Endlich verschwindet der nervige Kreditkarten-Code

Wer beim Online-Shoppen mit der Kreditkarte bezahlt, muss oft ein zusätzliches Passwort eingeben. Das verwirrt Kunden und stört Shop-Besitzer. Bald ist Schluss damit.

Bezahlen im Internet: Online-Shopper nerven sich über den Sicherheitscode der Kreditkarte.

Bezahlen im Internet: Online-Shopper nerven sich über den Sicherheitscode der Kreditkarte. Bild: Martin Ruetschi /Keystone

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Der passende Flug ist gefunden, das Hotel sieht auch schön aus – nur noch ein paar Mausklicks, und die Ferien sind gebucht. Der Kunde gibt seine Angaben ein, klickt auf «Weiter», und es ploppt ein Fenster seiner Bank auf, die ihn nach einem Passwort für seine Kreditkarte fragt. Der Käufer traut der Sache nicht und bricht die Buchung ab.

Ein Ärgernis für den Kunden und ein Frust für den Händler. Seit bald zehn Jahren setzen viele Kreditkartenanbieter auf das Sicherheitsverfahren 3-D Secure, und noch immer wird es von den Kunden nicht verstanden. Laut Detailhandelsexperten ist es der Hauptgrund, wieso Online-Shopper den Einkauf an der Kasse abbrechen – und auch dafür, wieso Schweizer im Internet am liebsten per Rechnung bestellen.

Mastercard und Co. planen neues Verfahren

Dem allseits unbeliebten 3-D-Secure-Code wird bald der Garaus gemacht. Die Mitglieder der Branchenvereinigung EMVCO – dahinter stehen die Kreditkartenfirmen Mastercard, Visa und Co. – haben sich schon vor einiger Zeit auf die Einführung eines neuen Standards geeinigt. Der Name ist wenig überraschend: Er heisst 3-D Secure 2.0. Er soll das Bezahlen per Kreditkarte im Internet einfacher machen.

Die Zürcher IT-Firma Netcetera zählt europaweit zu den ersten Entwicklern des neuen Standards. Das Unternehmen sorgt nun dafür, dass er bei Kartenanbietern umgesetzt wird. Über die Systeme von Netcetera laufen rund 2,5 Millionen 3-D-Secure-Zahlungen pro Monat. Das entspricht rund zwei Dritteln des gesamten Schweizer Volumens. «Diese werden künftig über das neue 3-D-Secure-Verfahren laufen», so Christian Waldvogel, der bei Netcetera für das Produktportfolio Payment Security zuständig ist. Andere Anbieter dürften bald nachziehen.

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Banken versuchen, die lästige Eingabe seit einiger Zeit einfacher zu gestalten. So hat etwa die UBS eine spezielle App lanciert. Über diese können die Kunden Kreditkartenzahlungen per Smartphone bestätigen. Ein ähnliches Angebot gibt es beim Zahlungsdienstleister Viseca.

Nächstes Jahr wird umgestellt

Erste Tests mit Mastercard laufen laut Waldvogel bereits. In den nächsten Monaten werden die Kartenherausgeber auf den neuen Standard umsteigen. Danach wird er den Online-Händlern angeboten. In rund einem Jahr werden die Konsumenten mit dem neuen Verfahren konfrontiert, so Waldvogel. Er geht davon aus, dass die Kunden speziell über die mobilen Kanäle dann weniger oft ihre Online-Einkäufe abbrechen, als sie dies heute tun.

Die lästige Passwort-Eingabe im neuen Fenster wird dann komplett wegfallen. Künftig wird ein Einkauf über eine Smartphone-App und dort etwa per Fingerprint bestätigt werden. Wer das nicht will, kann sich je nach Kartenherausgeber auch über ein SMS einen Sicherheits-Code zukommen lassen. Diese Verfahren sind heute bereits bei einigen Kartenherausgebern im Einsatz und werden mit der Einführung des neuen Standards die alten Verfahren flächendeckend ersetzen.

Entscheidende Frage: Wer haftet bei Betrug?

Viele Händler dürften gespannt auf die Neuerung warten. 3-D Secure ist für sie ein rotes Tuch. Auf mobile Geräte liess es sich nie wirklich übertragen. Dies, da es für das Bezahlen an Desktop-Rechnern entwickelt wurde. Auf Smartphones wirkt es daher oft schlecht in den Shop eingepflegt.

Für die Händler hat das Verfahren aber einen Vorteil: Sie haften nicht für Schäden, wenn eine betrügerische Zahlung mit 3-D Secure getätigt wurde. Dann muss der Kartenherausgeber die Kosten übernehmen. Den Kunden bleibt daher keine Wahl. So heisst es etwa bei einem der grössten Schweizer Online-Shops: «Für eine erfolgreiche Kreditkartenzahlung muss 3-D Secure aktiv sein.» Bald schon dürften sich weniger Kunden daran stören. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 28.09.2018, 11:24 Uhr

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