Der Swiss-Problemjet wird zum Billigflieger

Die Schweizer Airline kommt äusserst günstig zu ihrem neuen Regionalflugzeug. Das liegt auch an grosszügiger Hilfe.

Grosse Preisnachlässe durch Rabatt und Konventionalstrafe: Der neue Bombardier CS-100 am Flughafen Kloten. Bild: Olivia Raths

Grosse Preisnachlässe durch Rabatt und Konventionalstrafe: Der neue Bombardier CS-100 am Flughafen Kloten. Bild: Olivia Raths

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Am 15. Juli soll endlich alles gut sein. Dann hat der neue Swiss-Regionaljet von Bombardier seinen Erstflug von Zürich nach Paris (Flug LX 638) – drei Jahre nach dem geplanten Termin.

Die Tickets sind verkauft, die Freude gross, die Nervosität ebenso. Nicht weniger als 50 Leute hat Bombardier zu dem Zeitpunkt für die Schweizer Airline im Einsatz, damit ja nichts schiefgeht. Das geht für die Kanadier ins Geld, die Swiss hingegen profitiert von Konventionalstrafen.

Massive Preisnachlässe wegen Verspätungen

Klappt alles, dann geht für die Swiss eine lange Leidenszeit zu Ende. Bereits 2001 wollte die damalige Crossair die bisher im Europaverkehr eingesetzten Jumbolinos ersetzen. Moritz Suter flog kurz nach dem Swissair-Grounding nach São Paulo und sah den damals neuen Embraer 170 vom Band rollen.

Er kaufte 60 Stück vom brasilianischen Hersteller und sicherte sich Optionen für 100 weitere. Doch dann kam alles anders: Die Crossair ging in der Swiss auf – und unter, dann schrammte die Swiss haarscharf am Grounding vorbei und wurde schlussendlich von der Lufthansa aufgekauft. Aus der Milliardenbestellung wurde nichts und die Swiss fliegt bis heute mit den Jumbolinos.

2009 bestellte der damalige Swiss-Chef Harry Hohmeister wieder Kurzstreckenflugzeuge, diesmal deutlich weniger. Gerade mal 20 CS-100 und 10 CS-300, das leicht grössere Flugzeug, wurden gekauft, allerdings in der Summe für denselben Preis. Der Listenpreis ist mit gut 50 Millionen Franken ungefähr doppelt so hoch wie damals.

Swiss erhält grosszügigen Rabatt

Doch so teuer, wie es scheint, wird das Abenteuer längst nicht, wenigstens nicht für die Swiss. Ähnlich wie die Crossair sicherte sich Hohmeister schon bei der Bestellung als Erstkunde einen zünftigen Rabatt, schätzungsweise etwa 20 Prozent. «Wir investieren allein für die C-Series weit über 1 Milliarde Franken», schrieb Hohmeister später in einem Aufsatz in der Zeitschrift «Volkswirtschaft», das entspräche einem Preis von etwa 40 Millionen pro Flieger, statt 50 Millionen.

Mit den Konventionalstrafen durch die dreijährige Verzögerung kommt der Preis noch tiefer zu liegen. Wie viel genau, will man weder bei der Swiss noch bei Bombardier sagen, doch Fred Cromer, verantwortlich für die kommerzielle Fliegerei bei Bombardier, gibt zu, dass man beim Preis nachgegeben hat. «Swiss ist ein sehr wichtiger Kunde für uns», sagte er zur SonntagsZeitung.

Das gilt auch für die Wartung. Hier hat die Swiss kürzlich mit Bombardier einen äusserst lukrativen Vertrag abgeschlossen, der zehn Jahre lang gelten soll, eingeschlossen Vor-Ort-Wartung und Ersatzteile. Bei allfälligen Kinderkrankheiten ist Bombardier auf diese Weise mit im Boot. Damit hat sich die Swiss die dreijährige Verspätung reichlich vergolden lassen. Fragt sich, wer das zahlt.

Klage der Konkurrenz wegen Staatshilfe

Denn was für die Swiss vorteilhaft aussieht, ist es für Bombardier viel weniger. Die C-Series litt seit ihrer Entwicklung unter Produktionsverzögerungen, massiven Kostenüberschreitungen und lange Zeit auch an mangelnder Nachfrage. Erst jetzt gibt es Anzeichen dafür, dass die Nachfrage nach Bombardier-Flugzeugen anzieht.

Neben jener der Swiss sind einige weitere Bestellungen in der Konzernzentrale in Montreal eingetroffen. Einmal vom Homecarrier Air Canada, die 45 CS-300 kauft. Dann erwarb die US-Fluggesellschaft Delta 75 Flieger und 50 Optionen, was eine Art Durchbruch darstellt. Hinzu kommen die Air Baltic, die Korean Air und andere. Inzwischen liegen 388 fixe Bestellungen vor.

Auf den Gewinn schlagen die Bestellungen indes nicht. Bombardier steckt weiter in den roten Zahlen. Denn die Entwicklung der C-Series hat sich von ursprünglich 2,6 Milliarden auf 3,8 Milliarden Franken verteuert. Das führte zu milliardenhohen Abschreibungen, seit Jahren ist der Cashflow negativ.

Bombardier schreibt rote Zahlen

Die Rückkehr in die Gewinnzone ist erst für 2018 vorgesehen. Die Rabatte für die Swiss sind abgeschrieben, aber auch beim Deal mit Air Canada und Delta machte Bombardier nicht etwa Gewinn, sondern muss 370 Millionen Franken Rückstellungen in der Bilanz verbuchen.

Darum gibt es in Kanada grosse Diskussionen über eine staatliche Hilfe. In der Vergangenheit wurden bereits Hunderte von Millionen vom Staat in den Vorzeigebetrieb gesteckt, nun will die Regionalregierung von Québec eine weitere Milliarde investieren, der kanadische Staat soll ebenfalls helfen. An diesem Punkt will nun Konkurrent Embraer ansetzen und bei der WTO eine Klage wegen Dumpings mit Staatshilfe lancieren.

Bombardier sagt, es sei alles regelkonform abgelaufen und man habe die Kredite des Staates stets verzinst und zurückbezahlt.

Erstellt: 23.05.2016, 13:18 Uhr

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