CS-Beschattungsfall: Detektei zeigt Ehepaar Khan an

Der Skandal rund um Iqbal Khan nimmt eine neue Wendung. Nun wehren sich die Detektive.

Iqbal Khan sagt in seiner eigenen Anzeige, dass er die Verfolgung bemerkte und als «Gefahr» auffasste. Der Haupteingang der CS am Paradeplatz. Foto: Christian Hartmann (Reuters)

Iqbal Khan sagt in seiner eigenen Anzeige, dass er die Verfolgung bemerkte und als «Gefahr» auffasste. Der Haupteingang der CS am Paradeplatz. Foto: Christian Hartmann (Reuters)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Den Khans wird versuchte Nötigung, falsche Anschuldigung, Freiheitsberaubung und Irreführung der Rechtspflege vorgeworfen, eine Reihe von Zürcher Kantonspolizisten wurde wegen Amtsmissbrauch, Sachentziehung und Urkundenfälschung im Amt angezeigt.

Worum geht es? Die Detektive von Investigo haben Iqbal Khan im letzten September im Auftrag der CS beschattet. Der bekannte Banker hatte im Juni gekündigt, und die CS wollte sicherstellen, dass er die Auflagen der Abgangsvereinbarung einhält. Der Verdacht war, dass Khan Mitarbeiter und Kunden von der CS zur UBS mitnehmen wollte. Khan bemerkte die Verfolgung, konfrontierte einen der Detektive und reichte eine Strafanzeige ein wegen Drohung, Nötigung und wegen Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte. In der Folge wurden die Detektive verhaftet, ihre Namen und der ihrer Firma kamen in die Presse, sie konnten «de facto» nicht mehr arbeiten. So entstand ihnen ein beträchtlicher Schaden.

Khan und seine Verfolger werfen sich also ähnliche Delikte vor. Wie ist das möglich? Ausgangspunkt ist die Autofahrt des Ehepaars Khan am 17. September von Herrliberg ins Zentrum der Stadt Zürich. Einer der Detektive beschattete Khan und seine Frau. Khan sagt in seiner eigenen Anzeige, dass er die Verfolgung bemerkt und als «Gefahr» aufgefasst habe. Er habe deshalb versucht, den Verfolger mit einem Manöver nach der Quaibrücke abzuschütteln. Es sei eine «eigentliche Verfolgungsjagd» gewesen. Die Detektive schreiben jetzt in ihrer Anzeige hingegen, es habe keine Jagd gegeben. Khan habe ganz einfach in der Zürcher Innenstadt einen Parkplatz gesucht. Ein Grossteil der Strassen liegt in der Tempo-30-Zone.

In «Todesängste» versetzt

Als Khan und sein Beschatter geparkt hatten, kam es zu einem Zusammentreffen. Laut Khan ist der Detektiv in einer «sehr aggressiven, angriffigen Haltung» auf ihn zugekommen. Er sei in «Todesängste» versetzt worden und habe laut nach Hilfe geschrien. Die Detektive hingegen behaupten, Khan selber sei auf ihren Mitarbeiter zugegangen. Er habe ihn beschimpft und fotografiert.

Der Verdacht der Credit Suisse war, dass Iqbal Khan Mitarbeiter und Kunden von der CS zur UBS mitnehmen wollte. Foto: Günter Bolzern

Letzteres lässt sich belegen. In den Akten tauchen einige der Bilder auf, die Khan damals machte. Man sieht, wie der Detektiv mit einem Lautsprecher im Ohr über das Trottoir läuft. Auf einem der Bilder schaut er in die Kamera. Eine körperliche Drohgebärde ist auf den Bildern in den Unterlagen der Strafuntersuchung nicht zu erkennen. Ob weitere Bilder existieren, ist nicht bekannt. Was gesagt wurde, ist strittig, es steht Aussage gegen Aussage.

Entsprechend ziehen beide Parteien gegenteilige Schlüsse aus den Vorkommnissen. Khan behauptet in seiner Anzeige, das Ganze sei eine Art «Stalking» gewesen, was unter den Tatbestand der Nötigung oder der schweren Drohung falle. Die Detektive hingegen sagen, die ganze Anzeige Khans sei eine falsche Anschuldigung, was ihrer Ansicht nach wiederum strafbar ist. Der Banker habe die Anschuldigungen bewusst und wider besseres Wissen gemacht, mit der Absicht, eine Strafverfolgung herbeizuführen.

Aus dem Bett geklingelt

Schliesslich zitieren die Detektive aus einer Aussage des früheren CS-Sicherheitschefs Remo Boccali, der im Namen der CS den Auftrag für die Überwachung erteilte. Boccali gab zu Protokoll, Khan habe ihn nach dem Vorfall angerufen und der CS wenige Stunden Zeit gegeben, ein «Gentlemen’s Agreement» abzuschliessen. Ansonsten würde er zur Polizei gehen. Suggeriert wird, Khan habe von der CS Geld oder andere Leistungen, die ihm nicht zustehen, gewollt. Dies werten die Detektive als versuchte Nötigung der CS. Khan dementiert den Hergang und lässt über seinen Anwalt Dieter Gessler ausrichten: «Eine Forderung nach einer Abmachung gab es nicht.»

Nachdem Khan seine Verfolgung bemerkt hatte, rief er Boccali an und fragte ihn, ob er ihm etwas zu beichten habe. Boccali dementierte ausdrücklich. Daraufhin ging Khan zur Polizei. «Es ging ihm darum, dass die Behörden herausfinden, wer ihn und seine Familie verfolgt», sagt Gessler. Khan sei von Boccali im Glauben gelassen worden, dass die CS nichts mit der Beschattung zu tun habe. Dies sei mit mehreren SMS von Boccali an Khan belegbar. Im Übrigen hält Khan an all seinen Darstellungen fest. Gessler: «Die CS hat sich bei Khan und seiner Familie für die Beschattung öffentlich entschuldigt.» Rohner erklärte ausdrücklich: «Dieser Auftrag zur Überwachung (war) falsch und unangemessen.»

Am Morgen nach dem Zwischenfall in der Innenstadt haben drei Teams der Kantonspolizei die drei Detektive an ihren Wohnorten um sechs Uhr aus dem Bett geklingelt und verhaftet. Laut Akten gab es dafür lediglich einen «mündlichen Vorführbefehl» der Staatsanwaltschaft. Die Polizisten nahmen aber laut Protokoll bei einem der Detektive auch das iPhone, die Schlüssel und seine Bankkarte mit. Laut Anzeige wäre das nur mit Durchsuchungsbefehl erlaubt gewesen.

In einem weiteren Protokoll schreibt die Polizei, sie habe das Handy erst auf dem Polizeiposten sichergestellt, und zwar «ab Person». Dies widerspricht den Polizeiakten. Der Vorwurf hier: Das sei Urkundenfälschung, welche die Polizei gemacht habe, um die Sicherstellung des Handys am Morgen nachträglich zu decken.

Erich Wenzinger, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigt, die Anzeige gegen Mitarbeitende der Polizei stehe «im Kontext mit einer Hausdurchsuchung», die die Kantonspolizei nach der Beschattung der Kahns durchgeführt habe. Eine bemerkenswerte Aussage, denn es ist aktenkundig, dass es keinen Hausdurchsuchungsbefehl gab. Zur Strafanzeige gegen das Ehepaar Khan sagt Wenzinger: «Wir bestätigen den Eingang einer Strafanzeige eines Mitarbeiters der Firma Investigo gegen Iqbal Khan und seine Frau. Die Anzeige wird derzeit geprüft.»

Erstellt: 08.01.2020, 06:28 Uhr

Artikel zum Thema

Credit Suisse liess weiteren Kadermann überwachen

Dokumente belegen, dass die CS nicht nur ihren ehemaligen Spitzenbanker Iqbal Khan observieren liess: Ein weiteres Kadermitglied wurde beschattet. Mehr...

Wie die CS-Beschattungsaffäre eine tödliche Wende nahm

Vermittler T. suchte vor seinem Suizid nach Lösungen – ein zielführendes Gespräch mit der Bank kam nicht zustande. Mehr...

Fall Moçambique: Ein dritter Banker der Credit Suisse gesteht

Der Betrugsfall um einen Kredit von 2 Milliarden Franken wird für die Grossbank immer gefährlicher. Mehr...

Blogs

Sweet Home So selbstverständlich harmonisch

Geldblog Dufte schlafen mit Aromahersteller Givaudan

Die Welt in Bildern

Was für eine Plage: Eine Bauernstochter in Kenia versucht mit ihrem Schal Heuschrecken zu verjagen. (24. Januar 2020)
(Bild: Ben Curtis) Mehr...