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Franken ist laut SNB noch deutlich überbewertet

Zehn Monate nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses ist der Franken immer noch überbewertet. Zu diesem Schluss kommt die Schweizerische Nationalbank.

Hatte während der Griechenland-Krise im Sommer am Devisenmarkt interveniert: die Schweizer Nationalbank. (Archivbild vom 9. September 2015)
Hatte während der Griechenland-Krise im Sommer am Devisenmarkt interveniert: die Schweizer Nationalbank. (Archivbild vom 9. September 2015)
Peter Klaunzer, Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält den Franken immer noch für deutlich überbewertet. Der inflationsbereinigte Wechselkurs des Frankens gegenüber einem Korb mit den Währungen der wichtigsten Handelspartner liege immer noch rund 15 Prozent über seinem langfristigen Durchschnittswert.

Dies sagte das neue Mitglied des SNB-Direktoriums, Andréa Maechler, am Donnerstag in seiner ersten Rede am Geldmarkt-Apéro der Nationalbank in Genf. Ende 2014 sei der Franken um weniger als zehn Prozent überbewertet gewesen. Die SNB hatte am 15. Januar den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben, was den Franken auf einen Schlag massiv verteuerte.

Unsicherheit nach wie vor gross

Die Lage am Devisenmarkt habe sich noch nicht normalisiert, sagte Maechler. Private Kapitalabflüsse, die früher jeweils die strukturellen Leistungsbilanzüberschüsse der Schweiz ausgeglichen hätten, hätten sich seit der globalen Finanzkrise in Nettozuflüsse gewandelt.

«Hinter dieser Umkehr der Kapitalflüsse liegen veränderte Präferenzen der Investoren», sagte Maechler. Während sich die weltwirtschaftlichen Bedingungen verbessert hätten, sei die Unsicherheit nach wie vor gross. Dies veranlasse einige Anleger dazu, sich für die relative Sicherheit des Frankens zu entscheiden.

Dies gelte auch für inländische Investoren, darunter grosse institutionelle Anleger, die zum Teil ihr Vermögen und ihren Anlageertrag repatriiert hätten. «Somit wird der Franken voraussichtlich so lange unter Druck bleiben, bis sich die Präferenzen der Investoren wieder normalisiert haben», sagte Maechler.

Intervention am Devisenmarkt

Zudem sagte die Genferin, dass die SNB während der Griechenland-Krise im Sommer am Devisenmarkt interveniert habe. Dies sei zu einem Zeitpunkt ausgeprägter Marktvolatilität und globaler Unsicherheiten geschehen, als die griechische Regierung ein Referendum über den internationalen Rettungsplan angekündigt habe.

Auch Dewet Moser, stellvertretendes Mitglied des Direktoriums, sagte in einem Referat, das auf Maechler folgte, dass die Intervention der SNB am Devisenmarkt Ende Juni erfolgreich gewesen sei. Ansonsten hätte sich der Franken gegenüber dem Euro noch stärker aufgewertet. Die Taten und Worte der SNB zeigten am Markt durchaus Wirkung, sagte Moser gemäss Redetext.

Die SNB habe auch später unmissverständlich signalisiert, dass mit ihr zu rechnen sei. Investoren hätten neben dem Franken auch noch andere sichere Häfen gesucht und diese beispielsweise im japanischen Yen gefunden.

Gleichzeitig mit der Aufhebung des Mindestkurses im Januar hat die SNB den im Dezember eingeführten Negativzins verschärft. Dies soll die Bankguthaben auf ihren Girokonten weniger attraktiv machen. Die gewährten Freibeträge sind gemäss Dewet Moser grosszügig: «Wir haben unseren Negativzins so aufgesetzt, dass er die geldpolitisch erwünschte Wirkung erzeugen kann, ohne Finanzsystem und Zahlungsverkehr unnötig zu belasten.»

SDA/mlr

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