Die unsichere Zukunft der Familienbank

Die Bank Vontobel ist zu gross für die Nische, zu klein zum Blühen.

In welche Richtung geht es weiter? Firmensitz der Bank Vontobel in Zürich. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

In welche Richtung geht es weiter? Firmensitz der Bank Vontobel in Zürich. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Nach dem Ableben des Ehrenpräsidenten stellen sich für die Bank Vontobel grundsätzliche Fragen. Ist sie stark genug, um unabhängig zu bleiben? Oder droht ein Verkauf – als Ganzes oder in Einzelteilen? Kenner der Von­tobel-Bank hatten in den letzten Jahren stets betont, die Frage der Zukunft würde sich so lange nicht stellen, als Hans Vontobel als Repräsentant der Familie und Garant der Eigenständigkeit am Leben sei.

Noch deutet, oberflächlich betrachtet, wenig auf Turbulenzen hin. Im ersten Halbjahr 2015 schrieb das Geldhaus, das neben der Beratung für Privatkunden auch über eine Plattform mit strukturierten Produkten und eine erfolgreiche Boutique für Pensionskassen verfügt, einen stolzen Gewinn.

Fast 100 Millionen Franken betrug das Resultat unter dem Strich für die Zeit von Januar bis Juni, gleichzeitig stiegen die verwalteten Kundenvermögen auf über 140 Milliarden. Auch gelang der Bank endlich das, was ihre Führung lange angekündigt hatte: Sie tätigte Übernahmen. Zunächst erwarben die Zürcher eine Boutique in England, im Herbst folgte die Übernahme der Finter Bank, eine auf Italien fokussierte Vermögensverwalterin.

Zukunftsfokus als Problem

Unter der Oberfläche sieht es weniger rosig aus: Bei allen drei Pfeilern der Bank – die, für sich gesehen, noch rentabel sind – stellt sich die Frage nach der Positionierung für die Zukunft. Das Private Banking als erster Pfeiler bringt mit rund 40Milliarden Franken verwalteten Kundenvermögen auch nach dem Kauf der Finter Bank zu wenig Gewicht auf die Waagschale. Zudem bleibt die Ausrichtung unklar. In Deutschland versucht die Banken seit Jahren erfolglos, auf einen grünen Zweig zu kommen, viel Geld verdiente sie dort nie. Das Geschäft in Italien läuft gut und könnte dank dem Finter-Kauf noch mehr in den Fokus geraten. Das reicht aber nicht, um mit den grossen Privatbanken wie der Zürcher Julius Bär, der Liechtensteiner LGT oder den Genfer Traditionshäusern Pictet und Lombard Odier mitzuhalten.

Der Erfolg mit den institutionellen Anlegern – dem zweiten Pfeiler – hängt stark von Rajiv Jain ab, dem Chef der New Yorker Gesellschaft des Vontobel Asset Management. Doch der Vertrag mit Jain und seinen 25 Leuten hat zur Folge, dass ein Grossteil der Erträge in deren eigenen Taschen landet.

Volatiles Derivate-Geschäft

Bleibt als dritter Pfeiler das Geschäft mit derivaten Produkten, bei dem Vontobel sich hinter den beiden Schwergewichten UBS und CS zur dritten Kraft gemausert hat. Hier liegt das Problem in den starken Schwankungen des Geschäfts. Je nachdem, wie sich die Börsenstimmung entwickelt, droht ein scharfer Abschwung.

An der Börse schnitt die Bank gut ab. Im letzten Jahr liess die Aktie von Vontobel sowohl die Titel der beiden Grossbanken als auch jene von Konkurrentin Bär hinter sich. Für die Zukunft heisst das wenig. Zur Sorge Anlass gibt auch, dass die Raiffeisenbank als wichtigste Vontobelkundin Mitte 2017 aus einem Langfristvertrag für die Abwicklung aller Börsengeschäfte aussteigt. Die grosse Genossenschaftsbank hat eigene Ambitionen und setzt voll auf ihre Tochter Notenstein. Ein Ersatz für die wegbrechenden Erträge ist nicht in Sicht.

Die erfolgreichen Übernahmen von 2015 täuschen zudem nicht darüber hinweg, dass zuvor bei grösseren Deals stets die Konkurrenten das Rennen machten. Am Ende droht der Bank Vontobel ihre Dreibeinstrategie zum Verhängnis zu werden. Das Szenario eines Ausverkaufs hat deutlich an Wahrscheinlichkeit gewonnen.

Erstellt: 05.01.2016, 00:01 Uhr

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