Die CS ist ein grosses Risiko für die weltweite Finanzstabilität

Es gibt Ranglisten, auf welchen Manager ihr Unternehmen nicht gerne sehen. Auf einer davon rangiert die Credit Suisse in den Top 3.

Beim Eingang zur Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz wiesen in den letzten Tagen Bauschranken auf die Stolpergefahr hin. Derweil warnt der Internationale Währungsfonds vor den Systemrisiken, die von der Bank ausgehen.

Beim Eingang zur Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz wiesen in den letzten Tagen Bauschranken auf die Stolpergefahr hin. Derweil warnt der Internationale Währungsfonds vor den Systemrisiken, die von der Bank ausgehen. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Der Credit Suisse bleibt derzeit nichts erspart – ihr Aktienkurs fiel jüngst auf ein Rekordtief. Auf ihr lastet nicht nur die Bürde der Unsicherheit auf den Kapitalmärkten, die derzeit die ganze Finanzbranche zu tragen hat. Bei ihr haben die Anleger auch noch erhebliche Zweifel an der strategischen Ausrichtung: Offensichtlich ist das Vertrauen gering, dass Bankchef Tidjane Thiam es schafft, gleichzeitig die Kapitaldecke des Finanzinstituts zu stärken, das Investmentbanking herunterzufahren, die Vermögensverwaltung für Superreiche auszubauen und die laufenden Kosten zu kappen.

In einem diese Woche publizierten Bericht des Internationalen Währungsfonds taucht die Schweizer Grossbank nun auch aufgrund des Risikos auf, das sie für die weltweite Finanzstabilität darstellt. Hinter der Deutschen Bank und der britischen HSBC rangiert die Credit Suisse auf Platz 3. Erschienen ist die Rangliste im IWF-Bericht zur Finanzmarktstabilität Deutschlands.

Der Bericht beleuchtet insbesondere das Risiko, welches die Deutsche Bank für den Finanzsektor darstellt. Dass diese unter den als systemrelevant geltenden Finanzinstituten als grösste Gefahr für die Finanzstabilität gilt, ist auf ihre Verflechtungen zu anderen Firmen zurückzuführen, wie es im Bericht heisst. «Unter den global tätigen Banken mit systemischer Bedeutung tritt die Deutsche Bank als wichtigster Nettolieferant von Systemrisiken in Erscheinung», heisst es in der am Donnerstag publik gemachten Studie. Zum Tragen kamen bei der Auswertung die Aktienkursbewegungen und deren Auswirkungen auf andere Finanzinstitute von Herbst 2007 bis Anfang dieses Jahres.

Im Deutschland-Assessment des IWF taucht die Credit Suisse lediglich in einem Nebensatz und in Grafiken auf. Anders würde die Gewichtung der IWF-Experten wohl im Länderbericht zur Schweiz ausfallen. Das letzte Mal die Schweiz ins Visier genommen hatte der IWF 2014, und normalerweise finden die Länderprüfungen alle fünf Jahre statt. Dass die eigene Bank als grosses Risiko für die weltweite Finanzstabilität angesehen wird, dürfte wahrscheinlich auch die Experten bei der Credit Suisse selbst nicht überrascht haben: Das IWF-Personal stützt sich nämlich auf eine Methode der renommierten Wissenschaftler Francis Diebold und Kamil Yilmaz.

Fraglich ist, welche Folgen solche Einstufungen haben. Bei der Deutschen Bank hoben die IWF-Experten die Wichtigkeit des Risikomanagements sowie einer intensiven Überwachung des grenzüberschreitenden Exposure hervor. Direkte Folgen für die Deutsche Bank hat die Einschätzung des IWF aber nicht. Prinzipiell sind die Aufsichtsbehörden aber darum bemüht, bei höheren Risiken fürs Finanzsystem die Regeln, welche ein Finanzinstitut zu erfüllen hat, zu verschärfen. So gelten in der Schweiz beispielsweise für die fünf systemrelevanten Banken UBS, Credit Suisse, Postfinance, Raiffeisen und Zürcher Kantonalbank strengere Eigenkapitalvorschriften.

Risikoklassifizierungen wie diejenige des IWF prägen jedoch das Image einer Bank und können sich so auch auf den Aktienkurs niederschlagen. Das hat am Donnerstag die Deutsche Bank zu spüren bekommen. Nachdem eine US-amerikanische Tochter des deutschen Finanzinstituts wegen mangelhaften Risikomanagements beim Stresstest der US-Notenbank Fed durchgefallen war, wurde die ohnehin schon laufende Talfahrt des Aktienkurses noch beschleunigt. Dass das Institut gleichentags vom IWF auch noch als grösstes Risiko unter den systemrelevanten Banken eingestuft wurde, dürfte diesen Effekt noch verstärkt haben.

Die Credit Suisse respektive deren Tochtergesellschaften in den USA gehörte übrigens nicht zu den 33 Finanzinstituten, die sich dem Stresstest des Fed stellen mussten. Das ist erst nächstes Jahr der Fall.

Erstellt: 01.07.2016, 11:56 Uhr

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