Familie Blocher gehört neu zu den zehn Reichsten der Schweiz

Um 60 Milliarden Franken haben die 300 Reichsten der Schweiz ihr Vermögen in diesem Jahr vermehrt. Möglich hat dies die Börse gemacht – und die Zuwanderung.

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Die Familie Blocher hat laut den Berechnungen des Magazins «Bilanz» ihr Vermögen in diesem Jahr um 4 Milliarden auf 11 bis 12 Milliarden Franken gesteigert. Christoph und Silvia Blocher sowie ihre vier Kinder sind damit erstmals unter den Top Ten der 300 Reichsten in der Schweiz. Zum Blocher-Imperium gehören neben der Mehrheit an der EMS-Chemie und an Dottikon ES auch das Läckerli-Huus sowie die Mediengruppen Basler Zeitung und Zehnder.

Ikea-Familie bleibt an der Spitze

An erster Stelle der Liste, welche die «Bilanz» immer zum Jahresschluss präsentiert, ist mit geschätzten 48 bis 49 Milliarden Franken die Familie Kamprad. Die Ikea-Besitzer wohnen im Kanton Waadt. An zweiter Stelle liegt der in Rapperswil-Jona wohnhafte Jorge Lemann. Der 78-jährige brasilianisch-schweizerische Doppelbürger kommt auf ein Vermögen von gegen 29 Milliarden Franken. Er hält mit seiner 3G Capital Beteiligungen an den Nahrungsmittelkonzernen Kraft Heinz, Burger King und dem Bierkonzern AB Inbev. Die Bronzemedaille geht erneut an die Familien Hoffmann und Oeri. Das Vermögen der Nachfolger der Roche-Gründerfamilie ist um 1 Milliarde auf 24 bis 25 Milliarden Franken gestiegen.

Neu auf der «Bilanz»-Liste ist die Familie Safra (Bank J. Safra Sarasin, Beteiligungen, Immobilien). Das Konglomerat des aus Beirut stammenden Brasilianers Joseph Safra (79) ist rund 20 Milliarden Franken schwer. Der vermutlich reichste Bankier der Welt hat sich in Crans Montana VS niedergelassen.

Vettel ist der Jüngste unter den Reichen

Der Jüngste unter den 300 Reichsten ist Sebastian Vettel (30). Der Formel-1-Pilot wohnt auf einem umgebauten Bauernhof im Kanton Thurgau und kommt auf gegen 200 Millionen Franken.

Grösster Absteiger bei den hiesigen Milliardären ist Hansjörg Wyss (82). Vor einiger Zeit verpflichtete sich der frühere Synthes-Inhaber der US-Initiative «The Giving Pledge». Diese Initiative haben der US-Investor Warren Buffett und Microsoft-Gründer Bill Gates im Jahr 2010 ins Leben gerufen: Milliardäre, die sich daran beteiligen, versprechen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens für gute Zwecke zu spenden. Wyss hat dies seither getan. So hat er beispielsweise im Jahr 2014 der ETH Zürich und der Universität Zürich 120 Millionen US-Dollar für ein gemeinsames Forschungszentrum geschenkt. Er engagiert sich auch für den Landschaftsschutz sowie die Kunst (Beyeler-Stiftung) und den Breitensport. Sein Vermögen ist in diesem Jahr um 6 Milliarden auf 7 bis 8 Milliarden Franken geschrumpft.

Gesamthaft 674 Milliarden Franken besitzen die 300 reichsten Personen und Familien der Schweiz laut den Recherchen der «Bilanz». Hinter dem Geldsegen steckt gemäss dem Magazin die gut laufende Börse. Aber auch der Zuzug neuer Milliardäre schenkte ein. Ein Vermögen von 100 Millionen Franken ist nötig, damit man in die Liste der 300 Superreichen aufgenommen wird.

Kritik am extremen Reichtum

«Der Vermögenszuwachs von 60 Milliarden Franken bei den 300 Reichsten der Schweiz ist ein Zeichen der Konzentration des Kapitals in den Händen von relativ wenigen Personen», sagt der Basler Soziologe Ueli Mäder. «Wenn man den globalen Bezug herstellt, so sieht man, dass die Hälfte der Menschen rund 409 Milliarden US-Dollar besitzt. Das ist nicht mal so viel, wie die 300 Reichsten in der Schweiz haben», erklärt Mäder. So betrachtet wirke der Reichtum in der Schweiz noch extremer.

«Die Vermögensanlage der Reichen entzieht häufig auch Geld dort, wo man es dringend brauchen würde.»Soziologieprofesor Ueli Mäder

Das Argument, Reiche würden mehr Steuern bezahlen, lässt der emeritierte Professor der Universität Basel nicht gelten, «denn wenn der Reichtum besser verteilt wäre, dann würden mehr Menschen auch mehr Steuern zahlen können.» Laut Ueli Mäder komme die sagenhafte Vermehrung des Reichtums auch daher, dass diese Personen sich in Sachen Anlegen besser beraten lassen können. Mäder: «Reiche legen ihr Vermögen in Bereichen an, wo höhere Renditen möglich sind.» Das erfolge zum Nachteil von Wirtschaft und Gesellschaft, wie Mäder glaubt. «Die Vermögensanlage der Reichen entzieht häufig auch Geld dort, wo man es dringend brauchen würde. Statt ins Kleingewerbe und in vernachlässigte Regionen fliesst zu viel Geld von den Reichsten in den Finanzsektor. Dort erwarten sie höhere Renditen.» Das führe aber zu Umlagerungen von Geldern vom Werk- in den Finanzplatz. «Im Werkplatz wäre die Wertschöpfung für die Gesellschaft nachhaltiger», ist Mäder überzeugt.

Jeder 15. Milliardär wohnt in der Schweiz

Das Gesamtvermögen von 674 Milliarden ergibt heruntergebrochen auf die 300 Superreichen ein Pro-Kopf-Vermögen von 2246 Millionen Franken. Dieses Durchschnittsvermögen hat in sich in den letzten drei Jahrzehnten mehr als verdreifacht. Würde das Geld auf die Schweizer Bevölkerung verteilt, erhielt jeder und jede 80’200 Franken.

Fast jeder Zweite von den 300 Reichsten – insgesamt 138 – ist Milliardär. Von den weltweit 2043 Milliardären, die «Forbes» zählt, wohnt damit jeder 15. in der Schweiz. (eme/sda)

Erstellt: 23.11.2017, 21:58 Uhr

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