Finma-Chef Branson schlägt Alarm

Das passt dem obersten Finanzmarkt-Aufseher gar nicht: In Sachen «Petrobras» hätten einige Schweizer Banken versagt. Und dabei seien es nicht mal Altlasten.

Beunruhigt über neue Risiken: Finma-Direktor Mark Branson bei einer Pressekonferenz in Bern. (31.März 2015)

Beunruhigt über neue Risiken: Finma-Direktor Mark Branson bei einer Pressekonferenz in Bern. (31.März 2015) Bild: Ruben Sprich/Reuters

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Geldwäscherei statt Steuerflucht: Laut der Finanzmarktaufsicht Finma verschieben sich die Risiken für Schweizer Banken. Ein Grund ist die Zunahme von Geldern aus Schwellenländern.

Dies zeigt sich bei zwei aktuellen Fällen: Dem Korruptionsskandal um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras und den undurchsichtigen Geldflüssen um den malaysischen Staatsfonds 1MDB. In beide Fälle sind Schweizer Banken involviert, wie Finma-Direktor Mark Branson am Donnerstag vor den Medien in Bern sagte.

Verfahren gegen sieben Banken

Aufgrund dieser beiden Fällen führe die Finma derzeit Verfahren gegen sieben Banken, sagte Branson. Es gebe konkrete Hinweise, dass die Massnahmen dieser Banken zur Bekämpfung von Geldwäscherei und deren Risikomanagement ungenügend gewesen seien.

Besonders beunruhigend an diesen zwei Fällen sei, dass es keine Altlasten seien. Die Gelder seien bis in jüngere Zeit entgegen genommen worden, sagte Branson. Zudem handle es sich gemäss bisherigen Erkenntnissen nicht um Gelder aus dem Graubereich. Vieles deute auf klare Fälle von Korruption hin.

Geldflüsse von mehreren Milliarden Dollar

Und letztlich seien es sich nicht kleine Fische. Der Umfang der Fälle und die Höhe der Summen seien enorm. Man spreche hier von Geldflüssen in einer Dimension von mehreren Milliarden US-Dollar und von einzelnen Transaktionen von Hunderten von Millionen.

Er wolle nicht dem ganzen Finanzplatz pauschal etwas vorwerfen, sagte Branson: Beim Beispiel «Petrobras» hätten sich drei Viertel der untersuchten Banken weitgehend korrekt verhalten. Ein Viertel aber womöglich nicht, und ein Viertel sei zu viel.

Grosser «Risikoappetit»

Manche Banken hätten einen zu grossen Risikoappetit gehabt, folgerte der Finma-Direktor. Sie hätten vermögende Kunden aufgenommen, deren Hintergründe unklar gewesen seien. Sie hätten für diese Aufträge ausgeführt, bei denen die Motive diffus blieben, und Gebühren eingenommen, die überdurchschnittlich hoch schienen.

Natürlich würden auch über Banken in anderen Ländern Gelder gewaschen. Dennoch schadeten solche Fälle der Reputation des Schweizer Finanzplatzes, sagte Branson. Um die Geldwäscherei zu bekämpfen, brauche es nicht schärfere Regeln. Die bestehenden Regeln müssten aber konsequenter umgesetzt werden. (kat/sda)

Erstellt: 07.04.2016, 10:26 Uhr

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