Ein Facelifting für den Einzahlungsschein

Banken und Post setzen auf ein einziges, europataugliches Zahlungssystem. Die Postkontonummer und die Codierzeile verschwinden.

Nicht nur die Noten werden neu, auch die Einzahlungsscheine werden modernisiert. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Nicht nur die Noten werden neu, auch die Einzahlungsscheine werden modernisiert. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

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Er ist ein helvetisches Kulturgut. Vor 110 Jahren führte die Schweizerische Postverwaltung ein grünliches, rechteckiges Stück Papier ein, das aus drei Teilen bestand. Auf dem links angebrachten «Empfangsschein» stand vermerkt, dass er dem Einzahler zu überlassen sei. Auf dem «Abschnitt» ganz rechts stand, dass dieser vom Checkbüro dem Empfänger zu übersenden sei. Und im grossen mittleren Abschnitt war das Wort vermerkt, das bis heute jeder kennt: «Einzahlungsschein».

Die Innovation von 1906 hat sich ­bewährt. 2015 verarbeitete Postfinance als Nachfolgerin des Checkbüros 600 Millionen Exemplare dieses originär helvetischen Beleges. Damit sind Einzahlungsscheine weitaus häufiger als Banknoten. Der gesamte schweizerische Papiergeldumlauf betrug vergangenes Jahr 406 Millionen Stück.

Was die Nationalbank mit den Noten schon begann und über die kommenden drei Jahre vollendet, steht den schweizerischen Finanzinstituten beim postalischen Papiergeld noch bevor. Auch der Einzahlungsschein wird nämlich grundlegend überarbeitet und modernisiert. Ab Juli 2018 wird die neue Version Schritt für Schritt in Umlauf gebracht.

Infografik: Was sich mit dem neuen Einzahlungsschein ändert Grafik vergrössern.

Der künftige Einzahlungsschein wird immer noch als solcher erkennbar sein und entspricht im Kern auch weiterhin dem Original aus den Anfängen der Post. Einige Änderungen stechen aber ins Auge:

  • Der rote Einzahlungsschein ohne Referenznummer verschwindet. Künftig gibt es nur noch einen weissen Einheitsbeleg, der orangefarben bedruckt ist.
  • Die Postkontonummer (zum Beispiel 30-3333-3) gibt es nicht mehr. Neu steht an ihrer Stelle die global standardisierte Iban-Nummer (Iban steht für International Bank Account Number. Sie lautet beispielsweise CH31 8123 9000 0012 4568 9). Diesen Standard verwenden Schweizer Banken schon heute neben den eigenen Kontonummern.
  • Die Codierzeile am unteren Rand des Einzahlungsscheins, die aus einer langen Ziffernfolge besteht, gibts künftig nicht mehr. An ihre Stelle tritt in der Mitte ein auffälliger QR-Code. Er soll besser lesbar, effizienter und sicherer sein. Vor allem ist er global kompatibel. Auf dem Einzahlungsschein darf auch Werbung stehen.

Auslöser der Renovation des Einzahlungsscheins ist ein Mammutprojekt der Finanzbranche. Es läuft bereits seit sechs Jahren und kostet Dutzende Millionen. Hierzulande wurden bis vor kurzem zwei Zahlungssysteme verwendet, das Swiss Interbank Clearing (SIC) der Banken und das Postfinance-System. Zudem gab es mehr als zehn Standards und Formate, zehn Verfahren und sieben Belege. Das klappte trotz Komplexität zuverlässig. Vergangenes Jahr wurden so rund 440 Millionen Transaktionen abgewickelt oder 39 Billionen Franken hin und her geschickt.

Gebühren sollen sinken

Doch nun vereinheitlichen Banken und Postfinance ihre Systeme auf Basis des globalen Standards ISO 20022. Sie machen sie so einfacher, effizienter, schneller, stabiler und vor ­allem europatauglich. Privatkunden spüren das nicht nur in Form neuer Einzahlungsscheine. Auch die Gebühren bei Zahlungen in Europa sollen nochmals fallen. Zudem werden Lastschriftverfahren europaweit möglich sein.

Noch wichtiger sind aber die Änderungen bei der Maestro-Karte. Sie wird ebenfalls neu und kann dann in Läden in allen Euroländern zum Zahlen eingesetzt werden. Hohe Gebühren für Auslandtransaktionen sollen entfallen.

Erstellt: 06.05.2016, 23:47 Uhr

Neuerung

Platz für etwas Werbung

Es ist ein Novum in der Geschichte des schweizerischen Zahlungsverkehrs. Auf den neuen Einzahlungsscheinen darf auch auf der Vorderseite Werbung stehen. Neben der Bankadresse (Einzahlung für) und der Adresse des Empfängers (Zugunsten von) hat es neu Platz für einen individuellen Aufdruck der Firmen.

Was in den Feldern von rund 10 auf 25 Millimeter beziehungsweise 20 auf 25 Millimeter Grösse stehen darf, ist allerdings genau geregelt. Sie dürfen «ausschliesslich für Signete, Logos sowie Güte­siegel verwendet werden», zudem müssen die Inhalte in direktem Zusammenhang mit dem nebenstehenden Text stehen. Auf der Rückseite gibt es dagegen keine Vorschriften. Sie darf frei bedruckt werden. (se)

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