Der neue Raiffeisen-Chef verdient weniger als sein Vorgänger

Als designierter Chef wird Heinz Huber einen deutlich tieferen Lohn haben als der zurückgetretene Patrik Gisel.

Von der Thurgauer Kantonalbank an die Spitze der Raiffeisenbank: der 54-jährige Heinz Huber. Foto: Daniel Ammann (Keystone)

Von der Thurgauer Kantonalbank an die Spitze der Raiffeisenbank: der 54-jährige Heinz Huber. Foto: Daniel Ammann (Keystone)

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Kaum einer hatte Heinz Huber auf dem Radar. Wenn es um die Nachfolge für Patrik Gisel als Raiffeisen-Chef ging, standen andere Namen im Vordergrund. Dazu hat der bisherige Chef der Thurgauer Kantonalbank (TKB) selbst beigetragen. Noch im August bekundete der 54-Jährige öffentlich, kein Interesse an dem Job zu haben. Nun wird er der Manager, der zusammen mit dem neuen Präsidenten Guy Lachappelle, Raiffeisen aus der Krise führen soll. Noch immer steckt sie im Strudel der Affäre um den einstigen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz.

Für Huber ist es ein grosser Schritt. Er startete seine Karriere mit einer Banklehre bei der UBS und arbeitete danach bei der Credit Suisse. Später wechselte er in die IT-Industrie und machte sich dort selbstständig. Seit 2007 gehörte er der Geschäftsleitung der TKB an, seit vier Jahren als Chef.

KB-Männer übernehmen

Die TKB ist deutlich kleiner als Raiffeisen. Die Bank hat eine Bilanzsumme von 23 Milliarden Franken, Rund 760 Mitarbeiter und 29 Standorte. Künftig soll er die Raiffeisen-Zentrale in St. Gallen führen. Das Institut zählt in der Schweiz zu den fünf systemrelevanten Banken. Die Bilanzsumme ist mit rund 230 Milliarden Franken zehnmal so gross wie bei der TKB. Die Bank zählt insgesamt rund 11'000 Mitarbeiter, 2000 alleine in der Zentrale, und umfasst 900 Standorte. Doch Raiffeisen ist nicht nur grösser, die Bank ist auch komplexer. Kritische Genossenschafter nehmen jeden Schritt der Zentrale unter die Lupe – in diesen Tagen besonders.

Die Strukturen unterscheiden sich, das Kerngeschäft der beiden Banken ist aber vergleichbar: Beide erzielen mit Hypotheken den grössten Teil der Einnahmen. Genossenschafter begrüssen daher die Ernennung. Laut Thomas Lehner, Chef des Aargauer Raiffeisenverbandes, sei es ein Vorteil, dass er sich im Kreditgeschäft auskenne. «Da er Erfahrung aus der IT-Branche mitbringt, traue ich ihm zu, bei der digitalen Transformation Akzente zu setzen», so Lehner. Ein hochrangiger Kantonalbanker beschreibt Huber als gut informiert, wenn es um neue Finanztechnologien gehe. Bei Raiffeisen ist die Informatik ein heikles Thema. Derzeit wechselt die Bank ihr IT-System. Das Projekt ist im Verzug und kommt die Bank teurer zu stehen als geplant.

Der Wechsel sorgt auch für Lacher. Nun habe man eine Konkurrentin weniger und eine neue Schwestergesellschaft, spottet ein hochrangiger Kantonalbanker. Denn auch der neue Raiffeisen-Präsident Lachappelle kommt von einer Kantonalbank zu Genossenschaftsbank, nun folgt ihm Huber von der TKB. Die beiden kennen und schätzen sich. «Sie wissen, wie das künftige Gegenüber tickt», so ein Weggefährte der beiden.

«Die feste Vergütung von Heinz Huber beträgt brutto 1,1 Millionen Franken, dazu kommt eine variable Komponente». Raiffeisen-Sprecher

In der Branche wird geunkt, dass es Raiffeisen nicht gelungen sei, einen Top Shot an Land zu ziehen. Man habe wohl keinen gefunden, der über mehr Strahlkraft verfüge, so ein Bankenkenner. Kandidaten von Grossbanken oder von grösseren Kantonalbanken hätten wohl abgesagt.

Doch es spricht vieles dafür, dass Raiffeisen keinen Starbanker gesucht hat. Denn Hubers dringlichste Aufgabe wird es sein, die Bank in ruhigere Bahnen zu lenken und die Chefetage mit neuen Kräften zu besetzen. Weitere Geschäftsleitungsposten könnten dann von KB-Leuten übernommen werden, heisst es bei Kantonalbankern. Offenbar hat es bereits Sondierungsgespräche gegeben. Wie umfassend der Umbau wird, dürfte auch von den Ergebnissen des unabhängigen Gutachters Bruno Gehrig abhängen, der die Ära Vincenz durchleuchtet.

Keine Abgangsentschädigung für Gisel

Der Umstieg lohnt sich für Huber auch finanziell. Bei der TKB erhielt er im letzten Jahr ein Salär von 870'000 Franken. Bei der Raiffeisen wird es deutlich mehr sein. «Die feste Vergütung von Heinz Huber beträgt brutto 1,1 Millionen Franken, dazu kommt eine variable Komponente», so ein Raiffeisen-Sprecher. Der Bonus ist aber begrenzt. «Die Vergütung des Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz ist neu bei 1,5 Millionen Franken gedeckelt und nur bei einer überdurchschnittlichen Zielerfüllung erreichbar», so der Sprecher.

Patrik Gisel verdiente mehr als Huber. Der jüngst bei der Genossenschaft wegen einer Beziehung zur Ex-Raiffeisen-Verwaltungsrätin Laurence de la Serna in Ungnade gefallene Manager erhielt im letzten Geschäftsjahr ein Salär von 1,8 Millionen Franken.

Eine Abgangsentschädigung soll es für Gisel nicht geben. Sein Nachfolger Huber erhält aber laut Raiffeisen ein Antrittsgeld: «Für Mitglieder der Geschäftsleitung sind Antrittsentschädigungen branchenüblich. In diesem Fall handelt es sich um eine Summe in Höhe des letztjährigen Bonus von Huber.» Der variable Lohnanteil bei Huber entspricht im letzten Jahr rund 300'000 Franken. Im Gegenzug nehme Huber den frühestmöglichen Antrittstermin wahr, so ein Raiffeisen-Sprecher. Am 7. Januar wird er in St. Gallen erwartet.

Erstellt: 20.11.2018, 22:28 Uhr

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