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Die aggressiven Zalando-Boys

Das ZDF sprach als erster Sender mit einem der Zalando-Gründer. Oliver Samwer und seine beiden Brüder kommen im Bericht nicht gut weg. Sie kopieren, bespitzeln und optimieren Steuern, lauten die Vorwürfe.

Im Fokus: Zalando ist die bekannteste Tochterfirma der deutschen Internetpioniere Samwer.
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Anspruchsvolle Logistik: Der Onlinemodehändler muss mit 50 Prozent Retouren klarkommen.
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Rocket Internet: Die Zalando-Mutter begrüsst jeden Mitarbeiter persönlich.
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Zalando, Samwer, Rocket Internet: Die drei Namen stehen für Internet, Pioniere, Wachstum. Es haftet ihnen aber auch etwas Suspektes an. Die Geschichte der drei Brüder, die in Köln aufgewachsen sind und ab dem Jugendalter eine Internetfirma nach der anderen gründeten und damit reich wurden, wurde immer auch von Kritik begleitet.

Jetzt nimmt der deutsche TV-Sender ZDF die Samwer-Brüder unter die Lupe. Die Fernsehmacher zeichnen ein Bild der Grössenhungrigen, der Unersättlichen. Die Brüder möchten ihre Internetfabrik Rocket Internet so gross sehen, wie es Google und Facebook sind. Aussagen von Oliver Samwer wie «Ich sage immer, der liebe Gott ist relativ fair, er lässt im Internet schneller Giganten bauen» unterstützen das Bild.

Leise und nett

Die Samwers, vertreten durch den mittleren Bruder, äussern sich zum ersten Mal über ihr Geschäft am Fernsehen. Viel von ihrem Geschäftsgeheimnis geben sie dabei nicht preis. Da kommen Sätze wie «Ein Start-up-Unternehmen schaut als Erstes, dass es erfolgreich am Markt ist». Samwer, Chef über Hunderte von Tochterfirmen und mehrere Tausend Mitarbeiter, spricht leise und bedacht. Von seiner provokanten Art, die er an Händlerkongressen an den Tag legt, ist im TV-Interview wenig zu spüren. Man könnte fast ins Zweifeln geraten, wie es sein kann, dass dieser Mann mitverantwortlich ist für eine Milliardenfirma.

Klone und Späher

Zumal diese Milliardenfirma offenbar auf fragwürdige Weise entstanden ist. Der Fernsehbericht spricht von Klonangeboten, die die Samwers mit ihrer Firma Rocket Internet auf den Markt gebracht haben. Um den Originalanbieter aus dem Markt zu drängen, hätten die Rocket-Internet-Töchter Daten ausspähen und Kunden abwerben wollen. Gezeigt wird das Beispiel von Wimdu, einer Vermittlungsbörse von privaten Wohnungen und «Klon» von Airbnb, wie die ZDF-Macher sagen.

Diese haben rund um die Welt Kritiker der Samwer-Brüder gefunden. Da ist der Onlineshopbetreiber aus der Türkei, der Opfer wurde vom Geschäftsausflug der Samwer-Brüder an den Bosporus. Das Dutzend Internetfirmen, das diese in der Türkei aufgezogen haben, mussten sie nach einigen Monaten wieder schliessen. Auch im wahren Internetpioniergebiet, dem Silicon Valley, seien die Samwer-Brüder berüchtigt, weil sie keine eigenen Ideen hätten. In Afrika, wo Rocket Internet mit Jumia Zalando und damit sich selber kopiert, blockierten die Samwers die Expansion des einheimischen Konkurrenten Konga, indem sie Internetadressen besetzten.

Über 100 Tochterfirmen haben ihr Domizil in Luxemburg

Damit der Kritik nicht genug. In der 45-minütigen Doku werden Rocket Internet gefälschtes Sozialengagement in Afrika, fehlende Abschlussberichte der hoch defizitären Tochterfirmen und Spartricks in Steueroasen nachgewiesen. Über 100 Tochterfirmen von Rocket Internet haben ihr Domizil demnach in Luxemburg, einige andere im amerikanischen Delaware. Auch die erfolgreichste der Rocket-Internet-Firmen, Zalando, mit dem die Samwers berühmt wurden, gerät in der Doku in Kritik. Der Fashion-Onlinehändler würde Blogger bezahlen, um eine bessere Webpositionierung zu erhalten.

Auch Oliver Samwer selbst kommt nicht sehr gut weg. Er wird von Weggefährten als Schnelldenker beschrieben, als jemand, der immer gewinnen wolle, und jemand, der sich nur dann für Normen interessiere, wenn sie ihm nützten. Für Furore sorgte vor drei Jahren seine «Blitzkrieg»-Mail, in der er seine Mitarbeiter und Firmenchefs zu Höchstleistungen antreiben wollte. «Die Zeit für den Blitzkrieg muss klug gewählt sein... ich bin der aggressivste Mann im Internet...» Samwer entschuldigte sich später für die Mail.

Kein Schrei mehr vor Glück

Oliver Samwer weist die Vorwürfe in der Dokumentation zurück. «Wir haben noch nie Daten geklaut. Wenn es so wäre, würde sich jemand melden», sagt er. Und «Steuern sind nichts, worauf wir fokussieren». In Luxemburg seien viele Firmen domiziliert, weil es für US-Investoren von der Gesetzgebung her besser sei, dort zu investieren als anderswo.

Wie stichhaltig Samwers Argumente sind, lässt sich schwer sagen. Man ist geneigt zu sagen, dass Kundinnen, nachdem sie die Dokumentation gesehen haben, nicht mehr schreien mögen vor Glück nach dem Erhalt eines Zalando-Pakets, wie es die Werbung suggeriert. Auch künftige Investoren, die bei einem möglichen Börsengang von Zalando oder Mutter Rocket Internet ins Internetimperium investieren wollen, werden nach der Sendung wohl nicht in Glücksgeschrei ausbrechen. Dass die Samwers mit einer ihren Firmen an die Börse wollen, ist so gut wie sicher. Gemäss Bloomberg steht eine Ankündigung des Zalando-Börsengangs kurz bevor.

«Die grosse Samwer-Show - Die Milliarden-Geschäfte der Zalando-Boys», 21.00 Uhr im ZDF.

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