Es droht ein Renteneinbruch von bis zu 30 Prozent

Künftige Pensionierte müssen mit massiv tieferen Renten rechnen, wie eine neue Studie zeigt. Jetzt drohen höhere Abgaben und mehr Beitragsjahre.

Wenn die Renten sinken, werden künftig Pensionierte monatlich weniger Geld zur Verfügung haben. Foto: Keystone/Christian Beutler

Wenn die Renten sinken, werden künftig Pensionierte monatlich weniger Geld zur Verfügung haben. Foto: Keystone/Christian Beutler

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Negativzinsen, Anlagenotstand und die Überalterung der Gesellschaft – die drei Probleme machen den Pensionskassen immer mehr zu schaffen. Die Herausforderungen haben im vergangenen Jahr weiter zugenommen. So sind 65 Prozent der Pensionskassen von den Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank betroffen. Vor vier Jahren waren waren es noch 55 Prozent. Der Anteil dürfte sich wegen des Margendrucks der Banken weiter erhöhen, schreibt die Swisscanto Vorsorge AG in ihrer aktuellen Studie.

Die Leistungen der beruflichen Vorsorge (2. Säule) sinken seit Jahren kontinuierlich. So ging der Umwandlungssatz seit 2010 von 6,7 auf 5,7 Prozent zurück – was 15 Prozent tieferen Renten entspricht. Mit dem Umwandlungssatz wird die jährliche Pensionskassenrente berechnet.

Deckungslücken

Die Renten werden weiter sinken, wenn nicht rechtzeitig Gegenmassnahmen eingeleitet werden. Der technische Zinssatz, der aufzeigt, wie hoch das angesparte Vorsorgekapital erwartungsgemäss verzinst werden kann, liegt bei 1,9 Prozent. Geht man davon aus, dass dieser Wert konstant bleibt, ergibt sich ein realistischer Umwandlungssatz von 4,9 Prozent – statt den heute geltenden 6,8 Prozent. Laut Berechnungen von Swisscanto Vorsorge drohen jenen Arbeitnehmern, die heute einer Pensionskasse beitreten, im Schnitt 28 Prozent tiefere Renten.

Bereits ab 18 Jahren PK-pflichtig

Um die Lücke zu füllen, haben viele Vorsorgeeinrichtungen bereits eigenständig Massnahmen eingeleitet. Von den von Swisscanto befragten Pensionskassen haben über die Hälfte in den letzten drei Jahren die Sparbeiträge erhöht, und ein Viertel der Institute hat die Beitragsdauer verlängert. Dabei wurde das Eintrittsalter unter die gesetzliche Schwelle von 25 Jahren auf 20 oder sogar 18 Jahren gesenkt.

Diese Massnahmen würden die Deckungslücken aber nur zur Hälfte stopfen, schreibt Swisscanto. Um die bestehenden Lücken vollständig zu schliessen, schlagen die Autoren der Swisscanto-Studie verschiedene Massnahmen vor – darunter die Erhöhung des Sparbeitrags um 17,9 Prozent oder eine Verlängerung der Beitragsdauer um 7,2 Jahre.

Mehr Gelder in Immobilienanlagen

Die Studienautoren schreiben aber auch, dass zur Stabilisierung der Renten, «der Spielraum auf der Anlageseite besser ausgenutzt werden muss». Sie kritisieren die mangelnde Risikobereitschaft der Vorsorgeeinrichtungen. Diese würden auf vermeintlich sichere Anlage setzen, obwohl diese praktisch keine Rendite abwerfen. Der Aktienanteil am Gesamtvermögen der Vorsorgeunternehmen hat sich trotz den seit Jahren gut laufenden Börsen im Durchschnitt nur leicht verändert – von 27 Prozent vor zehn Jahren auf 29 Prozent im vergangenen Jahr.

Risikofreudiger zeigen sich die Pensionskassen bei einer anderen Anlageklasse. Stark gestiegen ist nämlich der Immobilienanteil in den Portfolios. Während der Obligationenanteil seit 2009 von 39 auf 31 Prozent zurückging, erhöhten sich die Investitionen in Immobilien von 19 auf 25 Prozent. Damit steigen die Risiken, im Falle einer Überhitzung und Korrektur des Immobiliensektors, Verluste einzufahren.

Die Swisscanto Vorsorge hat für die Pensionskassenstudie 531 Schweizer Vorsorgeeinrichtungen mit rund 3,8 Millionen Versicherten befragt.

Erstellt: 06.06.2019, 14:33 Uhr

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