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Die US-Notenbank tritt eine nie da gewesene Geldlawine los

Die Fed versucht verzweifelt, das politische Chaos der Regierung Trump zu unterdrücken und eine wirtschaftliche Depression zu verhindern.

«Es ist klar, dass unsere Wirtschaft vor gravierenden Verwerfungen steht», sagt Fed-Chef Jerome Powell. Foto: Reuters
«Es ist klar, dass unsere Wirtschaft vor gravierenden Verwerfungen steht», sagt Fed-Chef Jerome Powell. Foto: Reuters

Zum dritten Mal seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie greift die Notenbank zum geldpolitischen Zweihänder. Die Notenbank will die Wirtschaft zeitlich und wertmässig unbegrenzt stützen und dafür Sondervollmachten einsetzen. Ökonomen verglichen den Notfalleinsatz mit den massiven Investitionen während der Weltkriege und warnten vor ebenso düsteren Zeiten.

Sollten die Interventionen misslingen und das politische Chaos andauern, müsste mit bis zu 13 Prozent Arbeitslosen – 20 Millionen Stellensuchenden – gerechnet werden. Die US-Wirtschaft könnte einen Verlust von bis zu 4000 Milliarden Dollar erleiden; und so viel will die Notenbank nötigenfalls auch lockermachen.

Deshalb will nun die Notenbank einspringen, US-Anleihen und Hypotheken aufkaufen und wieder «einen reibungslosen Markt» herstellen. Vorderhand sollen jeden Tag 125 Milliarden Dollar in solche Käufe gepumpt werden. In der letzten Woche war der Markt für US-Staatsanleihen, der wichtigste Finanzmarkt der Welt, zeitweise ausser Kontrolle geraten und hatte die Panik rund um die Pandemie noch zusätzlich angeheizt.

Die riesige Geldspritze wirkt nicht

Des Weiteren will die Notenbank zum ersten Mal in der Geschichte Unternehmensanleihen kaufen und in Kürze ein «Main Street Business Lending Program» starten. Ziel ist, vor allem kleineren und mittelgrossen Unternehmen günstige Kredite von bis zu 300 Milliarden Dollar zu ermöglichen.

Die Notenbank intervenierte am Montag noch vor dem Start der US-Börsen. In der Nacht auf Montag waren die asiatischen Märkte erneut gefallen. Anleger in Asien und Australien hatten auf die totale Konfusion in Washington reagiert.

Der US-Senat hatte es nicht geschafft, sich auf ein 1800 Milliarden Dollar schweres Ankurbelungsprogramm zu einigen. Präsident Trump hatte sich zudem geweigert, seine Vollmacht für eine landesweite Notfallaktion einzufordern. Der Grund für Trumps Zögern sei ein politischer, monieren Kritiker: Trump lehne die Rolle des Krisenkoordinators ab, um nicht für die katastrophalen Mängel bei der medizinischen Versorgung verantwortlich gemacht zu werden.

Doch die riesige Geldspritze der US-Notenbank konnte die Nerven der Börsianer nicht beruhigen: Zu Handelsbeginn gaben die Kurse erneut nach.

Aus Sicht der Notenbank ist die Wirtschaft innert weniger Wochen in eine bedrohliche Schieflage geraten. «Es ist klar, dass unsere Wirtschaft vor gravierenden Verwerfungen steht. Wir sind entschlossen, sämtliche Instrumente einzusetzen, um die Haushalte, Unternehmen und die Wirtschaft als Ganzes zu stützen», erklärte Notenbankchef Jerome Powell.

Prognosen werden immer düsterer

Mitschuldig am Debakel ist der Kongress. Zwar einigte sich das Abgeordnetenhaus letzte Woche auf ein Hilfspaket. Es war aber mit 750 Milliarden Dollar zu bescheiden, weshalb der Senat nun ein Paket von 1800 Milliarden debattiert. Eine Abstimmung am Sonntag verlief im Sand, da sich Republikaner und Demokraten um das Ausmass der Hilfe für kleine und grosse Firmen sowie für Arbeitslose stritten.

James Bullard, Präsident der Notenbank im Mittleren Westen in St. Louis, warnte vor einer Arbeitslosenquote von 30 Prozent, mehr als in der Grossen Depression. Ein Zeichen dafür, dass die Notenbank bisher zu wenig tat, sind die gewaltigen Schwankungen an den Finanzmärkten weltweit. Die Preise für Aktien, Anleihen, Öl und andere Rohstoffe schiessen seit Tagen wild auf und nieder, da die Banken vielerorts nicht mehr die Rolle als Marktmacher übernehmen wollen, also Positionen in die eigenen Bücher nehmen, um die Kursverläufe zu glätten.

An der Wallstreet werden die Prognosen immer düsterer. Morgan Stanley sprach am Montag von einem Wirtschaftseinbruch im Sommer von 30 Prozent, Goldman Sachs hielt mit einem Minus von 24 Prozent wenig zurück und auch die stets optimistische J.P. Morgan sah mit einem Minus von 14 Prozent keinen Lichtblick. Finanzminister Steven Mnuchin übertraf alle anderen. Der Corona-Virus dürfte die Wirtschaft bis zu 4000 Milliarden Dollar kosten. Das wären fast 20 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der USA.

Podcast «Entscheidung 2020»

Christof Münger und Martin Kilian diskutieren in einer weiteren Folge des Tamedia-Podcasts «Entscheidung 2020» darüber, wie Corona gerade Amerika verändert, über dessen Gesundheitssystem, und wie sich die Pandemie auf die Politik auswirkt.

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