Zum Hauptinhalt springen

Munteres Luxus-Shoppen trotz Finanzkrise

Die Reichen trotzen dem Börsengewitter: Millionäre gehen an der Bahnhofstrasse weiterhin auf Shoppingtour, die Juweliere verzeichnen noch gute Umsätze.

Die Finanzmärkte werden derzeit von einem Sturm heimgesucht, der bereits einen Drittel der Aktienwerte vernichtet hat. Die Gefahr einer globalen Rezession ist greifbar. Nichtsdestotrotz scheinen diese Hiobsbotschaften der Kauflaune der Gutbetuchten nur wenig anhaben zu können. An der Bahnhofsstrasse klingeln die Kassen der meisten Juweliere weiterhin, als brumme der Wirtschaftsmotor auf Hochtouren - das zumindest sagen die Juweliere.

Kräftiges Umsatzwachstum im September

«Wir spüren die Finanzkrise nicht und hoffen, dass dieser Trend anhält», erklärt Kurt Huber, Geschäftsführer von Tiffany und Co. in Zürich. Den meisten Bijoutiers geht es ähnlich: Ein Index von zehn Schweizer Juwelieren an der Zürcher Bahnhofstrasse zeigt, dass die Umsätze im September bei der Hälfte der Geschäfte im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich im Plus liegen. Nur bei einigen wenigen Geschäften sind die Umsätze zurückgegangen. Auch im Oktober haben sich die Umsätze nicht markant abgeschwächt.

Der Verlauf des Index' legt den Schluss nahe: Wer wirklich viel Geld hat, den hindert der wirtschaftliche Krebsgang vorerst nicht daran, weiterhin an den nobelsten Adressen des Landes zu shoppen. «Reiche Leute, die bei mir einkaufen, haben vielleicht einen Zehntel ihres Vermögens verloren. Sie besitzen nun beispielsweise statt 100 nur noch 90 Millionen Franken. Auf ihr Kaufverhalten hat das keine Auswirkungen», sagt René Beyer, CEO und Mitinhaber des exklusiven Uhren- und Schmuckgeschäfts Beyer. Aus diesem Grund hält er Läden, die Schmuck im mittleren und tiefen Preissegment anbieten, für krisenanfälliger.

Sein Familienunternehmen erzielte im September ein kräftiges und im Oktober ein leichtes Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahresmonat. Beyer ist überzeugt, dass auch das Weihnachtsgeschäft wie geschmiert laufen wird. Nur wenn in den kommenden Wochen und Monaten weitere Negativmeldungen die Wirtschaft belasten, rechnet er mit einer Verschlechterung.

Selbst Globus steigt zuversichtlich ins Weihnachtsgeschäft

Nicht weniger zuversichtlich steigt Globus ins Weihnachtsgeschäft ein. «Übers ganze Jahr gesehen entwickeln sich die Umsätze entsprechend unseren Erwartungen», erklärt Sprecher Jürg Welti. Er stellt derzeit einzig grössere Schwankungen als sonst fest: «Sehr gute Tage wechseln sich ab mit enttäuschenderen.» Von einem Einbruch der Verkäufe könne bisher keine Rede sein.

Es gibt sie aber auch, die Stimmen, die glauben, dass auch die Luxusgüterindustrie nicht unbeschadet aus der Finanzkrise kommt. «Wir rechnen damit, dass das Weihnachtsgeschäft nicht ganz unseren Erwartungen entsprechen wird», erklärt Adelbert Bütler, CEO des Juwelier- und Schmuckgeschäfts Bucherer. Von einem Einbruch der Verkäufe könne aber keine Rede sein. Mittelfristig sei aber damit davon auszugehen, dass die Finanzkrise Bremsspuren bei der Luxusgüterindustrie hinterlasse.

Langfristig wird sich Krise auf Luxusgütermarkt durchschlagen

Denn dass die Kauflust der Millionäre auch langfristig erhalten bleibt, wenn die Folgen der Finanzkrise voll auf die Realwirtschaft erfasst, halten Ökonomen für unwahrscheinlich. Das weiss man auch an der Bahnhofsstrasse: «Wir können nicht davon ausgehen, dass eine Wirtschaftskrise herrscht, und niemand merkt es», erklärt Robert Ober, Präsident der City Vereinigung Zürich. Er geht davon aus, dass die Krise verzögert auf die Luxusgüterverkäufer durchschlagen wird. «Ich kann mir vorstellen, dass nächstes Jahr härtere Zeiten anbrechen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch