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«Vielleicht ist das ein heilsamer Schock»

Thomas Held über die Bankenkrise: "Die Banken waren Teil von Erwartungen, die sehr verbreitet waren. Alle wollten profitieren. Man erinnere sich nur, wie die Banker in den Medien als Helden oder als Masters of the Universe gefeiert wurden."
Über die Folgen für die Alterssicherung: "Die Pensionskassen hatten schon immer das Problem, dass sie tendenziell zu viel versprachen. Ich könnte mir vorstellen, dass jetzt ein heilsamer Schock eintritt. Die Renditeerwartungen müssen korrigiert werden."
Über die Herausforderungen für die Schweiz: "Neben der Finanzkrise drohen andere Probleme, die nicht einfach verschwinden. Die Energiefrage wird zum Beispiel immer noch unterschätzt. Die Veränderung, welche Länder wie China und Indien hier noch bewirken werden, ist total." Im Bild: Windkraftwerk in Südindien.
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Herr Held, brechen neue Zeiten an? In der Finanzkrise ist die Rede vom «Ende der neoliberalen Ära», man redet von «Paradigmenwechsel» und nennt die Ereignisse so einschneidend wie den Mauerfall 1989.

Erleben wir das Ende der Globalisierung?

Aber die Finanzkrise fördert den Eindruck, dass uns die Globalisierung anfällig macht für Probleme am andern Ende der Erde.

Die Krise hat weitere Konsequenzen: Staatseingriffe häufen sich, es gibt mehr Regulierung. Als Stimme des freien Marktes muss Sie das ärgern.

Heisst das: In der akuten Notlage können auch liberale Geister mit massiven Staatseingriffen leben?

Man liess immerhin Lehman Brothers bankrottgehen, und das ganze amerikanische Investmentbanking wurde umgestürzt.

Krisen gehören zur Wirtschaft. Ist diese Krise grundsätzlich anders?

In der Schweiz hielt sich der regulatorische Aktivismus bislang in Grenzen.

Wir erleben aber auch fundamentale Staatseingriffe. Wenn die EU ihren Banken Überlebensgarantien gibt, dann ist das quasi eine Teilverstaatlichung.

Entstaatlichung ist momentan sicher kein Thema: Ob Verkauf der Swisscom-Beteiligung, mehr Markt bei der Post, weniger Service Public, Elektrizität: All die Deregulierungsideen der letzten Jahre sind jetzt desavouiert.

Haben also all jene recht, die ein Comeback des Sozialismus erwarten?

Wo liegen da die grössten Herausforderungen für Schweiz?

Und wo liegen die Chancen?

Mit der Finanzkrise schwindet auch das Vertrauen in die private Alterssicherung: Kleinanleger verlieren Aktienwerte, Pensionskassen krebsen zurück. Zwingt uns die Krise am Ende auch zu mehr Sozialstaat?

Die Banken selber machten doch entsprechende Versprechen und setzten für sich selbst Renditen von 25 Prozent als Ziel. Hat die Branche «die Marktwirtschaft verraten», wie dies ein angesehener deutscher Banker gesagt hat?

Die Schuldfrage beeinflusst, welche Massnahmen am Ende ergriffen werden: Liegt also die Hauptschuld eher bei gierigen Bankern? Oder eher bei waghalsigen Häuslebauern? Oder vor allem bei der US-Notenbank, die jahrelang zu billiges Geld in die Märkte schoss?

Auch dies verstärkt den Eindruck, dass diese Krise die Welt verändert: die Bedeutung der USA scheint zu wanken.