Der junge Österreicher, der den Kampf gegen Facebook gewann

Das Datenabkommen zwischen EU und USA wurde gekippt. Das Urteil nahm seinen Anfang in 1222 Seiten Facebook-Daten über den Aktivisten Max Schrems.

Als hätte er es gewusst: Max Schrems mit dem Siegeszeichen vor dem lang erwarteten Urteil des Europäischen Gerichtshofs. (6. Oktober 2015)

Als hätte er es gewusst: Max Schrems mit dem Siegeszeichen vor dem lang erwarteten Urteil des Europäischen Gerichtshofs. (6. Oktober 2015) Bild: EPA/Julien Warnand/Keystone

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Vergleiche nach dem Muster «David gegen Goliath» lehnt Max Schrems ab. Zu viel Drama, Personalisierung und Rampenlicht, findet er. Der junge Österreicher gibt sich eher als stiller Kämpfer, der sich nicht beirren lässt. Mit Erfolg: Am Dienstag hat der Datenschutzaktivist am Europäischen Gerichtshof ein massgebliches Urteil erwirkt.

Das bisherige Safe-Harbor-Datenabkommen mit den USA wurde gekippt – mit weitreichenden Folgen für Internetriesen wie Facebook, Google und Co und auch Tausende kleinerer Unternehmen.

Ausgelöst wurde das Verfahren durch Schrems’ Streit mit Facebook. Der Österreicher hatte das weltgrösste Online-Netzwerk verklagt, weil seiner Ansicht nach seine Daten in den USA nicht vor staatlicher Überwachung geschützt sind. Schon 2011 kämpfte er beharrlich um sein Auskunftsrecht und liess sich von Facebook alle Daten zusenden, die über ihn gesammelt worden waren.

Was er erhielt, liess ihm den Schreck in die Glieder fahren: Es kam eine Datei mit 1222 Seiten, die Schrems’ Facebook-Nutzung haarklein auflistet – darunter Dinge, die der Österreicher für gelöscht gehalten hatte. Der Schock sass tief und Schrems zog eine Lektion: Für Internetriesen seien personenbezogene Daten «das neue Öl», sagt er. «Sie wollen sie besitzen, das ist alles.» Im August 2014 reichte er dann mit seinen Unterstützern eine Sammelklage gegen Facebook ein.

Lebensthema Datenschutz

Im Datenschutz fand Schrems ein frühes Lebensthema. Bereits vor etwa zehn Jahren, als Austauschschüler im US-Bundesstaat Florida, waren dem damals 17-Jährigen die Kameras in den Klassenzimmern unangenehm aufgefallen.

Wenige Jahre später kam er als Jura-Student ins kalifornische Silicon Valley und hörte den Vortrag eines Vertreters von Facebook. Dessen Aussage, das Unternehmen ignoriere europäische Grundrechte, habe ihn dazu veranlasst, sich für diese Rechte einzusetzen, heisst es bei der Theodor-Heuss-Stiftung.

Ihm gehe es um die Sache – und er sei auch kein Facebook-Hasser, sagt Schrems. Aber er habe den Vorteil, als Hobby-Programmierer auch technisch ein wenig hinter die Kulissen des sozialen Netzwerks blicken zu können. Sein Verein «Europe versus Facebook» fand bereits zahlreiche Unterstützer.

Für seinen Einsatz für «Transparenz, Datenschutz und Privatsphäre» wurde Schrems mit der Theodor-Heuss-Medaille geehrt. Aktuell sitzt der Jurist an seiner Doktorarbeit. Es geht um Datenschutz. (sda)

Erstellt: 06.10.2015, 15:16 Uhr

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