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Die Bank Vontobel bricht mit der Vergangenheit

Das Zürcher Institut gibt sich eine neue Firmenstruktur. Es verabschiedet sich damit auch vom lukrativen Geschäft mit den Börsengängen.

Abschied von den Börsengängen: Die Bank Vontobel gibt sich eine neue Struktur. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)
Abschied von den Börsengängen: Die Bank Vontobel gibt sich eine neue Struktur. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

Eine Firma an die Börse zu bringen, galt lange als einer der einträglichsten Vorgänge im Banking. Doch schon seit Jahren klagen Banken und Berater über ein harzigeres Geschäft. Zum Teil sind sie gar nicht mehr involviert. Auch die Bank Vontobel spielte in diesem Markt lange mit, konnte aber im laufenden Jahr keine Firma mehr an die Börse bringen. Nun ist Schluss: In der neuen Strategie hat die Begleitung von Börsengängen keinen Platz mehr.

Rund zwei Dutzend Mitarbeiter sind in diesem Bereich bei Vontobel tätig. Das Team in London, wo derzeit sechs Leute beschäftigt werden, soll an die Zürcher Kantonalbank (ZKB) übergehen. «Die geplante Übernahme in London ermöglicht der ZKB einen direkten Zugang zu wichtigen globalen Investoren», sagt ein ZKB-Sprecher. So könne das Angebot für Schweizer Kunden mit Kapitalmarktbedürfnissen verbessert werden. Für die restlichen Vontobel-Mitarbeiter soll laut Bankchef Zeno Staub falls möglich intern ein neuer Platz gefunden werden.

Aktie reagiert positiv

Das ist nur ein Teil einer grundlegend neuen Struktur der Bank Vontobel. Laut Staub ist die bestehende Einteilung der Geschäftseinheiten für das Institut nicht mehr zeitgemäss. Der Kunde wolle von einer Bank eine einheitliche Lösung, egal von welcher Einheit diese komme. Ein wirtschaftlicher Druck bestehe für den Umbau aber nicht: «Wir können uns verändern, während es uns gut geht», sagt Staub.

Die Kundenvermögen der Bank sind zuletzt auf 225 Milliarden Franken gestiegen, das Neugeldwachstum liegt bei 7 Prozent und das 11-Monats-Ergebnis ist besser als im Vorjahr. Die Vontobel-Aktie reagierte positiv auf die Ankündigung und stieg um mehr als 1 Prozent.

Die Neuausrichtung wird sich kurzfristig kaum auf die Geschäftszahlen auswirken. Die aufgegebenen Erträge decken sich etwa mit den Ersparnissen durch die Reorganisation. Langfristig soll sich die bessere Kundenberatung in höheren Einnahmen niederschlagen. So will die Bank Vontobel zum Beispiel neu in das Geschäft mit superreichen Kunden einsteigen. Dies, obwohl die Konkurrenz dort schon gross ist. Alle wichtigen Schweizer Banken haben in den vergangenen Monaten angekündigt, bei den sehr vermögenden Kunden zulegen zu wollen.

Der reine Verkauf von Finanzprodukten spielt bei Vontobel zwar keine Rolle mehr, es soll aber derzeit keinen Abbau beim Geschäft mit den strukturierten Produkten geben. Sie sollen laut Staub ein wichtiges Standbein der Bank bleiben, auch wenn sie damit zuletzt weniger verdiente.

Allerdings sind die Finanzprodukte in der neuen Organisationsstruktur keine eigene Sparte mehr. Dadurch wird die Rolle des bisherigen Investment-Banking-Chefs Roger Studer überflüssig. Er räumt daher seinen Posten, wird Vontobel aber als Vertreter in verschiedenen Gremien erhalten bleiben. Weil die Trennung einvernehmlich verlaufe, dürfe Studer seine Vontobel-Anteile behalten.

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