«Natürlich ist es verheerend, wenn das gesamte Netzwerk aussteigt»

Bei Post und Postfinance häuften sich zuletzt die IT-Pannen. Dieter Bambauer, IT-Chef der Post, erklärt im Interview, wieso es trotz Stellenabbau nicht schlimmer werden soll.

Am 3. Mai legte eine Netzwerkstörung Post und Postfinance lahm: Ein Kunde an einem Postomat in Zürich.

Am 3. Mai legte eine Netzwerkstörung Post und Postfinance lahm: Ein Kunde an einem Postomat in Zürich. Bild: Petra Orosz/Keystone

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Sie stehen immer um 5.30 Uhr auf. Brauchen Sie dafür einen Wecker?
Oftmals stehe ich sogar noch früher auf. Bei dem schönen Wetter fällt das leicht. Und ja, ich brauche oft einen Wecker dafür.

Was würden Sie tun, wenn der Wecker ausfällt?
Ich habe noch einen zweiten Wecker. Der funktioniert immer: Mein Hund ist äusserst zuverlässig.

Diese Verlässlichkeit haben viele Postfinance-Kunden in letzter Zeit vermisst. Sie haben mit vielen Pannen gekämpft.
Es gab am 3. Mai eine schwere Störung in unserem Hauptnetzwerk. Der Grund dafür war eine Fehlmanipulation. Es war also menschliches Versagen. Zwei Mitarbeiter haben eine Netzwerkkomponente falsch bedient. Das Netzwerk blieb dadurch in einer Endlosschleife hängen. Das ist ärgerlich. Es ist aber ein seltener Vorfall. Die letzte Netzwerkpanne ist bei uns 14 Jahre her. Damals gab es nicht einmal ein iPhone. Seither ist die Informatik viel komplexer und dadurch auch anfälliger geworden.

Waren die Daten der Kunden immer sicher?
Ja, alle Kundendaten waren geschützt. Das System hat richtig reagiert und sofort einen Schutzmechanismus hochgefahren und alle Daten unter eine Schutzglocke gesetzt. Es konnte nichts passieren.

Was ist mit den Mitarbeitern passiert? Arbeiten sie noch bei der Post?
Den Mitarbeitern ist es peinlich, dass sie so etwas ausgelöst haben. Wir wissen, dass niemand vorsätzlich gehandelt hat. Die Mitarbeiter bleiben bei uns. Sie haben nach den Vorgaben des Herstellers gehandelt und hatten nicht alle Informationen. Sie konnten daher nicht wissen, was sie auslösen. Wir haben nun Massnahmen getroffen, damit das nicht mehr passieren kann.

Die Post streicht Stellen, auch in der IT. Wie soll es da zu weniger Pannen kommen?
Wir bauen die IT um und vor allem aus. Vor neun Monaten haben wir damit begonnen, unsere Informatik besser aufzustellen. Dazu gehört, dass gewisse Personaleinheiten überprüft und zusammengefasst werden. Das bedeutet auch, dass sich einzelne Mitarbeiter für einen neuen Job bewerben müssen. Dies, weil es den alten Job nicht mehr gibt – ein gängiges Verfahren bei Unternehmen, die sich neu organisieren.

Sie machen mit weniger IT-Experten mehr Arbeit?
Nein, es werden nicht weniger. Die Post gehört mit rund 1700 Informatik-Mitarbeitern in der Schweiz zu den grössten Arbeitgebern auf diesem Gebiet. Der Bedarf an guten Fachleuten nimmt stetig zu, deshalb hat sich die Post entschieden, die Zahl der Lehrstellen um 50 Prozent zu erhöhen. Zudem wird das Personal bei der Datenanalyse und der System-Entwicklung aufgestockt. Es gibt aber Funktionen, bei denen wir künftig weniger Leute brauchen.

Können Sie weitere Netzwerkstörungen ausschliessen?
Nein. Wir setzen alles daran, dass es länger geht, bis wieder etwas passiert. Aber: Die Welt wird digitaler. Das gilt auch für die Post. Daher werden die Systeme komplexer und damit anfälliger.

Bei der Postfinance kam es jüngst zu Serverproblemen, und es mussten fehlerhafte Postfinance-Kärtchen ausgetauscht werden. Wann sind es zu viele Pannen?
Jede Panne ist eine zu viel. Die Anlässe hatten alle einen unterschiedlichen Ursprung. Bei den vielen Dienstleistungen, die wir anbieten, kann es immer wieder zu Problemen kommen.

Die Postfinance will ein digitales Powerhouse sein. Wie passt das mit den vielen IT-Problemen zusammen?
Die Dienstleistungen von Postfinance sind auf einem hohen Niveau. Es fällt auf, wenn einmal etwas nicht funktioniert. Wir informieren immer sofort über die Probleme. Die Kunden sollen möglichst schnell wissen, was die Ursache ist. So wollen wir Missverständnisse vermeiden.

Die Pannen haben sowohl die Post als auch die Postfinance betroffen. Wieso?
Die Panne im Mai war eine des Hauptnetzwerks, wo eben Post und Postfinance dran hängen. Natürlich ist es verheerend, wenn das gesamte Netzwerk aussteigt. Dabei geht es nicht darum, Geld zu sparen, sondern eine bessere Leistung zu erbringen. Der Datenaustausch zwischen den Applikationen kann viel effizienter und leistungsfähiger erfolgen. Postfinance und Post stehen im beständigen Austausch. Daher ergibt das technisch Sinn.

Bleibt das so?
Wir prüfen derzeit mit externen Experten, ob das auch in Zukunft so sein soll. Es geht um die Frage, ob es technische Varianten zur heutigen Lösung gibt. Wir möchten wissen, ob das System weniger fehleranfällig ist, wenn wir das Netzwerk trennen. Eine Trennung ist letztlich eine Güterabwägung.

Müssen die Kunden mit Störungen leben lernen?
Die IT ist heute überall. Ein Ausfall ist daher sichtbarer und spürbarer als früher. Wir gehen vom Prinzip aus, dass wir nur Dienstleistungen auf den Markt bringen, die funktionieren. Wenn wir nicht davon überzeugt sind, dann lassen wir es sein.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.06.2017, 19:22 Uhr

Der Informatik-Chef der Post

Dieter Bambauer

(Bild: zvg)

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