Die Post kämpft mit Bouillon gegen Werbestopp-Kleber

Der gelbe Riese will Kunden mit gratis Warenmustern dazu verleiten, den «Keine Werbung»-Kleber am Briefkasten zu entfernen.

Werbeversand der Post: Wer den «Stop Werbung»-Sticker entfernt, bekommt dafür eine Packung Müesli.

Werbeversand der Post: Wer den «Stop Werbung»-Sticker entfernt, bekommt dafür eine Packung Müesli. Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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Hunderttausende Schweizer Haushalte haben in den letzten Tagen Post von der Post erhalten. «Erleben Sie Werbung einmal anders – mit echten und attraktiven Warenmustern in Ihrem Briefkasten.» Wer will, bekommt monatlich ein Präsentchen. Etwa ein Töpfchen Gemüsebouillon, einen WC-Einhänger oder eine Packung Müesli. Dafür muss er den «Stopp/Keine Werbung»-Kleber entfernen oder mit dem mitgeschickten «Werbung OK»-Sticker überkleben.

Die Überlegung dahinter ist klar: Nur wenn der Kleber weg ist, darf die Post den Kunden Werbung zustellen. Denn die Warenproben sind nichts anderes als Werbesendungen. Laut der Post sind verschiedene bekannte Konsumgüterhersteller bei der Aktion dabei, darunter Nestlé oder Bio Familia. Seit 2014 werde das Angebot jährlich in einem neuen Gebiet getestet, so eine Sprecherin.

330'000 Haushalte angeschrieben

Dieses Jahr sind die Städte Zürich, Winterthur, St. Gallen und Chur an der Reihe. Zudem erhalten das Schreiben Bewohner von weiteren mittelgrossen Städten in der Romandie und der Deutschschweiz. Insgesamt geht es an 330'000 Haushalte. «Warenmuster sind für viele Kunden attraktiv, da sie ein Produkt ausprobieren können», sagt die Sprecherin. Mitte Monat würden die ersten Proben verschickt.

Es ist dies nicht die erste Initiative der Post dieser Art. Mehrmals schon ging der Staatsbetrieb gegen die «Stopp Werbung»-Kleber vor. Unter anderem wurden Pöstler angeleitet, den Kunden die Sticker auszureden. Immer wieder erntete der Staatskonzern dafür Kritik. Die bisherigen Aktionen hätten offenbar keinen Erfolg gezeigt, so Prisca Birrer-Heimo, Präsidentin der Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz. Viele Konsumenten würden keine Werbung im Briefkasten akzeptieren. Die Post solle den Kunden klarmachen, auf was sie sich einlassen, wenn sie auf den Sticker verzichten.

Werbeversand rückläufig

In diesem Frühjahr versuchte es die Post auf andere Art. Damals sollten die Kunden für eine Online-Dienstleistung gewonnen werden, bei der sie über ein Webportal aussuchen konnten, von welchem Unternehmen sie Werbung erhalten möchten. Der Slogan damals: «Sagen Sie JEIN zu Werbung.» Die Post ist zufrieden mit der Kampagne. «Die Rückmeldungen der Kunden sind gut», sagt eine Post-Sprecherin. Das Angebot startete mit elf Firmen und sollte ausgebaut werden. Rund ein halbes Jahr später sind es allerdings immer noch nur elf. Darunter befinden sich Jelmoli, Jumbo oder Domino’s Pizza.

Die Werbeoffensive der Post hat einen handfesten Hintergrund. Das Unternehmen verdient mit den Werbesendungen weniger. Im letzten Jahr ging das Geschäft mit unadressierten Sendungen um 1,7 Prozent zurück. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2016, 14:09 Uhr

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