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Das neue Amerika der Hochstapler

Manager Martin Shkreli ist selbstsüchtig und verachtet andere. Damit liegt er im Trend.

Martin Shkreli hat es geschafft, in nur drei Monaten zum meistgehassten Mann Amerikas zu werden. Mit exzessiven Preisaufschlägen auf Medikamenten machte er sich die Ärzte, Patienten und die etablierte Pharmaindustrie gleichermassen zu Feinden. Mit abstossenden Einträgen auf Twitter entlarvte er einen selbstverliebten Charakterzug der Social-Media-Plattformen. Und seine Strafklage wirft die Frage auf, ob Betrüger in der Finanzindustrie zu leicht Fuss fassen können. Eines allerdings muss man ihm zugute halten: Shkreli hat die Schwächen seines gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfelds korrekt, wenn auch sehr zynisch identifiziert. Ähnlich wie ein Donald Trump oder Ted Cruz im Wahlkampf hat auch er auf dieser Analyse sein Geschäft aufgebaut. Sie alle haben begriffen, dass Arroganz und Frechheit – vermarktet als Widerstand gegen die «politische Korrektheit» – im Amerika von heute ankommen.

Das bevorzugte Mittel dieser Männer ist die schamlose Selbstdarstellung. Auf Twitter rühmte sich Shkreli, der «begehrteste Junggeselle der Welt» zu sein, der täglich von 50 bis 100 Frauen angebaggert werde. «Sorry, aber ihr müsst Aktionärinnen sein, um mich zu treffen», lautete seine Antwort. Er kaufte kürzlich für zwei Millionen Dollar eine Aufnahme des Wu-Tang Clan, der angeblich «besten» Hip-Hop-Gruppe. Die Gruppe hatte nur eine Platte produziert und meistbietend angeboten. «In zehn Jahren wird mehr als die Hälfte aller Rap/Hip-Hop Musik exklusiv für mich produziert», blähte sich Shkreli danach auf Twitter auf. Donald Trump spricht von sich selber gerne in der dritten Person. Warum: Er ist stets und überall «der gescheiteste Mann», den er trifft. Ted Cruz baut seine Kampagne ganz auf seiner Unausstehlichkeit auf. Je mehr er die Konkurrenten ärgert, desto besser wird seine Laune. Er gibt sich als Aussenseiter; und wird von Milliardären finanziert wie kein anderer.

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