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Ex-Swissair immer mehr in chinesischer Hand

Die chinesische HNA hat bereits drei einstige Swissair-Gesellschaften aufgekauft. Der Kaufrausch erinnert an die Hunter-Strategie der Swissair – und deren Risiken.

Nach Zürich fliegt die chinesische Hainan Airlines zwar nicht mehr, zu deren Mutterkonzern HNA gehören aber mittlerweile drei ehemalige Swissair-Betriebe.
Nach Zürich fliegt die chinesische Hainan Airlines zwar nicht mehr, zu deren Mutterkonzern HNA gehören aber mittlerweile drei ehemalige Swissair-Betriebe.
Steffen Schmidt, Keystone

Der HNA-Konzern ist riesig: Einst als Fluggesellschaft der chinesischen Provinz Hainan im Südchinesischen Meer gegründet, ist das Konglomerat heute nicht nur ein Riese der Luftfahrt, sondern auch der Reise- und Tourismusbranche, der Logistik, des Schiffbaus, des Detailhandels und sogar der Finanzbranche. Nach eigenen Angaben umfasst der Konzern Vermögenswerte in Höhe von umgerechnet über 145 Milliarden Franken, kam letztes Jahr auf einen Umsatz von über 85 Milliarden Franken und zählt insgesamt 410'000 Arbeitsstellen.

15 Airlines mit zusammen 1250 Flugzeugen bilden das Rückgrat von HNA. Im Westen ein Begriff ist davon einzig die Hainan Airlines, die diverse europäische Städte anfliegt und vor einigen Jahren auch Zürich und Genf mit Peking verband. HNA betreibt aber auch 13 chinesische Flughäfen, ist eine grosse Nummer im Reisegeschäft für chinesische Touristen, führt 3200 Hotels, verfügt über eine Supermarktkette mit über 1600 Läden und 150'000 Franchisenehmern, ist an unzähligen Immobilienprojekten beteiligt, und und und.

Zum Konglomerat zählen auch die Schweizer Unternehmen Swissport, SR Technics und Gategroup, die allesamt einstige Tochtergesellschaften der Swissair waren. Für rund 2,6 Milliarden Euro kaufte HNA 2015 die Abfertigungsgesellschaft Swissport. Letztes Jahr wurden rund 1,4 Milliarden Franken für den Cateringanbieter Gategroup hingeblättert und für einen unbekannten Preis vier Fünftel der Flugzeugwartungsfirma SR Technics übernommen. Dazu kommen jetzt die ebenfalls aus dem Swissair-Imperium stammenden Flughafenläden der einstigen Nuance, die seit 2014 zum Zollfreihandelskonzern Dufry mit Sitz in Basel gehören. An Dufry ist HNA neu mit 16,8 Prozent beteiligt, wie diese Woche über eine öffentliche Börsenmeldung bekannt wurde.

HNA-Chef ist Parteidelegierter

Der starke Mann bei HNA und Architekt hinter der internationalen Expansion des Konzerns ist Chen Feng. Chen wurde 1953 geboren, bei der Kulturrevolution musste er die Schule verlassen und kam zur chinesischen Luftwaffe. In den Achtzigerjahren hat Chen eine Weiterbildung in Europa gemacht, ehe er 1989 schliesslich in den Dienst der Weltbank trat. Allerdings nur für kurze Zeit: Denn bald wurde er von der chinesischen Provinz Hainan damit beauftragt, eine Airline aufzubauen. Diese hob schliesslich am 2. Mai 1993 ab und markierte den Beginn der HNA-Unternehmensgeschichte. Chens HNA profitierte von der wirtschaftlichen Öffnung Chinas, und innert zwei Jahrzehnten entstand der Konzern, der gemäss dem US-Wirtschaftsmagazin «Fortune» seit 2015 zu den 500 grössten Unternehmen der Welt zählt.

HNA ist zwar ein privater Konzern, zu dem nicht weniger als zwölf börsenkotierte Unternehmen gehören. Chen konnte seine Geschäfte aber auch immer nur machen, wenn diese vom chinesischen Staat mitgetragen wurden. Seit 2002 ist Chen auch Delegierter der Kommunistischen Partei. Geldgeber von HNA sind grösstenteils staatliche Banken. Und die Verbundenheit des Konzerns mit dem Staat wird auch nach aussen grossgeschrieben. Auf der englischsprachigen Webseite von HNA ist etwa davon die Rede, dass es für die über 400'000 HNA-Mitarbeiter eine verpflichtende Verantwortung sei, für die Verjüngung der chinesischen Nation zu kämpfen und zur Realisierung des chinesischen Traums beizutragen.

Wolkenkratzer und Bankenbeteiligung

Welche Rolle die chinesische Politik bei HNA spielt, ist unklar. Auch über Chen Feng ist öffentlich nur sehr wenig bekannt. Deshalb und wegen der doch eher geringen Transparenz von HNA ist es schwer abzuschätzen, wie hoch das Risiko ist, dass das kreditfinanzierte, schnell wachsende Konglomerat kollabieren würde, wenn beispielsweise mehrere Konzernteile gleichzeitig geschäftlich ins Schlingern gerieten oder dereinst konjunkturelle Einflüsse deren Umsätze und Erträge stark drücken würden.

Ironischerweise zeigt gerade die gescheiterte Hunter-Strategie der ehemaligen Swissair, von deren Konkursmasse HNA mittlerweile einen bedeutenden Teil besitzt, dass eine schnelle internationale Expansion mit Firmenübernahmen erhebliche Risiken bergen kann. Zwar können die einstige Swissair und die HNA-Gruppe keinesfalls direkt verglichen werden, Parallelen gibt es aber dennoch. Beispielsweise war die Swissair wie heute die HNA in ihrem Kaufrausch von der Überzeugung getrieben, der Heimmarkt werde ihr zu eng. HNAs Kaufziele haben zwar immer irgendwie mit der Tätigkeit des Konglomerats in China zu tun, sie reichen aber von flugnahen Geschäften wie jenen der Ex-Swissair-Töchter und zahlreichen Airline-Beteiligungen über Frankfurts Zweitflughafen Hahn, einen IT-Grosshändler und ein New Yorker Bürohochhaus bis hin zu einer Beteiligung an der Deutschen Bank.

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