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Europas Banken und die Zwei-Billionen-Euro-Hürde Hoffen auf Staatsgarantien von Steve Slater, Reuters Hintergrund

London Gegen die von der Politik ins Gespräch gebrachte Zwangskapitalisierung laufen Europas Banken Sturm - doch so ganz wollen sie auf die Hilfe der Staaten in der Schuldenkrise auch nicht verzichten.

Weit oben auf dem Wunschzettel: Die Linderung der Refinanzierungsnot. Fast zwei Billionen Euro müssen die Geldhäuser in den kommenden drei Jahren refinanzieren - in Zeiten, in denen die Märkte verrückt spielen, ist das schwer. Wenn sich schon die Banken untereinander nicht mehr über den Weg trauen, warum sollten es dann die Investoren tun? Dabei gäbe es ein Mittel, das sich bereits in der Finanzkrise bewährt hat: Staatsgarantien. Die Hoffnung der Banker ist gross, dass sich der EU-Gipfel an diesem Wochenende genau daran erinnert. Die Vorzeichen sind nicht schlecht. Immerhin wurde zu Wochenbeginn aus EU-Kreisen bekannt, dass die Finanzminister an einem Drei-Punkte-Plan zur Stabilisierung der Banken arbeiten. Die Erkenntnis sei gereift, dass eine reine Rekapitalisierung der Institute nicht ausreiche, sondern ein Gesamtpaket nötig sei, sagten mit den Plänen vertraute Diplomaten. Refinanzierung als Knackpunkt Also sollen zu der geforderten höheren Kernkapitalquote von voraussichtlich neun Prozent noch zwei Massnahmen hinzukommen: Ein zusätzlicher Kapitalpuffer für Häuser mit einem besonders grossen Engagement in Schuldenstaaten wie Griechenland - und eben Hilfen, damit sich Banken problemlos refinanzieren können. «Alles hängt an Sicherheiten für Staatsanleihen und einer grösseren Unterstützung bei der Refinanzierung», sagt Morgan-Stanley- Analyst Huw van Steenis. Während die Staaten in der Finanzkrise ihre Banken jeweils selbst mit Garantien gestützt haben, steht nun sogar ein supranationales Instrument zur Verfügung: der Euro- Rettungsschirm EFSF. Er könnte Funding-Garantien übernehmen. Allein: Die Euro-Länder sind sich untereinander noch nicht einig, ob und wie die zur Verfügung stehenden Milliardensummen über einen Hebel vervielfacht und am besten genutzt werden können. Zeit drängt Dabei drängt die Zeit. Von den 1,7 Bio. Euro, die Europas Banken bis 2014 refinanzieren müssen, stehen allein im kommenden Jahr 500 Milliarden an - unbesicherte Anleihen, Covered Bonds und andere Verbindlichkeiten, die fällig werden. Banker geben zu Bedenken, dass der Refinanzierungsmarkt im Moment zweigeteilt ist: «Institute, die als solide eingestuft werden, haben keine Probleme. Andere schon», sagt ein Kenner der Branche. Im Fokus stehen wieder einmal die französischen Grossbanken, die einerseits besonders viel Geld in den Schuldenstaaten stecken haben und andererseits sehr abhängig von einer kurzfristigen Refinanzierung sind. Schon im Sommer, als viele US-Geldmarktfonds Geld aus Europa abzogen, kreisten die Sorgen hauptsächlich um Société Générale , Crédit Agricole und Co. Die Analysten der Royal Bank of Scotland (RBS) machen sich wegen ihrer starken Abhängigkeit von kurzfristiger Liquidität auch jetzt die meisten Gedanken über ihre Lage, zudem über die italienische Unicredit und die deutsche Commerzbank. Die Commerzbank ist beim Thema Staatsgarantien eine alte Bekannte: Sie hat aus der Finanzkrise noch immer Garantien des deutschen Bankenrettungsfonds SoFFin über 5 Milliarden Euro in ihren Büchern.

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