signale, welche die Führungsriege der Schweizerischen Nationalbank aussende, kritisiert Nick Hayek in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag». Sie habe es verpasst sich auf eine Strategie festzulegen. Dem Direktorium fehle es an Führungsqualitäten.

«Die SNB hatte drei Jahre Zeit, um eine Strategie für einen Ausstieg aus dem Mindestkurs zu entwickeln und Allianzen zu schmieden – in der Politik und in der Wirtschaft», sagte Hayek im Gespräch mit den Journalisten der Zeitung «Schweiz am Sonntag». Stattdessen habe sie einfach zugeschaut, sich fantasie- und mutlos verhalten.

Unsicherheit hilft den Spekulanten

Die Direktoriumsmitglieder der SNB gäben viele Interviews – etwas, was Fed-Präsidentin Janet Yellen und EZB-Chef Mario Draghi nicht nötig hätten. Und in den Interviews sendeten die SNB-Vertreter dauernd Signale der Unsicherheit und Machtlosigkeit, was für die Spekulanten grossartig sei.

Verheerend ist in Hayeks Augen, dass die SNB nichts mehr tun könne, wenn der Franken aufgrund eines Konflikts erneut erstarke. Denn mit der Abschaffung des Mindestkurses habe sie ja gesagt, dass sie Interventionen nicht stemmen könne. Eine Nationalbank müsse unabhängig sein und Unabhängigkeit bedeute Stärke. «Wir aber haben ein Nationalbank-Direktorium der Schwäche, ein Direktorium der Angst», sagte Hayek.

Hayek fordert nicht direkt den Rücktritt des Direktoriums, deutet es aber an. Er habe nichts gegen die Personen, aber es brauche eine andere Geisteshaltung. Bei der UBS-Rettung habe der damalige Direktoriumspräsident Jean-Pierre Roth gezeigt, wie es gehe. Damals sei die Nationalbank glaubwürdig gewesen.

Apple-Watch belebt das Geschäft

Besser als erwartet hat sich die Konkurrenz durch die Apple-Watch ausgewirkt. Analysten hatten vorausgesagt, diese würde die Verkaufszahlen von Swatch mindern. Das sei Unsinn, so Hayek. «Mein Vater sagte immer, mach das Gegenteil von dem, was die Analysten sagen, dann bist du auf dem richtigen Weg.»

Dank der Smartwatch interessieren sich laut Hayek mehr Kunden für Uhren mit zusätzlichen Funktionen. «Ich muss für unsere Swatch Touch Zero One überhaupt keine Werbung machen: Die Uhr verkauft sich von allein.» In den USA habe man in den letzten Monaten zudem vier- bis fünfmal mehr mechanische Uhren verkauft als vorher. (ij/sda)

Erstellt: 13.09.2015, 14:44 Uhr

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