Der streitbare Milliardär von Crans-Montana

Dem Tschechen Radovan Vitek gehört in Crans-Montana fast alles. Nun legt er sich mit der Gemeinde an – und stellt den Skilift ab.

Die Skilifte stehen still: Die Gemeinde Crans-Montana liegt mit dem wichtigen Investor Radovan Vitek im Streit. (Video: Tamedia/SDA)

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Die Sonne scheint, es ist nicht besonders kalt und es liegt reichlich Schnee. Und doch haben die Skilifte in Crans-Montana VS geschlossen. Die Saison ist für das Skigebiet vorbei und dies bei perfekten Bedingungen. In einem offenen Brief wirft Philippe Magistretti, Direktor des Skiliftbetreibers Crans-Montana-Aminona, der Gemeinde vor, die Bergbahnen nicht genügend zu unterstützen. Die Bahn müsse daher schliessen. Das sei natürlich schade für die Touristen.

Der Skiliftbetrieb fühlt sich von den Gemeinden im Stich gelassen. Dies obwohl er mehr als 2 Millionen Franken aus der Firmenkasse in die Gemeindeinfrastruktur investiert. Die Gemeinde Crans-Montana weigere sich aber, ihren Anteil an dem Jahresbeitrag von 800'000 Franken freizugeben. Die Nachbargemeinden Icogne und Lens hätten dem schon lange zugestimmt, schreibt Magistretti. Der Chef des Skibetriebs vertritt Radovan Vitek. Ein tschechischer Investor, der in Crans-Montana lebt und in der Region viel Geld in den Tourismus investiert.

Sofort reagieren daher die Gemeindepräsidenten von Crans-Montana, Icogne und Lens. Sie kontern ebenfalls in einem öffentlichen Schreiben. Darin weisen sie die Aussagen Magistrettis zurück.

Die öffentliche Hand habe bereits viel Geld in die Skianlagen investiert, rechtfertigen sich die Gemeindepräsidenten gegenüber dem «Le Nouvelliste» ausführlicher. Der neuste Vorschlag des Skiliftbetreibers sei erst Ende Februar bei den Gemeinden eingegangen. Da er für sie sehr teuer sei, habe er nicht so schnell abgesegnet werden können.

Verschwiegener Milliardär: Eines der wenigen Bilder von Radovan Vitek. Foto: Getty Images

Es geht im Wallis also ums Geld. Daran lässt auch der öffentliche Brief der Skiliftbetreibers keinen Zweifel. Investor Vitek sei kein Mäzen, schreibt sein Geschäftspartner Magistretti. Er sei ein kultivierter Geschäftsmann, der wisse, dass nur ein klug geführtes Unternehmen nachhaltig sein könne.

Über Vitek ist wenig bekannt. Er ist ein milliardenschwerer Immobilienunternehmer, der seit einigen Jahren im Wallis lebt. Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» schätzt sein Vermögen auf über 3 Milliarden Franken. Er ist verheiratet, hat vier Kinder und ist 46 Jahre alt. Er gilt als medienscheu.

Seine Firmengruppe CPI Property, zu der auch die Skilifte in Crans-Montana gehören, hat ihren Sitz in Luxemburg. Sie investiert im grossen Stil in Immobilien in ganz Europa – hauptsächlich in Tschechien und Berlin. Das Immobilienportfolio hat einen Wert von 7,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr stieg es durch Zukäufe und Neubewertungen fast um ein Drittel an. Unter anderem kamen im letzten Jahr elf Einkaufszentren hinzu.

Bescheidene Anfänge

Angefangen hat Vitek äusserst bescheiden. In den 90er-Jahren nahm er laut dem Wirtschaftsmagazin «Forbes» an sogenannten Coupon-Privatisierungen in der Slowakei teil. So wurde damals Staatseigentum an Private verkauft. 1997 stieg er in Tschechien in die Hotellerie ein. Der Grundstein für sein Immobilienimperium war gelegt.

Auch in Crans-Montana hat Vitek grosse Pläne. Er betreibt die Anlagen nach «amerikanischer Art», wie die «Bilanz» schreibt. Das heisst, er will mit ihnen einen Gewinn erwirtschaften. In Crans-Montana gehören ihm nicht nur die Skilifte, sondern auch Bergrestaurants und Parkplätze. Hinzu kommen eine Klinik und bald auch ein neues Resort mit zwei Hotels und zahlreichen Luxuswohnungen. Die Gesamtinvestition soll sich auf rund 180 Millionen Franken belaufen.


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Erstellt: 04.04.2018, 14:41 Uhr

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