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Die USA und der Dollar - Ein Abstieg auf Raten An Reform des Weltwährungssystems wird schon gearbeitet Von Gernot Heller, Reuters Hintergrund

Bern Eine US-Ratingagentur hat der weltwirtschaftlichen Führungsmacht USA und damit dem US-Dollar als globaler Leitwährung einen Schlag versetzt, von dem sie sich nur schwer erholen dürften.

Der deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen spricht schon seit längerem gerne von einem «Währungssystem im Übergang». Dieser Umbruch weg von dem Dollar-geprägten System könnte sich nun beschleunigen. Asmussens Wort hat Gewicht: Er leitet in der G20 eine Arbeitsgruppe, die Grundlagen einer Reform des Weltwährungssystems erarbeitet. Dass die USA als Anlageland nicht mehr als vollkommen risikosicher gelten können, dass es Zweifel an der Fähigkeit der USA gibt, ihr Schuldenproblem noch im Griff zu behalten, trifft auch den Dollar. Denn eine Welt-Leitwährung basiert vor allem auf Vertrauen in ihre Stabilität und in die Krisenbeständigkeit der dahinter stehenden Volkswirtschaft. Das aber sinkt, wie das Rating der Agentur Standard & Poor's deutlich macht. Schon vorher hatte die Weltgemeinschaft einen schleichenden Vertrauensverlust registriert. Sie diskutiert daher seit geraumer Zeit mit dem Aufkommen neuer starker Schwellenländer, dem Abstieg alter Mächte, über eine «multipolare» Welt, auch bei den Währungen. So hat Frankreich als Vorsitz der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) die Reform des Währungssystems zu einem ihrer Schwerpunktthemen erklärt. Währungskorb als Orientierung Ein Ersatz des US-Dollars als Welt-Leit- und Reservewährung ist allerdings kein leichtes Unterfangen. Immer noch werden deutlich mehr als 60 Prozent der Weltwährungsreserven in Dollar gehalten. Der Euro hat zwar seinen Anteil auf 27 Prozent ausgebaut, ist aber mit der sich ausweitenden Schuldenkrise im Währungsraum alles andere als ein Anker, der einen Sturm aushalten kann. In Asmussens G20-Arbeitsgruppe arbeitet man daher daran, das Weltwährungssystem eher an einem Währungskorb zu orientieren. Als Basis könnten dabei die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) gelten, hinter denen ein Währungskorb steht. Der müsste aber um wichtige Währungen, wie die chinesische, aufgefüllt werden. Ob Chinas Yuan jedoch schon als «frei nutzbar» gelten kann, wie es für eine Währung in diesem Korb gefordert wird, ist umstritten. Das Weltwährungssystem ist nicht erst seit gestern zum Sorgenkind geworden. In nahezu jeder Erklärung nach G20- oder G7-Treffen versicherten die Teilnehmer in den vergangenen Jahren, gegen «exzessive Kurschwankungen» und ungeordnete Marktbewegungen am Devisenmarkt zusammenarbeiten zu wollen. Grosse Ungleichgewichte Geholfen hat das wenig. Einen wesentlichen Grund dafür sehen Experten darin, dass die grossen weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte im Handels- und Kapitalverkehr sowie in den Haushalten trotz gegenteiliger Bekundungen erhalten blieben und sich sogar noch verschärft haben. Lange Zeit war bei den etablierten Industrieländern, die sich in der G7 zusammenfinden, China der «böse Bube» in dieser Diskussion. Vor allem seitens der USA wurde China vorgeworfen, mit seinem am Dollar angebundenen Yuan und seiner unflexiblen Wechselkurspolitik verschaffe sich das Land über eine künstliche Unterbewertung unfair Handelsvorteile. Doch in den letzten Monaten ist es nun China, dass besondere laut als Kritiker der USA in Währungs- und Finanzfragen auftritt. Das begann schon, als die USA über ihre Notenbank nach der Finanzkrise ständig billiges Geld auf die Märkte kippten und damit den Dollar schwächten. Von einem Handelskrieg über Währungsabwertungen war die Rede, und der Dollar als stabiler Anker geriet weiter in Verruf. Nun klagt China laut über «Schuldensucht» und finanzpolitische Unfähigkeit der US-Politik und gibt den USA ungebeten Spartipps. Mit fast 1,2 Billionen Dollar US-Anleihen ist China grösster Gläubiger der USA. Ein schwacher Dollar kostet die Volksrepublik also bares Geld, das sie in einem sicheren Hafen geparkt sehen will - und als solcher taugen die USA möglicherweise nicht mehr.

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