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EU-Kommission protestiert gegen Senkung von Portugals Rating Portugiesische Börse stürzt nach Abstufung durch Moody's ab

Lissabon Die EU-Kommission hat in ungewöhnlich scharfer Form gegen das Herunterstufen der Kreditwürdigkeit Portugals durch eine grosse Ratingagentur reagiert.

«Das ist eine unglückselige Episode und wirft Fragen über das Verhalten der Ratingagenturen und deren Weitblick auf», sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn am Mittwoch in Brüssel. Die Kommission bedauere die Entscheidung von Moody's, die langfristigen Staatsanleihen von Portugal um vier Stufen auf «Ramsch»-Niveau herunterzusetzen. Die erste Überprüfung des internationalen Hilfsprogramms für Lissabon von 78 Milliarden Euro durch Experten der Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds sei erst für Ende August geplant. Zeitpunt «ausserordentlich unglücklich» Die Regierung in Lissabon habe erst in der vergangenen Woche Massnahmen angekündigt, die teilweise über die Abmachungen für das Hilfspaket noch hinausgingen. Der Sprecher nannte den Zeitpunkt der Veröffentlichung «ausserordentlich unglücklich». EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erinnerte in Strassburg daran, dass seine Behörde an einer weiteren Regulierung der Ratingagenturen arbeite. Vorschläge dazu sollten bis Jahresende vorliegen. Es gehe unter anderen darum, mehr Wettbewerb in der Branche zu schaffen. Er ging nicht näher auf Vorhaben ein, eine europäische Ratingagentur zu schaffen, meinte aber: «Es ist schon merkwürdig, dass keine einzige (grosse) Ratingagentur aus Europa kommt.» Es ist ungewöhnlich, dass sich die Kommission zu einer einzelnen Rating-Entscheidung äussert. Portugal wurde bisher in Brüssel attestiert, das Sparprogramm engagiert umzusetzen. Kurssturz Nach der Abstufung der Kreditwürdigkeit Portugals auf Ramschstatus durch die Ratingagentur Moody's hat es am Mittwoch an der Lissaboner Börse einen Kurssturz gegeben. Die Kurse gaben am Mittwoch durchschnittlich 2,5 Prozent nach, Bankaktien fielen besonders stark. Aktien der Banco Comercial Portugues verloren beispielsweise mehr als 5 Prozent. Der Kurs des Euro ist am Mittwoch ebenfalls deutlich gefallen. Die Europäische Gemeinschaftswährung wurde im Vormittagshandel mit 1.4369 US-Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0.6958 Euro wert. Im asiatischen Handel hatte der Euro noch 1.4466 Dollar gekostet. Zum Franken verlor der Euro ebenfalls leicht und kostete am Mittwochmittag 1.2069 Franken. Moody's hatte seine Entscheidung zur Herabstufung damit begründet, dass das Land möglicherweise ein zweites Rettungspaket benötige und seine Sparziele verfehle. Weitere Herabstufungen könnten erfolgen, falls die Regierung in Lissabon die Sparmassnahmen nicht umsetze, die Wachstumsprognose sinke oder die Gefahr drohe, dass sich der Privatsektor an zukünftigen Rettungsmassnahmen beteiligen müsse.

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