Erzwungene Bescheidenheit bei Schweizer Bankenchefs

Die CS hat ihr Lohnmodell nach zuletzt heftiger Kritik angepasst. Die Chefs von US-Grossbanken verdienen nun doppelt so viel wie die Schweizer Kollegen.

Im internationalen Vergleich fast schon klein: Die Saläre der Schweizer Grossbankchefs Sergio Ermotti (UBS), Tidjane Thiam (CS) und Boris Collardi (Julius Bär). Video: SDA/Tamedia

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Es sind stolze Summen. Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam kam im letzten Jahr auf ein Salär von fast 10 Millionen Franken. CS-Präsident Urs Rohner erhielt mehr als 4 Millionen Franken. Die erfolgsbasierten Löhne sind besonders hoch, wenn man sie mit dem Ergebnis der Bank vergleicht. Sie schrieb letztes Jahr einen Verlust von rund 1 Milliarde Franken.

Schon vor einem Jahr stand die Grossbank wegen ihrer Lohnpolitik in der Kritik. Damals zahlte sie trotz eines Verlustes von mehr als 2 Milliarden Franken hohe Boni an ihre Chefs. Im Nachgang wurden damals die Saläre von Thiam und Rohner angepasst.

Dies, nachdem klar war, dass auch bedeutende Investoren die Salärpolitik bei einem derartigen Verlust nicht akzeptierten. So hat etwa der norwegische Staatsfonds das Gespräch mit der Chefetage der Bank gesucht und sich für ein neues Salärmodell eingesetzt. Der Fonds ist mit einem Anteil von rund 5 Prozent einer der wichtigsten Aktionäre der Schweizer Grossbank.

Hastiger Verzicht

Wie hoch der Druck damals war, zeigte der teilweise Salärsverzicht von CS-Präsident Rohner. Die Bank gab kurz vor Ostern in aller Eile bekannt, dass er auf einen Teil des Salär verzichte. An der Generalversammlung erhielt die Bank dennoch einen Denkzettel. Der Vergütungsbericht wurde nur gerade mit 58 Prozent angenommen.

Dieses Jahr beweist die CS-Chefetage mehr Fingerspitzengefühl. Die Boni wurden bereits bei der Präsentation des Jahresergebnisses Mitte Februar thematisiert. Damals sagte Thiam zwar, dass er keinen Anlass dazu sehe, die Erfolgsprämien zu senken. Denn die Bank würde eigentlich einen ansehnlichen Gewinn schreiben, wenn nur der US-Steuerabschreiber nicht wäre. Und doch wurde nun die Vergütungspolitik angepasst. Mit einfacheren Messgrössen will die Bank für mehr Transparenz sorgen. Unter anderem sollen die Boni des Managements stärker von den Aktienrenditen abhängig sein.

Heftige Kritik

Das Umdenken kommt nicht von ungefähr. Die letzten Jahre waren geprägt von einem tiefgreifenden Konzernumbau bei der CS. Konzernchef Thiam sorgte dafür, dass die Kosten der Bank deutlich gesunken sind, zudem ist sie heute weniger abhängig vom riskanten Investmentbanking und setzt stärker auf das Vermögensverwaltungsgeschäft.

Der Sparkurs forderte aber von der Schweizer Belegschaft viel ab. Hier sollen bis Ende 2018 rund 1600 Stellen abgebaut werden. Nicht nur bei der Konzernzentrale, auch beim profitablen Schweizer Geschäft wurde gespart. Bei der hiesigen Belegschaft kommen daher die hohen Boni der Führungsetage schlecht an. Viele Mitarbeiter haben das Gefühl, dass sie die Bussen und schlechten Resultate aus dem Ausland ausgleichen müssen.

Der Schweizerische Bankpersonalverband forderte daher von der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat, auf die Boni zu verzichten. Im Moment will sich der Verband aber nicht zu den Cheflöhnen äussern. Man sei im Gespräch mit der CS, heisst es beim Verband.

Rasanter Lohnanstieg

Die Saläre bei der CS-Chefetage sind nach wie vor hoch. Dies zeigt sich etwa am Vergleich mit der deutlich profitableren UBS. Die 10 Millionen Salär von Tidjane Thiam bei einem Verlust von 1 Milliarde Franken stehen einem Verdienst von 14 Millionen Franken von UBS-Chef Sergio Ermotti bei einem Konzerngewinn von rund 1 Milliarde Franken gegenüber. UBS-Präsident Axel Weber verdiente rund 6 Millionen Franken. Der aktienbasierte und damit erfolgsabhängige Anteil ist bei Weber aber deutlich höher als bei seinem CS-Kollegen Urs Rohner. Weber erhält rund ein Drittel der Vergütung in der Form von Aktien, Rohner rund ein Viertel.

Infografik: Tamedia/Marc Fehr

Ein Sonderfall ist das Salär des im November abgetretenen Julius-Bär-Chefs Boris Collardi. Die Bank war in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich, weil aber Collardi die Bank vorzeitig verliess, wurde ihm der Bonus für sein letztes Jahr gestrichen. Dadurch nimmt sich sein Salär von 1,7 Millionen Franken im Vergleich zu den Löhnen der beiden Grossbanken-Chefs bescheiden aus.

Im internationalen Vergleich sind die Saläre der Schweizer Grossbankchefs fast schon klein. So sind bei den fünf grössten US-Grossbanken die Löhne deutlich gestiegen. Die Entlöhnung der Top-Shots stieg im Schnitt um 17 Prozent, wie das «Wall Street Journal» vor kurzem berichtete. JPMorgan-Chef James Dimon kassierte mit 29,5 Millionen Dollar das grösste Salär. Den grössten Lohnzuwachs erhielt Citigroup-Chef Michael Corbat mit einem Plus von 48 Prozent. Sein Verdienst beträgt 23 Millionen Dollar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2018, 14:46 Uhr

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