Zum Hauptinhalt springen

Frankenstärke verführt Firmen zu Sparmassnahmen bis die Unia klagt Unternehmen erhöhen Arbeitszeit und zahlen Euro-Löhne Von Roger Lange, sda Hintergrund

Weil der starke Franken Erträge wegfrisst, prüfen immer mehr Schweizer Firmen Sparmassnahmen wie längere Arbeitszeiten oder Löhne für Grenzgänger in Euro.

In sozialpartnerschaftlichem Einvernehmen ist manches rasch möglich, aber es kommt auch zu Gerichtsfällen. Manche Firmenleitungen schöpfen Hoffnung aus Schlagzeilen über Arbeitszeitverlängerungen, wie sie etwa der Basler Pharmazulieferer Lonza mit über 8000 Angestellten oder der Küchenbauer Franke angekündigt haben. Die Währungskrise trifft vor allem Exporteure, doch Ausland-Konkurrenz wird mit dem Euro auch für andere billiger. Und die Frankenstärke, vor der Economiesuisse schon seit anderthalb Jahren warnt, dürfte laut dem baselstädtischen Arbeitgeberverband «noch einige Zeit andauern». Je nach Produkt verliert Umsatz, wer in Franken verkauft, oder Marge, wer in Euro verkauft. So steht einigen Firmen das Wasser am Hals, etwa in der Maschinenindustrie. Änderungskündigungen Die Arbeitszeit verlängern oder den Lohn ändern kann man nur per Änderungskündigung. Sind sich Arbeitgeber und -Nehmer uneins, ist das riskant, warnt der Schweizer Arbeitgeberverband. Nach Schweizer Obligationenrecht (OR) ist bei Massen-Änderungskündigungen ein Konsultationsverfahren nötig wie bei Massenentlassungen. Das dauert, und gutes Personal kann abspringen. Gesamtarbeitsverträge sind ebenfalls einzuhalten. Wer Aufträge hat, aber unter Margendruck steht, kann längere Arbeitszeiten ins Auge fassen. Wenn eine Firmenleitung klare Gründe liefert, machen auch Gewerkschaften mit. Meist geht es um zwei Stunden, die auf zwei Jahre befristet mehr gearbeitet werden soll - bei gleichem Lohn. Muss eine Firma dringend sparen, besteht auch die Versuchung, Löhne zu senken. Im Visier sind primär die gut 420'000 Grenzgänger in der Schweiz - sie arbeiten meist in Grenznähe und leben günstiger im Euroland. Doch dabei droht nicht nur Frust bei Betroffenen; Gewerkschaften wollen aus Prinzip kein Lohndumping akzeptieren. Eurolöhne nur für Grenzgänger Konkret will beispielsweise das Fördertechnik-Unternehmen Stöcklin in Dornach SO seinen Grenzgängern sechs Prozent weniger Lohn zahlen. Der darüber im vergangenen Herbst ausgebrochene Konflikt wird demnächst vor Arbeitsgericht verhandelt, wie bei der Gewerkschaft Unia zu erfahren war. Klagen will die Unia auch gegen die Maschinenteile-Herstellerin Angenstein AG in Aesch: Diese will nicht nur alle länger arbeiten lassen, sondern auch den Lohn ihrer Grenzgänger in Stufen an den Euro-Kurs koppeln, also letztlich senken. Mit der betrieblichen Personalvertretung wurde ein Arbeitsvertragszusatz ausgehandelt. Laut Unia verletzt das neben OR und GAV auch Bilaterale Verträge, weil EU-Bürger diskriminiert würden. Die Firmenleitung hingegen argumentiert auf Anfrage mit der Kaufkraft: Ihre 70 Grenzgänger profitierten enorm vom Kurs, während die ganze Firma samt 110 Schweizer Angestellten am Limit laufe, bei 50 Prozent Exportanteil. Konflikte nehmen zu Nicht nur in der Nordwestschweiz wird der Überlebenskampf im Währungssturm härter: Ein Unia-Sprecher verweist etwa auf einen Konflikt um Arbeitszeiten und Eurolöhne bei der Papierfirma Model in Weinfelden TG sowie einen Streit um Eurolöhne bei der Verpackungsfirma Mopag in Wasen im Emmental. Auch beim Arbeitgeberverband Basel ist die Währungskrise neues Top-Thema in der Rechtsberatung. Lagen Chefs früher Fragen zu Absenzen wegen Krankheit am meisten auf dem Magen, suchten sie nun Möglichkeiten, Folgen des harten Frankens abzufedern. Eine, zwei Anfragen gebe es täglich. Der Verband warnt aber vor Schnellschüssen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch