EU wusste von Abgastricks

Bereits 2013 soll die Europäische Kommission von möglichen Manipulationen durch Autohersteller gewusst, aber nichts unternommen haben.

Trotz Warnungen: Der damalige EU-Industriekommissar Antonio Tajani leitete keine Massnahmen gegen Abgastricks ein.

Trotz Warnungen: Der damalige EU-Industriekommissar Antonio Tajani leitete keine Massnahmen gegen Abgastricks ein. Bild: Keystone

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Die Manipulation von Abgastests durch Autohersteller sei in höheren Kreisen in Brüssel viel früher bekannt gewesen als bisher geglaubt, schreibt die «Financial Times», der interne Dokumente der EU-Kommission vorliegen sollen. Schon zwei Jahre vor dem jetzigen Abgasskandal von Volkswagen habe der damalige EU-Umweltkommissar Janez Potocnik vor Tricks von Autobauern gewarnt, sei von seinen Kollegen aber nicht gehört worden.

Die britische Zeitung zitiert aus einem Brief, den Potocnik im Februar 2013 an den EU-Industriekommissar Antonio Tajani schickte. Minister verschiedener EU-Länder glaubten, dass zwischen der Leistung von Fahrzeugen im Testlabor und derjenigen auf der Strasse «signifikante Abweichungen» bestehen würden, schrieb Potocnik. Es bestünden «weitverbreitete Sorgen», dass Autobauer die Leistung von Motoren auf den Testzyklus der Autos zuschnitten und der Abgasausstoss ansonsten «dramatisch» ansteige. Laut «Financial Times» hatte Potocnik seinen Kommissionskollegen Tajani deshalb gebeten, diesbezüglich Massnahmen einzuleiten, was aber nicht geschehen sei. Der damalige Industriekommissar soll lediglich in Aussicht gestellt haben, dass die Einführung von Tests zur Messung der realen Emissionen nicht später als 2017 erfolgen sollte.

Dieser Zeitplan wurde von Ida Auken kritisiert, der damaligen dänischen Umweltministerin. Sie hatte die Diskussion um die Abgastricks in einem Briefwechsel Anfang 2013 überhaupt erst angestossen. Dass damals keine Massnahmen ergriffen wurden, lag gemäss Auken an der Wirtschaftskrise, welche die Eurozone erfasst hatte. «Die generelle Meinung in der Kommission war damals, dass die Krise Priorität habe, dass genug Probleme bestünden und keine neuen geschaffen werden sollten», sagte sie zur «Financial Times». EU-Funktionäre seien gezwungen gewesen, Strategien zu verfolgen, die sich positiv auf die Industrie auswirkten. Neue Auflagen für die Autobranche waren demzufolge nicht mehrheitsfähig. (wig./Financial Times)

Erstellt: 26.10.2015, 15:53 Uhr

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