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Russland attackierte die eigene Währung

Steht die russische Währung vor dem Absturz? Der Kreml versucht vehement, die Sorgen der Bevölkerung zu zerstreuen.

Mühsam aufgebaut, ist es jetzt schon fast wieder dahin. Das Vertrauen der Russen in den Rubel schwindet. Seit Tagen kursieren Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Crash der Landeswährung – und entfalten eine giftige Wirkung: Immer mehr Bankkunden wechseln ihr Geld in Devisen, in manchen Wechselstuben wurden vorübergehend die Dollarnoten knapp. Selbst die Schattenwirtschaft hat sich vom Rubel verabschiedet. Viele Beamte, berichtet das Nachrichtenmagazin «Russki Newsweek», nähmen Schmiergelder nur noch in Dollar an – aus Angst vor einer Abwertung des Rubels.

Bis jetzt schwächelt die russische Währung vor allem gegenüber dem Dollar. Am Freitag kostete ein Dollar 27 Rubel, noch im Frühsommer waren es knapp über 23 Rubel gewesen. Zwar haben auch andere Währungen – etwa der Schweizerfranken – im Vergleich zum Dollar an Boden verloren, doch Experten warnen: In Russland reagiert die Bevölkerung besonders sensibel auf Kursschwankungen, was leicht zu einer Kettenreaktion führen kann.

Dass der Rubel gegenüber dem Dollar an Wert verliert, ist offenbar die Schuld russischer Banken, zumindest teilweise. Sie erhielten von der Zentralbank günstige Rubel, mit denen ein Zusammenbruch des Finanzsystems verhindert werden sollte. Doch statt es in die heimische Wirtschaft zu pumpen, wechselten sie das Geld in Dollar um. «Wir haben in Russland die einmalige Situation, dass der Staat eine Attacke auf die eigene Währung finanziert», konstatiert der ehemalige Vizechef der Zentralbank, Sergei Aleksaschenko.

Die Schwäche des Rubels hat darüber hinaus tiefer liegende Gründe. Mit der Finanzkrise ist der russische Wirtschaftsmotor insgesamt ins Stottern geraten. Rohöl, Russlands wichtigste Devisenquelle, ist nur noch halb so viel wert wie vor einem halben Jahr. Zudem leidet das Land unter einer immensen Kapitalflucht. Seit Beginn der Krise haben russische Geschäftsleute 50 Milliarden Dollar ausser Landes gebracht – das meiste auf Devisenkonten. «Viele Reiche sind der Meinung, dass es sicherer ist, das Geld vorerst im Ausland zu verstecken», sagt ein Insider.

Die Währungsreserven schwinden

Noch kontrolliert die russische Zentralbank die Kursschwankungen. Allein vergangene Woche hat sie Schätzungen zufolge 19 Milliarden Dollar investiert, um den Rubel zu stützen. Die Frage ist: Wie lange kann das noch gutgehen? Russland hat zwar die drittgrössten Gold- und Währungsreserven der Welt. Aber sie schmelzen besorgniserregend schnell dahin. Allein vergangene Woche sind sie um 31 Milliarden auf 484 Milliarden Dollar gesunken. Zum Vergleich: Anfang August hatte Russland noch 597 Milliarden Dollar auf der hohen Kante.

Ein weiterer Abwärtstrend ist vorprogrammiert: Der Staat hat 226 Milliarden Dollar bereitgestellt, um Finanzsystem und Realwirtschaft vor dem Absturz zu bewahren. Dieses Geld muss irgendwoher genommen werden. Ex-Zentralbanker Aleksaschenko schätzt, dass die Reserven bis Anfang 2009 auf 130 Milliarden Dollar zusammenschrumpfen könnten. Irgendwann, so die Schlussfolgerung, fehlen der Zentralbank die Mittel, den Rubel zu stützen – eine Abwertung wäre unausweichlich.

Die kremltreue Presse versucht nach Kräften, sämtliche Sorgen zu zerstreuen. «Es wird keine Abwertung des Rubels geben», titelte das Boulevardblatt «Komsomolskaja Prawda» diese Woche in fetten Lettern. Die «Iswestija» wollte von Premierminister Wladimir Putin wissen, in welcher Währung er sein Erspartes hält. Die Antwort lautete – wie könnte es anders sein: «In Rubeln.»

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