Das neue Ziel der Schweizer Einkaufstouristen

In der grenznahen Stadt Singen wird bald ein riesiges Shoppingcenter gebaut. In Konstanz bereitet das schon heute Sorgen.

Konkurrenz für das Konstanzer Einkaufszentrum Lago: Wenn 2019 das Cano in Singen öffnet, haben Schweizer Einkaufstouristen die Wahl.

Konkurrenz für das Konstanzer Einkaufszentrum Lago: Wenn 2019 das Cano in Singen öffnet, haben Schweizer Einkaufstouristen die Wahl. Bild: ECE Projektmanagement GmbH & Co.

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Die nächste Hürde ist genommen. Gestern hat der Gemeinderat der süddeutschen Stadt Singen die Pläne für das geplante Einkaufszentrum Cano durchgewunken, dies berichtet die lokale Zeitung «Südkurier». Der Bürgermeister der süddeutschen Kleinstadt hat nun den Auftrag, die Verträge mit den Investoren zu unterzeichnen. Das 165 Millionen Euro schwere Projekt der Hamburger Immobilienentwickler ECE ist damit auf bestem Weg, bald schon die Tore für die Kunden zu öffnen – auch für solche aus der Schweiz.

Eigentlich hätte das Einkaufscenter schon im Herbst 2018 Kunden empfangen sollen. Nun heisst es bei den Promotoren, dass es im Herbst 2019 fertig sein soll. Auf einer Fläche von rund 16’000 Quadratmetern soll es dann rund 85 Geschäfte beherbergen. Das Einzugsgebiet umfasst 370’000 Einwohner aus Deutschland und 200’000 aus der Schweiz.

Mit der Bahn ist ein Zürcher Einkaufstourist in 60 Minuten ohne Umsteigen in Singen. Das Cano ist von dort in wenigen Schritten erreichbar. Die Fahrt nach Konstanz, das bei hiesigen Einkaufstouristen mit dem dortigen Einkaufscenter Lago ebenfalls beliebt ist, dauert rund 20 Minuten länger. In Singen erwartet man denn auch viel vom neuen Shoppingtempel. Die Investition soll die Stadt beleben, so die Hoffnung der lokalen Politik.

Enge Bindung zur Schweiz

Die süddeutsche Stadt Singen lebt heute schon in einer symbiotischen Beziehung zur Schweiz. Viele Grenzgänger fahren zur Arbeit in die Schweiz, zahlreiche Schweizer Firmen, darunter etwa der Industriekonzern Georg Fischer oder der Nahrungsmittelriese Nestlé, betreiben dort Standorte. Die Credit Suisse hat laut einem deutschen Immobilienportal jüngst in Detailhandelsliegenschaften in der Fussgängerzone investiert. Schon heute kaufen dort viele Schweizer ein. Mit dem neuen Einkaufszentrum dürften die Bande noch enger werden.

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Die Aussicht auf neue Konkurrenz kommt in Konstanz schlecht an. Denn die Stadt profitierte in den vergangenen Jahren stark vom Einkaufstourismus. Die dortige Politik wehrte sich gegen die Pläne in Singen. Zwischenzeitlich forderte der Konstanzer Bürgermeister gar eine Reduktion der Verkaufsfläche des geplanten Konkurrenzprojekts.

Bildstrecke - Einkaufstourismus in Konstanz

Die Sorge in Konstanz: Sollte der Franken zum Euro an Wert verlieren, verliert die Stadt gleich doppelt. Denn dann dürfte der Strom der Einkaufstouristen abnehmen und sich gleich auch noch auf mehrere Städte verteilen. Gefruchtet hat der Einspruch nicht. In Singen wird unbeirrt weiter an der Umsetzung der Pläne gearbeitet.

Weniger Umsatz in Schweizer Einkaufszentren

Hierzulande sieht das Bild bei den Shoppingkomplexen hingegen düster aus. Die Schweizer Einkaufszentren kämpfen laut den Marktforschern von GFK mit sinkenden Umsatzzahlen. 2016 gingen die Einnahmen um 1,9 Prozent zurück, im Jahr davor betrug das Minus sogar 3 Prozent. Von den zehn grössten Schweizer Einkaufszentren haben sieben weniger verkauft als im Jahr davor. Laut GFK verzeichnen die Schweizer Shoppingmalls zwar mehr Besucher, diese kaufen aber weniger ein. Die Gründe für den Rückgang der Geschäftszahlen sind die steigende Konkurrenz durch Onlineshops, der Preiskampf und der Einkaufstourismus.

Dennoch werden in der Schweiz weiter Einkaufszentren gebaut. Im November wird mit der Mall of Switzerland in Ebikon LU ein riesiger Einkaufskomplex eröffnet. Er soll eine Gesamtfläche von 65’000 Quadratmetern umfassen. 150 Läden und Restaurants sollen darin Platz finden. Also fast doppelt so viele wie in Singen.

Erstellt: 11.05.2017, 06:31 Uhr

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