Freispruch für Schlüsselfigur im Moçambique-Skandal der CS

Ex-CS-Banker belasteten Jean Boustani. Doch US-Geschworene sprachen den Libanesen frei – mit überraschender Begründung.

Fischerboot in Moçambique. Dank Milliardenkrediten sollte das Land eine moderne Schiffsflotte bekommen, doch das Geld versickerte zum grossen Teil.  Foto: Lukas Lehmann (Keystone) 

Fischerboot in Moçambique. Dank Milliardenkrediten sollte das Land eine moderne Schiffsflotte bekommen, doch das Geld versickerte zum grossen Teil.  Foto: Lukas Lehmann (Keystone) 

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Der Libanese Jean Boustani gilt als Schlüsselfigur im Schmiergeldskandal um Milliardenkredite an den afrikanischen Staat Moçambique, die zum Teil von der Credit Suisse vergeben wurden. Boustani war in den USA angeklagt, weil er rund 200 Millionen Dollar Bestechungsgelder – rund 50 Millionen davon an den Ex-CS-Banker Andrew Pearse – gezahlt haben soll, um für seinen Arbeitgeber Privinvest Aufträge in Milliardenhöhe an Land zu ziehen. Dennoch sprachen ihn die Geschworenen des US-Bezirksgerichts in New York nun überraschend frei.

Das Urteil ist ein Rückschlag für die US-Justiz, die versucht, die Korruption in Schwellenländern mit Strafklagen zu bekämpfen. Für den Eigner von Privinvest, den libanesischen Geschäftsmann Iskandar Safa, ist das Urteil dagegen ein grosser Sieg.

Kredite von Credit Suisse und VTB

Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen: Privinvest erhielt ohne Ausschreibungen Aufträge, um ein Küstenwachensystem, eine Thunfischfangflotte und Werften im afrikanischen Land aufzubauen. Das Geld stammte aus mehreren Krediten über insgesamt 2 Milliarden Dollar, die von der Credit Suisse und der russischen VTB gesprochen worden waren.

Laut der Anklage hatte Privinvest selbst diese Kredite organisiert. Rund 200 Millionen Dollar davon soll für Bestechung zweckentfremdet worden sein. Die Kreditverträge im Namen Moçambiques hatte der damalige Finanzminister Manuel Chang unterzeichnet. Für die Milliardenkredite sprach er eine Staatsgarantie aus. Allerdings wurde das Finanzgeschäft am Parlament vorbei abgeschlossen.

Deal führte zum Bankrott

Die US-Justiz schaltet sich unter anderem in den Fall ein, weil die Credit Suisse die Kredite später über Anleihen an Investoren weiter verkaufte. Einige der Investoren stammen aus den USA und fühlen sich nun getäuscht. Denn als der Internationale Währungsfonds (IWF) 2016 Wind von Milliardenkrediten an das bettelarme Moçambique bekam, stoppte er seine Hilfszahlungen an das afrikanische Land, weil der fragliche Milliardendeal hinter dem Rücken des IWF abgeschlossen worden war und die Kredite nicht den Kriterien des IWF entsprachen. Das führte 2016 dazu, dass Moçambique seine Schulden nicht mehr bedienen konnte.

Andrew Pearse, Ex-CS-Banker, verlässt ein Gericht vergangenen Frühling. Foto: Chris Ratcliffe (Getty Images)

Insgesamt sind in dem Fall neben Boustani sieben weitere Beteiligte angeklagt: Drei ehemalige Banker der Credit Suisse, ein weiterer Privinvest-Mitarbeiter und drei hochrangige Staatsvertreter Moçambiques, darunter Ex-Finanzminister Manuel Chang.

Banker belasten Boustani schwer

Die Ex-Banker Andrew Pearse, Surjan Singh und Detelina Subeva hatten gegen den 41-jährigen Boustani ausgesagt und ein Schuldgeständnis abgelegt. Sie hätten millionenschwere Schmiergelder von Privinvest erhalten, sagten sie. Allein Pearse habe 50 Millionen Dollar bekommen, damit die Credit Suisse ihre Gebühren für Privinvest senke.

Dennoch wurde Privinvest-Manager Boustani nun freigesprochen. Seine Anwälte hatten auf Freispruch plädiert, weil ihr Klient nichts mit den Anleihenverkäufen an US-Investoren zu tun gehabt habe. «Jean hat nie etwas an Investoren verkauft, er war nur Vertreter in Moçambique», hatte sein Anwalt Randall Jackson laut «Financial Times» gesagt. Und dass in Moçambique Korruption weitverbreitet sei, sei allgemein bekannt. Die Geschworenen sahen offenbar auch keinen US-Bezug zur Klage – und sprachen Boustani frei.

Erstellt: 03.12.2019, 18:25 Uhr

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